Stand: 26.04.2019 09:35 Uhr

Highlight der NordArt: Holzturm "Babylonian"

von Iris Guhl

Am 1. Juni öffnet die NordArt wieder ihre Tore, eine der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Zum 21. Mal werden auf dem Gelände der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg Bilder, Fotografien, Skulpturen und Installationen zu sehen sein. In diesem Jahr sind mehr als 200 Künstler aus aller Welt an der NordArt beteiligt. Gerade hat die heiße Phase des Aufbaus der teils monumentalen Exponate begonnen. Vor Kurzem sind die Überseekisten mit den Einzelteilen eines sieben Meter hohen Holzturms angekommen - "Babylonian" heißt das Werk des chinesischen Künstlers Xi Jianjun.

Der Aufbau des gewaltigen Turms "Babylonian"

Chefkurator Wolfgang Gramm beobachtet mit zufriedenem Lächeln das geschäftige Treiben in den Werkshallen: "Hier sind andere Dinge möglich als anderswo. Wegen der Höhe der Hallen und auch, weil der Boden überall mit Schwerlastgeräten befahrbar ist."

Ein Kran hievt die letzten Etagen auf den Turm

45 Tage dauerte die Schiffspassage des "Babylonian" von China nach Hamburg. Glücklicherweise sind alle Transportkisten heil in Büdelsdorf angekommen. Gemeinsam mit seinem vierköpfigen Team schraubt der 56-jährige Künstler Xi Jianjun die Einzelteile am Boden zusammen. Die unteren Stockwerke wurden manuell in die Höhe gehievt, für die siebte bis neunte Etage kommt der Kran zum Einsatz. Mit fünf Tischlern aus Südchina habe er rund ein Jahr an dem Werk gearbeitet, sagt Xi Jianjun, etwa zwei Tonnen Holz habe er verbaut.

Porträts von 200 berühmten Personen im Inneren

Der beeindruckende Turm wirkt nicht klobig und klotzig, sondern fast filigran. Auf jeder der neun Etagen reihen sich wie in einer Galerie Rundbogentüren und -fenster aneinander. Von außen erscheinen die Holzelemente im warmem Holzfarbton, von innen sind sie kunterbunt bemalt. Ein Teil der Türen ist mit Ausschnitten aus internationalen Zeitungen beklebt. Im Innenraum des Turms werden Porträtfotos rund 200 berühmter Persönlichkeiten hängen, von Einstein über Nietzsche bis Michael Jackson.

Künstler will biblische Geschichte mit Gegenwart verknüpfen

Xi Jianjun erklärt, dass er mit seinem Kunstwerk die Geschichte fortschreiben und eine Verknüpfung zur Gegenwart herstellen möchte. In der biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel wurde das Bauwerk nie vollendet, weil Gott die Menschen für ihren Hochmut mit einem babylonischen Sprachengewirr strafte. "Babylonian" ist nur eines der spektakulären Exponate der NordArt. Ebenfalls aus China stammt die Installation "Noahs Garden" von Deng Guoyuan.

Frankreich ist 2019 Länderschwerpunkt     

Der Länderschwerpunkt in diesem Jahr ist Frankreich gewidmet. Eine Sammlung norddeutscher Realisten wird in der ACO Wagenremise gezeigt und ein Spezialprojekt aus der Mongolei hat den Titel "In der Welt Sein: Encountering Sublimity". Dazu gehört beispielsweise im Außengelände eine große Skulptureninstallation des mongolischen Künstlers Ochirbold Ayurzana zum Thema Wiedergeburt. Chefkurator Wolfgang Gramm ist zuversichtlich, dass der Aufbau der NordArt am 20. Mai abgeschlossen sein wird und freut sich über das internationale Renommee der Ausstellung: "Es ist schon beeindruckend, dass die Leute rund um den Planeten fliegen, um hier ihre Kunst zu zeigen." Beworben hatten sich in diesem Jahr rund 3.000 Künstler aus 102 Ländern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 26.04.2019 | 20:00 Uhr