Preisträger in Residence Nils © Holger Martens

Festspiele MV: Start mit zwei Eröffnungskonzerten

Stand: 12.06.2021 18:44 Uhr

Haydn statt Brahms - nicht ein, sondern zwei Eröffnungskonzerte - allerdings mit weniger Besuchern als in normalen Zeiten. Die Corona-Pandemie sorgt auch in diesem Jahr bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern für zahlreiche Veränderungen, an die bei der Vorstellung des Sommerprogramms kaum einer gedacht hat.

von Axel Seitz

Die gute Nachricht aber ist: Eines der größte Klassikfestivals Deutschlands begann in Neubrandenburg mit gleich zwei Konzerten.

Der Bratschist Nils Mönkemeyer hat den Festspielsommer mit dem Konzert für Viola und Orchester von William Walton eröffnet. Wobei das nicht ganz korrekt ist, denn, wie in den vergangenen Jahren, stand ganz zu Beginn eine Uraufführung auf dem Programm - die Festspielouvertüre. Und somit auch eine Premiere für den Chefdirigenten der NDR Radiophilharmonie Andrew Manze: "Als ich mir die Partitur von Hertensteins Ouvertüre angesehen habe, dachte ich: Das sieht schwierig aus. Als wir es dann gespielt haben, kam beim Orchester alles zusammen, und ich hoffe, dass die Leute im Publikum sagen werden: Das ist ein wunderbares Stück. Gut zu hören und überhaupt nicht schwierig. Es war ein großes Vergnügen, diese Uraufführung vorzubereiten. Wir sind die ersten, die das Stück spielen und das ist sehr aufregend."

"Doppelter Konzertgenuss" jeden Tag

Und noch eine Premiere gab es in Neubrandenburg. Zwar hat Ursula Haselböck die Intendanz bereits im vergangenen September übernommen, aber erst heute hat sie die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern erstmals eröffnet. "Man muss es positiv sehen", sagt sie. "Es sind meine ersten Festspiele, es sind noch immer nicht ganz normale Festspiele, aber etwas normaler als im vergangenen Jahr. Das ist ein kleiner Trost. Und wir haben die aktuellen Kapazitätsgrenzen, die gelten und noch sehr gering gehalten sind und uns ein bisschen beschneiden zum Anlass genommen, dass wir einfach Konzerte doppelt spielen. Wir sind mit den Musikerinnen und Musikern zu einer guten Einigung bekommen. Dass wir Konzerte ohne Pause spielen, dafür aber doppelt, um möglichst viele Gäste in den Konzerten empfangen zu können und so freuen ich mich auf doppelten Konzertgenuss jeden Tag."

Wegen Corona - kurzfristige Änderungen möglich

Doppelter Konzertgenuss - das gilt auch für fast alle Konzerte bis Ende Juli, ob mit Daniel Hope in Ulrichshusen, Nils Landgren in Stolpe an der Peene, Julia Fischer in Stralsund, Ute Lemper in Göhren-Leppin und Nigel Kennedy in Redefin:

Besucher der Konzerte sollten sich, so Intendantin Ursula Haselböck, wegen der Corona-Bestimmungen in Mecklenburg-Vorpommern bei den Festspielen telefonisch oder online darüber informieren, wie bereits bestellten Karten umgetauscht bzw. neu erworben werden können.

"Die Herausforderung sei dann auch", so Ursula Haselböck, "dem Publikum klarzumachen, warum wir erst so kurzfristig sagen können, welche Konzerte stattfinden und wie viele Gäste wir zulassen können. Wir sind aber in einem guten Austausch mit dem Publikum und ich darf mich hier noch mal für die Geduld und das Verständnis des Publikums bedanken und kann nur die gute Nachricht geben, dass es im Laufe des Sommers besser wird, dass sich die Kapazitäten immer weiter erhöhen, wir von der Landesregierung immer mehr Möglichkeiten bekommen Konzerte mit mehr Gästen zu veranstalten. Ich hoffe, dass wir mit Ende des Sommers einen fast normalen Sommer erleben können."

Bratschist Nils Mönkemeyer wird die Festspiele prägen

Nils Mönkemeyer, Bratschist © Sony Classical Foto: Irène Zandel
AUDIO: Nils Mönkemeyer eröffnet die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern (55 Min)

Diesen Sommer wird der Bratschist Nils Mönkemeyer als Preisträger in Residence prägen - mit rund 25 Konzerten. "Da ist irgendwie ein besonderer Geist, der dieses Festival umweht. Die Festspiele haben das netteste Team, wirklich ganz toll. Das Publikum ist Teil des Ganzen, man kommt sich sehr nah. Man trifft sich an wunderschönen Orten wie Ulrichshusen. Dann liegt da etwas in der Luft, was wirklich magisch ist. Es gibt nach den Auftritten Begegnungen, wo man noch einmal über das Konzert spricht - das habe ich bei wirklich wenigen Festivals so erlebt", schwärmt Mönkemeyer.

Nils Mönkemeyer tritt unter anderem in den kommenden Wochen in der Klosterkirche Rühn, im Schützenhaus Grabow und in der Orangerie am Rosenpark in Groß Siemen auf. Die Festspiele, die erneut vom NDR unterstützt werden, präsentieren bis Mitte September rund 140 Konzerte in knapp 90 Spielstätten des Landes. Eine davon ist die Konzertkirche in Neubrandenburg, in der Nils Mönkemeyer und die NDR Radiophilharmonie zum Festspielbeginn auftreten.

Weitere Informationen
Blick auf die Konzertkirche St. Marienkirche in Neubrandenburg © dpa - Report Foto: Hans Wiedl

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 24.04.2021 | 17:00 Uhr

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