NordArt in Büdelsdorf gestartet

Stand: 05.06.2021 11:59 Uhr

Die NordArt im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf bei Rendsburg geht in diesem Jahr zum 22. Mal an den Start. Mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler schaffen ein Gesamtkunstwerk, das immer noch als eine der größten Kunstausstellungen in Nord- und Mitteleuropa gilt.

Der Chefkurator der NordArt, Wolfgang Gramm, fährt in einem Auto an den Skulpturen "The East is Red" des Künstlers Liu Ruowang (China) auf dem Außengelände der NordArt vorbei. © Marcus Brandt/dpa Foto: Marcus Brandt
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von Frank Hajasch

Das Publikum lechzt offensichtlich nach Kunst, nach viel Kunst. Als der Online-Ticketverkauf für die NordArt startete, habe der Ansturm der Kunstinteressierten das System zunächst in die Knie gezwungen, erzählt Co-Kuratorin Inga Aru. Mittlerweile scheinen Ticketkäufe wieder möglich zu sein.

Im Golfcart mit Hauptkurator Wolfgang Gramm

Der Chefkurator der NordArt, Wolfgang Gramm, fährt in einem Auto an den Skulpturen "The East is Red" des Künstlers Liu Ruowang (China) auf dem Außengelände der NordArt vorbei. © Marcus Brandt/dpa Foto: Marcus Brandt
Der Chefkurator der NordArt, Wolfgang Gramm, in seinem Element. Neben ihm: Die Skulpturen "The East is Red" des Künstlers Liu Ruowang aus China.

Wolfgang Gramm, Hauptkurator der NordArt, wartet schon im Golfmobil, um die Gesamtfläche mit all ihrer Kunst zu zeigen. Auch seinen derzeitigen Favoriten: eine gewaltige Lotusblüte in blankpoliertem Edelstahl. An ihr kommt man in der Halle 1 mit transparentem Dach und weitem Kiesbett nicht vorbei - so zentral steht und reflektiert diese Vier-Meter-Skulptur mit ihrer durchgearbeiteten Oberfläche. "Eine hervorragende Handwerksarbeit", schwärmt Gramm. "Gemacht ist sie von Zeng Chenggang. Und ich freue mich, dass sie jetzt nach verschiedenen Ausstellungen bei uns gelandet ist."

Wer sich umschaut, sieht schon von hier den wohl bekannten Mix aus allen Medien. Vor allem aber ist es großformatige Malerei, die auffällt. Viele Bilder laufen unter zentralasiatischer Kunst: Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan oder Mongolei. Sie zeigen Gesellschaften, die nach dem Sozialismus in der Krise stecken, mit gefallenen Helden, mit jetzt neu interpretierten Mythen und Legenden.

Länderpavillon zeigt Kunst aus der Ukraine

Neben Halle 1 liegt der Länderpavillon. Er ist in diesem Jahr der Ukraine gewidmet: eine große Fläche, über zwei Stockwerke, mit einem angrenzenden Bereich und hohen Decken. Viel Platz auch hier.

Co-Kuratorin und Künstlerin Inga Aru geht an der Installation "Finding Dodo" vom Künstler Liu Ruowang (China) in einer Halle der NordArt vorbei. © Marcus Brandt/dpa Foto: Marcus Brandt
Co-Kuratorin und Künstlerin Inga Aru - hier neben der Installation "Finding Dodo" von Liu Ruowang - freut sich auf die diesjährige NordArt.

24 vor allem junge Künstler und Künstlerinnen suchen Position in einer Welt mit Pandemie und Kollaps im Gesundheits-, im Wirtschafts-, im Wertesystem. Im Pavillon empfängt eine starke Arbeit von Maria Kulikovska und Uleg Vinnichenko die Gäste. Es sind fünf Körperabgüsse in Epoxidharz. Sie zeigen eine malträtierte Figur, mit Löchern wie durch Einschüsse. Es geht um traumatische Erinnerungen und Erfahrungen der Künstlerin - es geht um die Ukraine.

"Wir versuchen natürlich, künstlerisch zu sein und nicht politisch", erklärt Gramm. "Aber das bleibt ja nicht aus. Auch hier sollte der Betrachter die Diskussion anfangen und sagen: 'Das erinnert mich aber...' - und dafür ist Kunst ja auch gedacht."

Gilles Lacombe: Babylonisches Sprachgewirr

Und so geht die Fahrt durch die Ausstellungshallen gut eine Stunde weiter. Wolfgang Gramm zeigt zu einem gut fünf Meter hohen babylonischen Turm. Er steht am Ende einer in der Halle aufgebauten Plaza, mit wieder mintgrünem Kies und dazu sieben hausähnlichen Pavillons. Nebenan hat der Franzose Gilles Lacombe passend eine Klanginstallation gehängt: Aus 80 Lautsprechern klingen die 80 am häufigsten gesprochenen Sprachen - Babylon eben.

Dann aber der Skulpturenpark. Er könnte über die hoffentlich warmen Sommermonate zum Star der NordArt werden. Die Ausstellungsmacher haben ihn dezent verändert und ergänzt. So steht eine sechsteilige Figurengruppe nach chinesischen Bauern von Liu Ruowang mittig im Grün und begrüßt gestenreich die Besucher.

 

Weitere Informationen
Skulptur "Pferd" ist von Michal Gabriel (Tschechische Republik) © NordArt

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200 Künstler schaffen ein Gesamtkunstwerk, das immer noch als eine der größten Kunstausstellungen in Nord- und Mitteleuropa gilt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Vorwerksallee
24782 Büdelsdorf
Telefon:
04331 - 354 695
E-Mail:
info@kunstwerk-carlshuette.de
Preis:
Tageskarte: 18,50 Euro, ermäßigt: 16 Euro, Schülerkarte: 6,50 Euro
Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags (inkl. Feiertage), 11-19 Uhr
montags geschlossen (inkl. Feiertage)
Kartenverkauf:
Tickets gibt es auschließlich unter: https://nordart.ticketfritz.de/
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.06.2021 | 07:20 Uhr