Liedermacher Helmut Debus © Michael Jungblut Foto: Michael Jungblut

Helmut Debus: Neues Album eindringlich und nah

Stand: 05.01.2023 08:16 Uhr

Helmut Debus ist einer der großen Poeten der plattdeutschen Sprache. 1976 hat der Sänger aus Brake sein erstes Album veröffentlicht, 19 weitere folgten. Sein neues Album "Angst legg di slapen" ist sogar im US-Musikmagazin "Rolling Stone" besprochen worden.

von Thomas Naedler

Helmut Debus ist 73 Jahre alt und wirft sich noch immer ins Leben hinein. Wie Johnny Cash oder Neil Diamond hat er sich in seinen späten Werken noch einmal neu erfunden. Die Stimme ist tiefer als auf Aufnahmen zuvor. Eindringlich und nah raunt er sich durch die Zeilen.

Die Begegnung mit Martin Gallop hat dieses Album geprägt. Der Kanadier hat bereits mit Udo Lindenberg und Till Brönner gearbeitet - und auch am Schweizer Betrag für den Eurovision Song Contest mitgeschrieben. Er ist zuständig für diesen neuen Debus-Sound. Im Frühling haben sie die gemeinsamen Aufnahmen begonnen - im August waren acht Lieder fertig.

Plattdeutsch ist für Helmut Debus "Herzenssprache"

Das Lied "Midden in't noweer" geht zurück auf die Zeit, in der Helmut Debus im Hafen gearbeitet hat. Nach der Schicht in der Kneipe: "Die Geschichten der Seeleute - diese Stimmung hat er in sein Lied gegossen. "Herzenssprache" nennt er sein Plattdeutsch. Sie ist seine poetische Basis: Sie ist Stimmung, Klang. Eine Sprache, die ihm immer dann fremd ist, wenn es auf Bühnen oder in Medien komodig wird. Das Wort und die Stimmung, die es beschreibt sind ihm verhasst.

Sein Land, sein Zuhause - das ist das "Waterland" - wie er es auf der Platte "Frömde Frünnen" 2019 besungen hat. In Brake lebt er, schaut durch ein großes Fenster vom Deich auf die Weser. Die kommt immer mal zu Besuch, dann muss er die Schotten dicht machen unten am Haus. Der Fluss, das nahe Meer, die Sprache, der scharfe Wind über dem platten Land - das alles macht für ihn den Gesang dieses Landstrichs aus. Es endet versöhnlich. "De Nacht hett söben Oogen" ist das letzte Lied dieses Albums und es schleicht sich herein mit einem elektronischen Schlagzeug, wie es das bei Debus wohl noch nie gegeben hat.

Es scheint, als hätte Helmut Debus auf diesem Album sein Herz geöffnet. Als hätte er zugelassen, verletzlich zu sein. Keine Show, keine Effekte: ein Mann, seine Sprache, sein Sound. So wie ein Leben auf dem Deich: entrückt und doch mitten in der Welt. Alles fließt, so ruhig wie die Weser vor seinem Fenster, auf die er täglich schaut und ebenso tief.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.01.2023 | 10:20 Uhr

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