Stand: 14.09.2018 14:56 Uhr

Goya-Grafiken in Kiel: Vom Irrwitz des Daseins

von Andrea Ring
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Francisco de Goyas Radierung "Karl V. tötet den Stier mit der Lanze in der Arena von Valladolid" aus der Folge "La Tauromaquia" entstand um 1815/16.

"Goya. Grafische Meisterblätter" heißt eine kleine, feine Ausstellung, die vom 15. September an in der Kieler Kunsthalle zu sehen ist. Die Grafische Sammlung besitzt 156 Blätter aus den Grafikfolgen Francisco de Goyas. Aus dem Zyklus "La Tauromaquia" ("Die Kunst des Stierkampfs") hat Sammlungsleiterin Annette Weisen 17 Werke ausgewählt. Die erst lange nach Goyas Tod veröffentlichten "Los Disparates" ("Torheiten") zeigt die Kuratorin vollständig. Ein Besuch während des Aufbaus der Ausstellung.

Die Bilder aus Goyas beiden letzten Zyklen "Tauromaquia" und "Los Disparates", stehen noch an die Wand gelehnt auf dem Boden. Kuratorin Annette Weisner zieht Handschuhe über und stellt eines der Werke Goyas auf eine Staffelei. Goya hat nicht nur Torero-Stars im Moment ihres Triumphs festgehalten. Das Blatt auf der Staffelei trägt den Titel "Unglückliche Ereignisse in der Sperrsitzabteilung der Arena von Madrid und der Tod des Bürgermeisters von Torrejón". Rechts sieht man ineinander verknäulte und fliehende Menschen. "Die linke Seite ist ganz leer und rechts oben auf der Tribüne thront der Stier und hat den Bürgermeister auf den Hörnern", beschreibt Weisner das Bild.

Die ganze Kraft des Stieres

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"Leichtfüßigkeit und Wagemut von Juanito Apiñani in der (Arena) von Madrid" aus der Folge "La Tauromaquia".

Szenen wie den "Tod des berühmten Matadors Pepe Hillo", an dessen Buch über den Stierkampf sich die Bilder orientieren, hat Goya selbst miterlebt, erzählt Annette Weisner. Für Folklore und Volksvergnügen steht dagegen "Eine andere Tollkühnheit in der gleichen Arena": Ein Stier geht mit gesenkten Hörnern auf einen Tisch los. "Auf dem Tisch steht ein Matador mit Fußfesseln aus Eisen, bereit zum Sprung über den Stier", sagt Weisner. "Was mir bei diesem Blatt aber besonders gefällt, ist, wie großartig und wunderbar der angreifende Stier gezeigt ist, also diese ganze Kraft des Stieres."

Die "Torheiten": Unheimlich und rätselhaft

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Francisco de Goyas "Dummkopftorheit" stammt aus der Folge "Los Disparates" und entstand in der Zeit zwischen 1815 und 1824.

Diese von hellgrau bis tiefschwarz fein schattierten Flächen schafft Goya durch eine besondere neue Drucktechnik, die sogenannte Aquatinta. Die Stierkampfserie habe etwas Dokumentarisches, sagt Kuratorin Weisner. Ganz im Gegensatz zu den 18 Blättern der "Torheiten": Fabelwesen, monströse Kreaturen und Traumfiguren bevölkern diese Grafiken. Wie "Die Torheit der Angst", ein ganz unheimliches Blatt, wie Kuratorin Weisner meint. Eine riesenhafte verhüllte Gestalt beugt sich über am Boden liegende Soldaten. "Wenn man aber ganz genau hinschaut, erkennt man, dass aus dem rechten Ärmel ein höhnisch lächelndes oder grinsendes Gesicht hervorschaut."

Fantastische und manchmal albtraumhafte Stimmung

Wie aus einem Horror- oder Fantasyfilm, nur besser. "Es gibt ganz viele Motive oder Szenen, die auch in der Populärkultur wieder auftauchen - oder die einem irgendwie bekannt erscheinen", sagt Weisner. Und wie im Mysterythriller ist ihre Bedeutung schwer bis überhaupt nicht zu entschlüsseln, was aber auch den Reiz der Werke ausmacht. "Die Bilder haben eine düstere, fantastische und manchmal auch albtraumhafte Stimmung", erklärt die Kuratorin. "Bei dieser Folge ist zentral, dass man nicht wirklich sagen oder erklären kann, um was es geht. Also sie sind sehr, sehr rätselhaft."

"Den Irrwitz des Daseins darstellen"

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"Eine Art zu fliegen" aus der Folge "Los Disparates", um 1815-1824.

"Eine Art zu fliegen" heißt Annette Weisners absolutes Lieblingsbild, das dem Betrachter ebenfalls Rätsel aufgibt. "Man sieht fliegende Menschen mit fledermausartigen Flugapparaten vor einem nachtschwarzen Hintergrund. Sie tragen eigenartige Kappen, die so ein bisschen an Raubvögel erinnern", beschreibt Weisner die Grafik.

Die Menschen und ihre Torheiten hat Francisco de Goya in seinen Grafiken allerdings sehr genau beobachtet und meisterhaft auf seine Druckplatten geätzt: Eitelkeit, Verlogenheit, Unaufrichtigkeit. "Goya hat es ganz großartig verstanden, in diesen Blättern den Irrwitz des Daseins darzustellen", sagt Kuratorin Weisner.

Goya-Grafiken in Kiel: Vom Irrwitz des Daseins

Die Kunsthalle zu Kiel zeigt Werke aus Francisco de Goyas Zyklen "Die Kunst des Stierkampfs" und "Torheiten". Ein Besuch während des Aufbaus der Ausstellung an der Förde.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle zu Kiel
Düsternbrooker Weg 1
24105  Kiel
Preis:
Eintritt 7 Euro / ermäßigt 4 Euor
Öffnungszeiten:
Mo: geschlossen
Di bis So: 10 -18 Uhr
Mi: 10 -20 Uhr
3. und 31. Oktober: 10 - 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 14.09.2018 | 20:05 Uhr

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