Stand: 19.06.2019 13:17 Uhr

Festspiele MV: 25 Jahre Festspielscheune Ulrichshusen

von Axel Seitz

Ulrichshusen - dieses mecklenburgische Dorf mitten im Land ist seit Jahren untrennbar mit den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern verbunden. Allein in diesem Sommer wird es dort zehn Konzerte geben. Zum 25-jährigen Jubiläum tritt am Freitag Daniel Hope mit dem New Century Chamber Orchestra San Francisco auf. Vor den Jubiläumsfeierlichkeiten der Festspielscheune: ein Blick zurück in die Geschichte.

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Das Dach der Scheune war eingeknickt - aber dennoch war das Konzert 1994 in Ulrichshusen mit Yehudi Menuhin unvergesslich.

Vor einem Vierteljahrhundert dürfte Musikfreunden wie Künstlern der Name Ulrichshusen kaum etwas gesagt haben: Die heutige Festspielscheune war damals ein gewöhnlicher Stall, das Schloss eine Ruine und das Dorf zählte gerade einmal gut 30 Einwohner. Mit einem Konzert im Sommer 1994 ändert sich vieles.

 

Eröffnung der Festspielscheune 1994 bei offenem Dach und Regen

Die Akustik bei Mozarts Klarinettenkonzert am 6. August 1994 dürfte nicht allzu sauber nicht geklungen haben - selbst wenn der Franzose und Klarinettist Paul Meyer gewiss sein Bestes gab: "Das Dach war noch nicht dicht. Es hätte nicht regnen dürfen. Und vor allen Dingen war die Feuerpolizei aus Waren noch nicht da, die hätte es gleich verboten", erinnert sich Matthias von Hülsen, damals Chef der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Eine Scheune als Konzertsaal? Noch wenige Wochen zuvor konnten sich auch in Ulrichshusen nur wenige das vorstellen. Davon zeugen mehrere Aussagen der Dorfbewohner im Gespräch mit dem NDR Fernsehen.

Besucherinnen und Besucher strömen über den Vorplatz zur Festspielscheune Ulrichshusen, Teil der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild) © Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Rückblick: 25 Jahre Festspielscheune Ulrichshusen

Historische Filme zeigen den Umbau vom Schafstall zur Festspielscheune Ulrichshusen, bevor Yehudi Menuhin diese mit einem Konzert als Spielort der Festspiele MV einweihte.

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Begegnung der Dorfbewohner mit Musikerlegende Yehudi Menuhin

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Ministerpräsident Berndt Seite begrüßt das Premierenpublikum.

Kurz darauf konnten die Bewohner dann dem Stargeiger und Dirigenten Yehudi Menuhin persönlich begrüßen. Dieser sagte: "Es freut mich wirklich, weil die Musik doch sehr nötig ist für das Leben. Ich habe in Schleswig-Holstein gesehen, dass Konzerte in den kleinsten Dörfern stattfinden. Es ist sehr schön. Man erwartet immer, Musik sei nur für die Großstädte. Aber das ist ganz falsch", so Menuhin 1994.

Es waren auch Erfahrungen vom Schleswig-Holstein Musikfestival, die den Hamburger Kinderarzt Matthias von Hülsen, dazu brachten, sich auf das Abenteuer Festspielscheune einzulassen. Bereits 1993 hatte Helmuth Freiherr von Maltzahn den ehemaligen Familienbesitz zurückgekauft und setzte zudem auf künftige Kulturangebote.

Beide Männer schauten sich dann im Februar 1994 erstmals das an, was damals in Ulrichshusen stand: "In einer weisen Voraussicht hatte ich für die ganze Truppe 16 Paar Gummistiefel gekauft. Es goss in Strömen. Wir kamen mühsam durch den Matsch angestapft. Die Scheune stand da mit eingeknicktem Dach und stinkendem Heu drin. Da sagte Helmuth Maltzahn, 'in diesem Sommer muss es sein!'", erinnert sich von Hülsen.

Es galt, große Künstler in die Provinz zu locken

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Der Geiger Daniel Hope (rechts) spielte auch mehrfach in Ulrichshusen. Er ist der Sohn von Eleanor Hope.

Die Scheune würde sich als Konzertsaal eignen, da war sich Matthias von Hülsen sicher. Nun kam es darauf an, auch entsprechende Künstler in die mecklenburgische Provinz zu locken: "Ich kannte Menuhin schon gut aus Schleswig-Holstein, da hat er die ländlichen Spielstätten schon alle kennengelernt. Und er kannte Mecklenburg-Vorpommern. Er kam zum vierten Mal. Insofern kannte er das Land und wusste, auf was er sich einließ. Eleanor Hope war seine Managerin, die kannte uns auch gut und wusste, was wir anpacken, wird auch was."

Yehudi Menuhin war offensichtlich von der neuen Spielstätte so angetan, dass er noch zweimal wieder kam - im Jahr darauf und ein drittes Mal im Juli 1997. Seit jenem ersten Konzert wurde nach und nach aus dem ehemaligen Schafstall die Festspielscheune.

Die Familie von Maltzahn baute parallel das Schloss wieder auf und sanierte weitere Nebengebäude. Ulrichshusen ist inzwischen Künstlern wie Konzertbesuchern ein Begriff: Das Dorf ist einer der wichtigsten Konzertorte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 21.06.2019 | 19:00 Uhr

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