Sendedatum: 25.11.2019 21:00 Uhr

Platt-Radio för un vun junge Lüüd

Vormann Oliver Bohn drückt den Gashebel zügig nach vorn. 320 PS schieben das DGzRS-Rettungsboot "Werner Kuntze" mit großer Heckwelle raus aus dem Hafen von Langballigau, raus in den Nebel auf die spiegelglatte Flensburger Förde. Ein kleines "Huch" kommt von den sechs Gästen in den orangeroten Rettungswesten, als der Retter Fahrt aufnimmt. Der kleine Schauder dauert nur ein paar Sekunden, dann sind die sechs wieder voll konzentriert. Marc Real weicht mit dem NDR-1-Welle-Nord-Mikrofon keine Sekunde von den Lippen von Axel-Willi Bohn. Der Vater und Vorgänger von Vormann Oliver erzählt von Einsätzen, der Crew, dem Revier. Auf Platt. Und das brauchen die Jungreporter. Sie sollen in nur drei Tagen eine Stunde Radio mit niederdeutschen Beiträgen produzieren. Sie stellen die Hälfte Crew des Workshops "Radio för junge Lüüd" dar, zu dem das Länderzentrum für Niederdeutsch (LZN) und NDR 1 Welle Nord auf den Jugendhof Scheersberg in Angeln eingeladen haben.

Radioworkshop auf Plattdeutsch.

Radio-Workshop für junge Leute - auf Plattdeutsch

Schleswig-Holstein Magazin -

Wie entsteht ein Radiobeitrag? Dieser Frage sind junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren in einem Workshop auf dem Jugendhof Scheersberg nachgegangen - komplett auf Plattdeutsch.

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Vor Ort in Langballigau und Maasholm

Die anderen sechs Teilnehmer des Workshops sind zur gleichen Zeit mit LZN-Chefin Christianne Noelting auf der Station Maasholm der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Dort erzählt Bruno Meyer vom Alltag, Revier und Einsätzen auf der Schlei - natürlich auch auf Platt. Als die Langballigau- und die Maasholmgruppe am späten Freitagnachmittag wieder auf dem Jugendhof Scheersberg zusammenkommen, stehen drei Dinge fest. Erstens: Es war richtig, sich für das Thema "Die Freiwilligen in der DGzRS" zu entscheiden. Zweitens: Es war wirklich spannend. Und drittens: Die Speicherkarten der Reportagegeräte sind randvoll, wir haben noch richtig viel Arbeit vor uns.

Schleswig-Holstein-Magazin begleitet Platt-Reporter

Hören, Schneiden, Texten

Freitag zum Start gab es etwas Theorie darüber, wie Radio funktioniert oder was eine Geschichte ausmacht, dann die Ausflüge nach Maasholm und Langballig. Etwas erschöpft von den Eindrücken und der frischen Luft diskutiert die Runde am Abend im Plenum, welche Geschichten erzählt werden sollen. Es sei doch etwas viel am ersten Tag gewesen, geben die Teilnehmer zwischen 14 und 30, aus Övelgönne, Kiel, Schuby, Bremen, Garrel und Elsfleth beim Frühstück im Wallroth-Haus auf dem Scheersberg am Sonnabendmorgen zu Protokoll. Sie wissen noch nicht, was auf sie zukommt. Themen und Geschichten bestimmen, Schneidesoftware lernen. Das erste "Oh" des Sonnabends kommt, als die vier Arbeitsgruppen an den vier Audio-Workstations merken, dass "Schneiden" viel Nachdenken, viel Zeit und einige Fertigkeiten verlangt. Beispielsweise, wenn aus 14 Minuten Interview auf See mit Axel-Willi Bohn eine Zweieinhalb-Minuten-Reportage werden soll. Das dauert - aber es geht. Die Niederdeutsch-Redakteure von NDR 1 Welle Nord sind im Dauereinsatz. Jede der vier Arbeitsgruppen hat Fragen und braucht Hilfe. Es wird schon dunkel, als der Schnitt endlich geschafft ist. Nun müssen die O-Töne aus dem Interview zu Texten umgeschrieben werden. "Geiht dat so?" - "Nee, eegentli nich, verseuk dat doch mol so." Das Licht im Musiksaal des Scheersbergs geht an diesem Abend nach 22 Uhr aus.

Unterer Fahrstand eines Seenotrettungsbootes. © picture alliance / JOKER Foto: Alexander Stein

Wie sich junge Leute im Radio ausprobieren

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Die freiwilligen Retter der DGzRS sind die Protagonisten in Beiträgen, die zwölf junge Leute im Rahmen eines Radio-Workshops mit NDR 1 Welle Nord engagiert angefertigt haben.

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Ü56 auf dem Scheersberg

"Upps, ihr seht müde aus", bemerkt Christianne Nölting am Sonntagmorgen. "Ja, war spät und viel Arbeit", kommt es aus dem Stuhlkreis. "Aver dat hett Spoos mokt", meint Nadine Koop aus Kiel. Elf Köpfe nicken zustimmend. Verschnaufen ist jedoch nicht. Sebastian Göttlich hat Ü56 schon rückwärts dicht an den Musiksaal rangiert, Kabelstränge ziehen sich vom Ü-Wagen in den Saal, Toningenieurin Sonja Paar zählt immer wieder "eins, zwei, drei." "Danke", quäkt es aus einem Lautsprecher: "So ist es perfekt." Ablauf, die Skripte, die mühsam geschnittenen O-Töne - alles ist bereit. Überall wird geübt. Die 17-jährige Elena Mank hat sich ins Foyer zurückgezogen. Sie brennt für Radio, kann aber eigentlich kein Wort Platt. Sie will dabei sein. Wieder und wieder übt sie "ach-tein-hunnert-fief-un-sösstig". Sie hat mit an dem Bericht zur Geschichte der DGzRs gearbeitet. Und die wurde schließlich 1865 in Kiel gegründet.

Das Schleswig-Holstein-Magazin dreht

Noch geht es nicht los. Die 20-jährige Nele Petersen aus Kiel wird interviewt. Das Schleswig-Holstein-Magazin ist wieder da. Schon am Freitag war ein Team mit an Bord der "Werner Kuntze". Nun wird Nele erneut befragt. Schließlich soll der Film am Montag im "Schleswig-Holstein Magazin" abbilden, wie sich die zwölf jungen Radiomacher an das Thema, an Platt und das Medium herangearbeitet haben. Deswegen helfen alle mit, zeigen dem Fernsehteam, wie für Radio aufgenommen, geschnitten und getextet wird. Doch Sonntagmittag ist vorbei, es darf und es muss endlich losgehen!

Rotlicht: Achtung Aufnahme

Um kurz nach 14 Uhr kommt endlich: "Achtung". Jördes Weerda und Gesche Gloystein sind das Moderatorenteam. Noch einmal geübt: "Heer is von Binnenland und Waterkant mit uns plattdüütsche Stünn." Klappt. Handzeichen, Gesche beginnt, Jordis setzt fort, alle Teilnehmer stehen im Rund. "Und wi kümmt" ist ihr Stichwort. Sebastian Göttlich geht mit dem Handmikrofon die Reihe längs. "Wi kümmt ut ... Elsfleth, Kiel, Garrel, Bremen, Schuby ...“ Dann geht es die Reihe zurück: "Un heeten: Gesche, Jana, Jan-Bernd ...“ Der Start scheint geglückt, die Musik beginnt. Knacken. "Hier ist der Ü-Wagen - war sehr schön, könnte aber was schneller sein, wir machen das noch Mal". Der dritte Start gelingt schließlich. Dann erneuter Stopp, als die O-Töne für einen Bericht mit einem viel zu lauten Motorengeräusch unterlegt sind. "Geht gar nicht." Hektische Suche in den Dateien nach den "sauberen" O-Tönen. Zehn Minuten später geht es weiter. Nach zwei Stunden ist eine Stunde "Platt Radio för junge Lüüd" aufgezeichnet. Am 25. November von 21 bis 22 Uhr sind die Geschichten über die Freiwilligen der DGzRS in der Niederdeutschen Stunde "Von Binnenland und Waterkant" dann bei NDR 1 Welle Nord auf der Antenne. Das Fazit der 12 Teilnehmer: "Wir sind Fix und Foxi, aber sagt uns sofort Bescheid, wenn es wieder so eine Chance gibt."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 25.11.2019 | 21:00 Uhr

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