Stand: 02.10.2019 15:43 Uhr

Ausstellung: Lagerfeld - nicht nur Modeschöpfer

von Doreen Pelz

Er hat die Modewelt der vergangenen Jahrzehnte geprägt wie kein anderer: Karl Lagerfeld. Seine Entwürfe, Stoffe und Kleidungsstücke haben längst Kultstatus. Am 10. September hätte Lagerfeld seinen 86. Geburtstag gefeiert. Doch im Frühjahr dieses Jahres starb der Modezar in seiner Wahlheimat Paris. Was außer der Mode bleibt von der Legende Lagerfeld? Ein Karl Lagerfeld als Gesamtkunstwerk und Künstler - zu sehen im Ernst Barlach Museum im schleswig-holsteinischen Wedel an der Stadtgrenze Hamburgs. Bis Februar 2020 sind dort über 150 Fotografien des Meisters zu sehen, der eben nicht nur zeichnen und entwerfen konnte.

Ausstellung "Karl Lagerfeld - Visions" eröffnet

Es ist ein Entree, das ihm sehr gefallen hätte. Reine Typografie ohne Schnickschnack und mit großen schwarzen Buchstaben steht "Karl Lagerfeld Visions" auf einer weißen Wand. Eine Fernsehwand zeigt eine Modenschau vor und hinter den Kulissen. Neben dem Tresen steht ein fast lebensgroßer Karl Lagerfeld von blauem Neonlicht umrahmt. Es geht um Mode, es geht um ihn und die Kunst, die er erschaffen hat. Museumsdirektor Jürgen Doppelstein hat sich bei der Auswahl der Werke für die Ausstellung bewusst für die Fotografien Karl Lagerfelds entschieden: "Er ist der Erfinder des 'total look'. Eine Einheit von Kleidung, Kosmetik, Accessoires - sozusagen die vollständige Inszenierung einer Person. Und diesen 'total look' hat er dann später auch mit der Kamera vorgelebt. Insofern finde ich ihn auch in Verbindung mit Kamera am authentischsten", so Doppelstein.

Karl Lagerfeld wollte kein Künstler sein

Wie selbstverständlich Lagerfeld zu einer Kamera gehört, ist in den über 100 Selbstportraits zu erkennen, die zu einer Collage zusammengestellt wurden. Nach fast jedem Fotoshooting soll er sich selbst abgelichtet haben. Doch sich selbst als Künstler zu betrachten, wäre Lagerfeld nicht in den Sinn gekommen. "Ich bin überhaupt kein Künstler. Ich mache das, was mir gefällt und damit hat sich das. Ob es den anderen gefällt oder nicht", erzählt Lagerfeld in einer Dokumentation, die auch im Ernst Barlach Museum gezeigt wird. "Aber heute gibt es ja die Obsession der Kunst. Da bin ich sehr gegen. Heute wollen alle in der Kunstwelt sein und ernst genommen werden. Ich will überhaupt nicht ernst genommen werden. Man kann seriös sein, aber das braucht man nicht unbedingt zu sehen." Umringt ist er dabei von seinen Fotografien, die wie Kunstwerke aus dem Expressionismus wirken. Es sind Editoral Shootings, Bildstrecken, die Lagerfeld immer wieder für Magazine wie "Vogue", "Numéro" oder "Harper's Bazaar" gemacht hat. Die Mode steht weniger im Fokus als das kreierte Bild an sich. Dafür nutzt Lagerfeld die verschiedensten ästhetischen Ansätze. 

Eine Hommage an seine Lieblingskünstler

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Nichts Schweres liegt auf den Fotografien Lagerfelds. Sie wirken leicht, wie eine Art stimmige Komposition. So sind die Bilder aus der Fendi Herbst-Kollektion 2010 bis ins kleinste Detail durchdacht, von Farbkomposition über Requisiten bis hin zum Blick des Models. Dabei sehen die Bilder fast aus wie Gemälde aus einer anderen Zeit. Dafür bediente Lagerfeld sich auch der Hommage an seine Lieblingskünstler, erklärt Museumsleiter Doppeltstein: "Er zitiert Kunstgeschichte und bedient sich mit einer Selbstverständlichkeit bei Künstlern wie Edward Hopper, Lyonel Feiniger und bei Florine Stettheimer, um sie dann nochmal in unserem Bewusstsein ganz anders und ganz neu erlebbar zu machen. Er bedient sich in den antiken Mythen, genauso wie in den literarischen Vorlagen der Gegenwart."

Für Karl Lagerfeld zählte Zeit seines Lebens der Moment. Nicht das Vergangene oder die Zukunft. Für ihn lag der Fokus auf dem Schönen im Jetzt. Auch das findet sich in seinen Fotografien wieder - der perfekte Moment, festgehalten im perfekten Bild.

Ausstellung: Lagerfeld - nicht nur Modeschöpfer

Karl Lagerfeld war nicht nur Modeschöpfer, sondern auch leidenschaftlicher Fotograf. Das Ernst Barlach Museum in Wedel zeigt bis Anfang 2020 über 150 Aufnahmen Lagerfelds.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst-Barlach-Haus
Mühlenstraße 1
22880  Wedel
E-Mail:
kontakt@ernst-barlach.de
Preis:
8 - 10
Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag von 10.00 bis 20.00 Uhr.
Hinweis:
Am 14.10. und 21.10 bleibt die Ausstellung für Veranstaltungen geschlossen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.09.2019 | 07:40 Uhr

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