afrikanisches Tuch © Angelika Spielmann Foto: Angelika Spielmann

Linien und Muster: Afrikanische Textilkunst in Neumünster

Stand: 11.11.2021 14:07 Uhr

Zur Sammlung Spielmann-Hoppe gehören afrikanische Exponate, darunter Textilkunst. Genau die zeigt das Museum Tuch+Technik in Neumünster.

afrikanisches Tuch © Angelika Spielmann Foto: Angelika Spielmann
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von Frank Hajasch

Es sind diese Farben: das glühende Rot in einem Kopftuch von Djerba. Heimat, nicht nur von Urlaubsresorts, sondern auch der Berber oder das wild-mäandernde Hellgelb und Mokkabraun auf dem Tanzrock kongolesischer Ngongo. Zwischen mächtigen, schwarz-öligen Relikten des industrialisierten Neumünsters leuchtet es.

Auch die Augen von Museumsleiterin Astrid Frevert leuchten: "Ja, klar. Das gibt natürlich ein gewisses Spannungsverhältnis, auch der Architektur, mit Beton, Stahl, grauem Boden und diesen farbigen Textilien. Wir merken das auch an den Reaktionen auf das Thema der Ausstellung, dass Spannung und freudige Erwartung groß sind, auch weil wir diese Ausstellung wie so vieles verschieben mussten."

Linien, Formen und Muster tanzen auf den Stoffen

afrikanisches Tuch © Angelika Spielmann Foto: Angelika Spielmann
Umschlagtuch aus Djerba, Tunesien

Afrika also. Und man muss den Rhythmus der Musik des Kontinents nicht im Blut haben. Schon von weitem beginnen verschiedenste Linien, Formen, Muster auf den Stoffen und Gewändern in all ihrer Farbigkeit zu tanzen. Wobei 70 Exponate zahlreicher ethnischer Gruppen und Stämme, unter ihnen die Bambara, Ewe, Yoruba, Mbuti und Bakuba, die Vielfalt im afrikanischen Kunsthandwerk zeigen.

"Es gibt aus den unterschiedlichsten Regionen unterschiedlichste Techniken und unterschiedlichste Materialien," erklärt Frevert. "Es gibt Wolle - klar, das ist tierischen Ursprungs, auch Baumwolle. Dann gibt es wiederum Pflanzenfasern aus den Blättern der Raphia-Palme. Und, noch mal wieder eine ganz andere Richtung, es gibt Arbeiten aus Rindenbast, wo nicht gewebt wurde, sondern wo Rindenbast geschlagen wird und mit Mustern verziert."

Sammlung einer völlig anderen Kunst

So sieht man schwere Kelim-Decken aus Marokko, indigoblaue Wickeltücher aus Westafrika und die viel bunteren Kente-Gewänder der Ashanti aus Ghana. Es ist eine völlig andere Kunst, die Heinz Spielmann da zusammengetragen hat. Der Freund dieser Kunst ist immer noch viel unterwegs und erklärt er das alles und gern: "Das war eigentlich so, dass wir in den 70er-Jahren bereits sagten: Es gibt so viele Sachen, die zu Ende gehen und die man mit Augen der Moderne schätzen lernt. Es ist ja so, dass diese Textilien auch der Moderne sehr entsprechen. Es ist ja durchaus eine vergleichbare Ästhetik."

Damit meint der Kunstexperte auch die Blätter von Willi Baumeister, einem wichtigen Künstler der Moderne. Dessen Afrikanische Erzählung in der Ausstellung sind Siebdrucke in Grautönen und Schwarz, Weiß, Braun beigefügt, mit schemenhaften Motiven, wie eben bei den Stoffen der Ngongo. "Willi Baumeister hat in den späten 1920er-Jahren und um 1930 herum frühe afrikanische Malerei kennengelernt. Seit ca. 1906 wurde in Paris und Dresden afrikanische Kunst von den Künstlern sehr geschätzt", erzählt Spielmann. Man hat also hier auch die Kubisten und Brücke-Künstler vor Augen.

Altes Handwerk bewahren

Was bei vielen Stoffen auffällt ist dieses Geometrische in den Mustern: "Geometrisch und stereometrisch sind auch die Lehm-Kasbahs der Berber aufgebaut, in die sie sich im Winter zurückziehen oder die Ornamente, die sie in weiße Tücher mit roten Streifen einfügen. Es ist ja so, dass man geometrische Formen viel leichter ritzen, sticken und schneiden kann als organische Formen."

Museumsleiterin Astrid Frevert hat den Blick auf das alte Handwerks, was sich immer mehr verändert. Die bunten Kente-Stoffe, die sonst auf schmalen Webstühlen entstünden, kämen mittlerweile in breiter Drucktechnik aus Japan. Auch die eingefärbten Indigo-Stoffe der Yoruba würden inzwischen nachgedruckt. Da ist es nur gut, dass es Kunstsammler wie Heinz Spielmann gäbe, "angetrieben von dem Gedanken zu bewahren, was an Webtechnik, an Färbetechnik noch vorhanden ist," ergänzt Astrid Frevert.

 

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Das Museum Tuch+Technik in Neumünster zeigt afrikanische Textilkunst aus der Sammlung des Kunstsammlers Heinz Spielmann.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum Tuch + Technik
Kleinflecken 1
24534 Neumünster
Öffnungszeiten:
Di - Fr 9 bis 17 Uhr
Sa u. So 10 bis 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.11.2021 | 19:30 Uhr

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