Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, steht im Garten des Erzbischöflichen Hauses und blickt gequält nach oben. © picture alliance/dpa | Oliver Berg Foto: Oliver Berg

Papst Franziskus belässt Kölner Kardinal Woelki im Amt

Stand: 24.09.2021 17:59 Uhr

Der nicht unumstrittene Kölner Kardinal Woelki bleibt im Amt. Diese Entscheidung des Papstes gab der Vatikan bekannt. Wie geht es nun weiter?

von Florian Breitmeier

Ein Kommentar von Florian Breitmeier aus der Redaktion Religion und Gesellschaft

Der beschämende Umgang hoher Verantwortungsträger der katholischen Kirchen mit Betroffenen und mit Fällen sexualisierter Gewalt bleibt in Deutschland weiterhin ohne persönliche Konsequenzen. Papst Franziskus hat nach monatelangem Schweigen nun Entscheidungen getroffen, die viele Gläubige erneut nicht mehr verstehen. In brüderlicher Zuneigung belässt der in Missbrauchsfragen wortreich eine Null-Toleranz-Linie artikulierende Franziskus trotz aller Zerwürfnisse, Verletzungen und Fehler die Kölner Bistumsleitung im Amt. Mehr noch: Er lobt Kardinal Woelki für dessen Entschlossenheit bei der Missbrauchsaufarbeitung und für seine Zuwendung den Betroffenen gegenüber.

Papst Franziskus' Anteil am Kölner Desaster

In moralischer und seelsorglicher Hinsicht ist das katastrophal, weil es Betroffene verletzt und Gläubige verstört. All das wird die Gräben am Rhein vertiefen und die Vertrauenskrise verschärfen. Mit seiner Entscheidung hat nun auch Franziskus am Kölner Desaster seinen bescheidenen Anteil. Das zählt. Noch mehr Gläubige werden sich nun frustriert von der Kirche abwenden und austreten. Die durch sexualisierte Gewalt an Leib und Seele Verletzten werden durch diese Personalpolitik erneut gedemütigt. Dass der Betroffenenbeirat in Köln einst für erzbischöfliche Winkelzüge instrumentalisiert wurde, dass Missbrauchsopfer sich - nicht nur in Köln - wie Bittsteller vorkamen und vorkommen, ficht Franziskus nicht an.

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"Große Fehler" habe es in Köln vor allem auf der Ebene der Kommunikation gegeben, heißt es aus Rom - das habe die Vertrauenskrise verursacht und viele Gläubige verstört. Bitter möchte man hinzufügen: War also alles gut, nur halt schlecht verkauft! Ursache und Wirkung des Desasters in Köln werden hier auf fatale Weise verdreht. Viele Menschen aber spüren das.

Wie geht es nun weiter?

Die eklatante Vertrauenskrise der katholischen Kirche in Deutschland wird dadurch nur noch größer. Das weiß auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Er macht klar, dass er von dieser Art der Krisenbewältigung nichts hält.

Seine Stellungnahme zur Situation im Erzbistum Köln lässt sich in weiten Teilen nur als ein Dokument der persönlichen Entfremdung vom Amtsbruder in Köln lesen. Unterstützung sagt er dem nun eingesetzten Apostolischen Administrator, Weihbischof Steinhäuser, zu. Erzbischof Woelki erfährt diese Solidaritätsnote nicht. Wie soll es nun weitergehen?

Ein Spiel auf Zeit?

Klar ist, dass Franziskus in den kommenden Monaten abwarten kann, ob der erhoffte Versöhnungsprozess im Erzbistum Köln ohne Woelki überhaupt in Gang kommt oder ob dieser Prozess von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, weil die Gläubigen eine Rückkehr des Kardinals partout nicht wollen. Sehr viel spricht für die zweite Variante. Es mag sein, dass der Papst den mächtigen Kardinal nicht einfach ohne ein zuvor eingereichtes Rücktrittsgesuch hart aus dem Amt befördern wollte und ihn zu neuen Überlegungen in der Auszeit bringen möchte.

Beim umstrittenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst ordnete der Papst damals eine mehrmonatige Auszeit an, bevor er ihn endgültig aus Limburg abberief. Wie auch immer, zunächst heißt es aus Rom: Der Papst zählt auf Kardinal Woelki. Unter dem Strich muss man aber fragen: Auf wen bitteschön zahlt das am Ende ein?

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NDR Kultur | Kommentar | 24.09.2021 | 18:00 Uhr

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