Grafy aus Lübeck sprayt international gefragte Kunst

Stand: 04.04.2021 09:16 Uhr

Seine Begeisterung für Graffiti entdeckte Grafy als Schüler in Lübeck. Noch heute ist dieser Einfluss in seiner Kunst zu erkennen. Aufträge kamen schon aus Italien und den USA.

von Inga Martens

Mit Spraydosen fing alles an. "Beim Graffiti hat mich immer fasziniert, was die Farben für eine Deckkraft und Intensität haben", erzählt Grafy. "Deswegen greife ich das immer wieder auf." Auch heute beginnt der 23-jährige Künstler noch fast jedes neue Werk mit Spraydosen. Die leuchtenden Farben bilden die erste Schicht seiner Bilder. Danach arbeitet er hauptsächlich mit Acrylfarben. Seine Motive: bekannte Persönlichkeiten, Tiere, Körper und Gegenstände. Sein Stil: Ein Mix aus Street- und Pop Art. Er selbst nennt ihn "abstrakten Realismus", aber festlegen möchte er sich da nicht. Mit der Zeit hat er seinen ganz eigenen "Grafy-Stil" entwickelt.

Der kontinuierliche Weg ins Kunstgeschäft

Bild von Künstler Grafy © NDR Foto: Inga Martens
"Es gab nicht auf einmal den großen Durchbruch," erzählt Künstler Grafy aus Lübeck. "Es war eher kontinuierliche, harte Arbeit."

Schon als Kind malt Grafy, der mit bürgerlichem Namen Philipp Haubold heißt, leidenschaftlich gern. Er experimentiert mit verschiedenen Stilen und Techniken. Als Jugendlicher beschließt er, dass er Künstler werden will. Nach dem Abitur in Lübeck beginnen andere ein Studium oder eine Ausbildung. Grafy konzentriert sich voll auf seine Kunst. Kein leichter Weg: "Es gibt viele Nachwuchskünstler, man ist einer von vielen", sagt Grafy. "Galerien nehmen einfach viele Werke auf und versuchen, irgendetwas zu verkaufen, aber sie setzen sich nicht wirklich mit einer Person auseinander. Man stellt ihnen Bilder zur Verfügung und häufig enden sie dann als Staubfänger."

Doch Grafy kämpft für seinen Traum, stellt seine Werke aus, zeigt sie in sozialen Netzwerken und knüpft Kontakte in die Kunstwelt. Schon bald verkauft er erste Bilder und macht sich langsam einen Namen. "Das hat sich Schritt für Schritt entwickelt, es gab nicht auf einmal den großen Durchbruch," sagt der junge Künstler heute. "Es war eher kontinuierliche, harte Arbeit."

"Mittlerweile sind meine Eltern meine größten Fans."

Heute, nach gerade einmal vier Jahren als hauptberuflicher Künstler, verkauft Grafy seine Bilder unter anderem nach Italien und in die USA. Sie kosten bis zu 12.000 Euro. Im sozialen Netzwerk Instagram hat der Künstler mehr als 35.000 Follower. Seine Eltern, die anfangs von seinem Berufswunsch wenig begeistert waren, hat er längst überzeugt. "Mittlerweile sind sie meine größten Fans," sagt der 23-Jährige.

Sein Erfolgsrezept fasst er so zusammen: "Seiner Leidenschaft freien Lauf zu lassen, das ist das Wichtigste. Einfach machen, kreieren, tagtäglich dran sein." Es könne passieren, dass er sich zwei Wochen lang im Studio einschließe und komplett durcharbeite.

Seinen Lübecker Wurzeln bleibt Grafy treu

Grafy wohnt mittlerweile in Hamburg, wo er auch sein Studio hat. Doch er kommt regelmäßig nach Lübeck, um Familie und Freunde zu besuchen. Vor Kurzem hat er außerdem einen Raum in seinem alten Gymnasium, der Oberschule zum Dom, gestaltet. Sein Wandgemälde im neuen Gesundheitszentrum der Schule zeigt eine Staffelholzübergabe und einen Sportler, der durchs Ziel läuft. Zu Schulzeiten war Grafy selbst begeisterter Staffelläufer: "Ich habe diesen Sport einfach geliebt," sagt er. "Das hat mich als Künstler in Lübeck geformt."

Bilder des Künstlers Grafy © NDR Foto: Inga Martens
Grafys Kunst ist ein Mix aus Street- und Pop Art. Er selbst nennt seinen Stil "abstrakten Realismus."

Grafys ehemalige Klassenlehrerin Inga Panck freut sich über das Wandgemälde: "Als der Raum umgebaut wurde, hatten wir die Idee, Grafy zu fragen, ob er die Wand gestalten würde, aber wir wussten, dass er sehr erfolgreich ist," sagt Inga Panck. "Umso dankbarer sind wir, dass wir ihn für das Projekt gewinnen konnten und er sich hier verewigt hat."

Große Ausstellung in Hamburg geplant

Der Künstler arbeitet schon an seinen nächsten Projekten. In der Kulturwerft Gollan in Lübeck will er ab Mai ein vier Meter großes Bild malen. Im Oktober soll es außerdem eine große Ausstellung in Hamburg geben. Details möchte Grafy noch nicht verraten. Nur so viel: Die Ausstellungsfläche soll 500 m² groß sein - viel Platz für eine Einzelausstellung. "Ich stehe noch am Anfang. Da ist noch viel Luft nach oben," sagt Grafy. Der Grundstein für eine lange internationale Karriere ist auf jeden Fall schon gelegt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Schleswig-Holstein Magazin | 08.04.2021 | 19:30 Uhr