Jimi Hendrix beim "Free concert in the Panhandle Park" in San Francisco 1967 © Jim Marshall Photography LLC

Protestkultur: Fotoausstellung zeigt Bilder von Jim Marshall

Stand: 22.06.2021 12:51 Uhr

Die Kieler Stadtgalerie zeigt bis 29. August Bilder des amerikanischen Fotografen Jim Marshall aus den Anfängen der 68'er Bewegung in San Francisco.

Jimi Hendrix beim "Free concert in the Panhandle Park" in San Francisco 1967 © Jim Marshall Photography LLC
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von Frank Hajasch

Jim Marshall gilt als einer der größten Rock'n'Roll-Fotografen. Seine Fotos zeigen ihn zwischen Janis Joplin, Johnny Cash, Neil Young, Bob Dylan, den Beatles und vielen anderen. Meist sind seine Aufnahmen in San Francisco entstanden - der Wiege von Love, Peace & Happiness, von Hippie-Kultur und Psychedelic Rock. Und genau diesem Kapitel widmet die Stadtgalerie Kiel ihre große Sommerausstellung. Sie zeigt "Jim Marshall's 1967", so der Titel der Schau.

Die ersten Farbabzüge zeigen Jimi Hendrix als Derwisch auf der Bühne, darunter eine Aufnahme vom legendären Monterey Festival 1967. Hendrix kniet, zusammengesunken nach wildem Gitarrenspiel. Selbige hat er gerade mit Benzin angezündet. Nicht nur Fans erinnern sich an diese Szene.

Jim Marshall: ein Name im Rock'n'Roll und in der Hippie-Kultur

"Es ist ein Beispiel dafür, dass Jim Marshall zur richtigen Zeit am richtigen Ort war", erklärt Peter Kruska, Leiter der Kieler Stadtgalerie. "Die Anekdote gibt es auch, dass Jimi Hendrix zu Jim Marshall kurz bevor er auf die Bühne gegangen ist, gesagt hat: Er soll genug Filmmaterial dabeihaben. Es wird irgendwas Außergewöhnliches passieren. Jim Marshall war also vorgewarnt und konnte dann natürlich draufhalten, das ihn dann als absoluten Profifotograf zeigt."

Wenige Namen sind mit Rock'n'Roll und Hippie-Kultur so verbunden wie der von Jim Marshall. Die Ausstellung zeigt 82 Schwarzweiß- und Farbbilder aus Tausenden, die der Fotograf im rasanten Jahr 1967 aufgenommen hat. "Jim Marshall hat das Ganze ja begleitet. Er lebte auch in dem Viertel, von dem die Bewegung sozusagen ausging: das Haight Ashbury in San Francisco. In bestimmten Monaten war er einfach intensiver unterwegs. Das ist vor allem der Juni, wo das Monterey Pop Festival stattgefunden hat", und von dem der Großteil der Aufnahmen stammt, so Kursak.

Reporter mit Kamera

Für Viele sei immer noch Woodstock im August 1969 der Inbegriff von "Summer of Love" und "Peace & Happiness", sagt Peter Kruska. Die Hippie-Bewegung habe aber zwei Jahre früher begonnen: mit dem Monterey und dem Panhandle Park, wo tausende junge Leute gegen das Verbot von LSD protestierten und wo auch Jim Marshall immer dabei gewesen sei.

"Jim Marshall ist ja von der Straßenfotografie gekommen", so Kruska. "Er ist aber auch ein Musikfotograf, der viel für Plattenfirmen gearbeitet hat und auch für Musikmagazine. Er selbst hat über sich gesagt: Ich bin ein Reporter mit einer Kamera. Und das sagt schon sehr viel aus, von wo er kommt, nämlich eher vom Journalistischen, von der Reportage. Aber das ist ja auch das Interessante dieser Fotografie: dass sie dann genau zwischen diesem Reportage-Aspekt und der Kunstfotografie changiert. Das ist genau die Schnittstelle, die Bandbreite dieser Ausstellung."

Berechtigte Fragen zu heutigen Jugendbewegungen

Den Reportage-Ansatz belegen die vielen Straßenszenen. Jim Marshall beobachtet z. B. die Protestbewegung der Zeit: Demonstranten gegen den Vietnam-Krieg stoßen auf Polizei. Überall sind Anti-Kriegs-Symbole. Woanders wird nicht klar, ob es noch Protest oder doch mehr Party, damals noch Feierstimmung ist – wenn brav-biedere Anwohner daneben stehen und das Glück einer exaltierten, wild tanzenden Jugend nicht begreifen können.

"Viele Fragen, die wir uns heute stellen - sei es von Fragen der diversen Gesellschaft, sei es von Black lives matter oder Fragen einer Jugendkultur gegen ein Establishment - die wurden auch damals schon gestellt. So kann man sich heute fragen, ob wir eigentlich schon weitergekommen sind oder nicht vielleicht auch andere Schwerpunkte in der heutigen Jugendkultur, in der Gegenkultur sind und ob es vielleicht auch Analogien dazu gibt - in das Jahr 1967 und in die Ursprünge der Hippie-Kultur."

Die Ausstellung "Jim Marshall's 1967. Rock, Revolution and the Summer of Love in San Francisco" haben die Kieler dank der Städtepartnerschaft mit eben San Francisco von dort übernommen. Und sie ist es wirklich wert, gesehen zu werden - auch, weil in einem Extrateil ganz seltene Plattencover von Rock- und Jazz-Größen hängen. Und alle mit Aufnahmen von Jim Marshall.

Protestkultur: Fotoausstellung zeigt Bilder von Jim Marshall

Die Kieler Stadtgalerie zeigt bis 29. August Bilder des amerikanischen Fotografen Jim Marshall aus den Anfängen der 68'er Bewegung.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Stadtgalerie
Andreas-Gayk-Straße 31
24103 Kiel
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 22.06.2021 | 10:20 Uhr