Impressionistisches Gemälde einer Brücke, die über einen Fluss führt - Christian Rohlfs, Sternbrücke in Weimar, 1892 © Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen

"Moderne und Idyll": Ausstellung auf Schloss Gottorf

Stand: 05.04.2021 13:22 Uhr

Schloss Gottorf in Schleswig zeigt in der Ausstellung "Moderne und Idyll" Bilder aus der renommierten Sammlung Bönsch. Zu sehen sind vor allem Werke aus dem deutschen Impressionismus.

von Frank Hajasch

Leuchtend-hellrotes Kleid, die Haare luftig hochgesteckt, eine Violine souverän in der Hand, dazu ein charmantes Lächeln: Max Slevogts "Porträt einer jungen Dame mit Violine" empfängt die Besucherinnen und Besucher nicht nur, es steht auch programmatisch für die Ausstellung "Moderne und Idyll - Impressionismus in Deutschland". Neben aller Eleganz geht viel Sinnlichkeit von dem 1911 gemalten Bildniss Dora Stachs aus, Tochter eines damals bekannten Berliner Kunstsammlers. Es sei ein Bild, das sie alle sehr liebten, so Carsten Fleischhauer, Museumsdirektor auf Schloss Gottorf: "Weil es die Grundstimmung des Impressionismus, die Lust an der Farbe, die Lust am Licht, auch die Lust am Leben auf eine ganz tolle Weise widerspiegelt. Es ist das Lieblingsbild der Sammlerin Elisabeth Bönsch. Und wir sind ganz besonders glücklich, dieses Bild als private Leihgabe für diese Ausstellung zu erhalten."

153 Werke aus der Sammlung Bönsch sind auf Schloss Gottorf zu sehen

Es ist ein gelungenes Eröffnungsbild und ein Gemälde, von dem sich die Sammlerin schwer trennen konnte, sagt Carsten Fleischhauer. Beim Ankauf sei es in einem erbarmungswürdigen Zustand gewesen, von Schimmel überzogen. Erst Reinigung und Rahmung hätten es wieder leuchten lassen, schildert er: "Das Bild ist tatsächlich ganz selten öffentlich ausgestellt gewesen, weil es in der privaten Wohnung von Frau Elisabeth Bönsch hängt, die ganz besonders an diesem Bild hängt und sich ganz ungern davon trennen wollte."   

153 impressionistische Werke werden im Kreuzstall auf Schloss Gottorf gezeigt. Und auch wenn der Schwerpunkt der Sammlung Bönsch auf dem deutschen Impressionismus liegt, beginnt der Rundgang bei den Franzosen. "Wir fangen mit dem an, was die erste Assoziation ist: Man denkt an Frankreich; da kommt der Impressionismus her. Es sind alle Hauptmeister vertreten. Wir haben Renoir. Wir haben Degas. Wir haben Cézanne. Wir haben Toulouse-Lautrec mit Papierarbeiten - also relativ kleinen, aber sehr, sehr qualitätvollen Werken", so Fleischhauer.

Werke von Max Liebermann, Lovis Corinth, Emil Nolde und Max Slevogt

Der Leiter der Kunstsammlung auf Schloss Gottorf, Carsten Fleischhauer, vor einem Hauptwerk der Ausstellung: Max Liebermanns "Genia Levine" (1924) © NDR Foto: Frank Hajasch
Der Leiter der Kunstsammlung auf Schloss Gottorf, Carsten Fleischhauer, vor einem Hauptwerk der Ausstellung: Max Liebermanns "Genia Levine" von 1924.

Dann aber öffnet sich der Ausstellungsraum und man könnte niederknieen vor all den Namen und ebenso bekannten Bildern: sehr viel Max Liebermann, auch Lovis Corinth, Christian Rohlfs, Wenzel Hablik, Max Slevogt und frühe Noldes. Sie alle zeigen, wofür der Impressionismus damals stand. "Impressionismus ist, wenn man von Frankreich ausgeht, die Kunst des modernen Lebens. Er ist die erste Kunstströmung, die sich offen mit der Herausforderung durch die Fotografie auseinandersetzt: darzustellen, wie die Welt, wie Personen aussehen", erläutert der Museumsdirektor. "Und das heißt: Die Malerei fängt an, das zu tun, indem sie auf die Sachen setzt, die Fotografie noch nicht kann." Sie setzt auf Farbe, auf Stimmung, auf inhaltliche Komposition.

"Moderne und Idyll": Industrialisierung trifft auf unberührte Landschaft

Bei den Franzosen rückt früh schon die Industrialisierung ins Bild: eiserne Brücken, elektrische Straßenlaternen, Fabrikschornsteine. Man feiert das moderne Leben. Bei den deutschen Impressionisten sieht es anders aus. Und Carsten Fleischhauer erzählt, dass genau das eine der Fragen an die Ausstellung gewesen sei. "Es gibt bei den deutschen Künstlern - viel stärker als in Frankreich - auch einen zweiten Pol, den wir dann Idylle genannt haben. Moderne und Idyll ist durchaus als ein gewisser Widerspruch zu verstehen."  

Impressionistisches Gemälde eines erleuchteten Cafés im Dunkeln © Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch
"Vor dem Café" stammt von dem Berliner Künstler Lesser Ury und entstand in den 1920er-Jahren.

Aus diesem Widerspruch heraus entstehen in Deutschland unberührte Landschaften: Hans Olde etwa und sein herbstverwehtes, pointilistisches "Hünengrab" von 1894, aber auch Dorfidyllen, die es am Ende des 19. Jahrhunderts so wohl nicht mehr gab. Fleischhauer erklärt das so: "Die Leute, die Impressionismus gesammelt haben, waren meist ein großstädtisches, wohlhabendes Bürgertum, das in diesen Bildern ein stückweit auch einen Gegenentwurf zu einer Welt gesucht hat, die so unglaublich dynamisch war, technisch so rasant sich weiterentwickelte. Das ist tatsächlich ein deutsches Phänomen."

Verbindung zwischen Impressionismus und Expressionismus

Carsten Fleischhauer zeigt auf ein Ölbild des Nordschleswigers Hans Fuglsang von 1915. Es zeigt "Zwei Damen im Café" in all ihrer gelangweilten Eleganz. Dass so etwas in einer Zeit entstand, als die Welt auseinanderflog, zeige doch, dass man hier mit Schubladen und der Abfolge von Stilen nicht weiterkommt, betont der Museumsmann: "Es ist tatsächlich ein Trugschluss, dass irgendwann, so 1905, der Expressionismus kommt und dann ist der Impressionismus vergessen. Für die Zeitgenossen war Impressionismus auch noch 1920 oder 1925 eine moderne, fortschrittliche Kunst. Es gibt eben viele Künstler, die Anregungen aus beiden verbinden."

Die Suche nach Idylle und die Huldigung der Moderne gehören in der Zeit jedenfalls unbedingt zusammen, sagt Carsten Fleischauer noch. Aber so sei die Kunstgeschichte - und die deutsche besonders.

"Moderne und Idyll": Ausstellung auf Schloss Gottorf

Schloss Gottorf in Schleswig zeigt in der Ausstellung "Moderne und Idyll" Bilder aus der renommierten Sammlung Bönsch.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf
Schlossinsel 1
24837Schleswig
Telefon:
(04621) 813 222
E-Mail:
service@landesmuseen.sh
Preis:
10 Euro Erwachsene, 8 Euro ermäßigt, 3 Euro Kinder
Öffnungszeiten:
Dientag bis Freitag: 10 - 17 Uhr
Wochenende: 10 - 18 Uhr
Anmeldung:
Zeitfenster über die Homepage buchen
Hinweis:
Die Besucherzahlen sind begrenzt. Vor Ort muss eine medizinische Maske gestragen werden. Aktuelle Informationen gibt es online.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 03.04.2021 | 15:20 Uhr