Stand: 17.09.2020 17:48 Uhr

Ausstellung in Lübeck zeigt Kultur der Polarkreise

von Thorsten Philipps

Was verbindet Menschen in Alaska, Sibirien, Norwegen, Grönland und Kanada - also Bewohner des nördlichen Polarkreises? Und was unterscheidet sie von Bewohnern, die weiter südlich angesiedelt sind? Gibt es eine gemeinsame Kultur der Urvölker und was mag sie uns sagen? In Lübeck will die Ausstellung "Nordwärts/Südwärts. Begegnungen zwischen dem Polarkreis und Lübeck" Antworten geben. Am 17. September findet von 17 bis 19 Uhr die Eröffnung im St. Annen-Museum statt. NDR Kultur durfte sich bereits vorab einen Eindruck verschaffen.

Ein dicke Frauenfigur aus Stein © Völkerkundesammlung Lübeck
Die Völkerkundesammlung Lübeck rückt die Länder rund um den Polarkreis, insbesondere die indigenen Gemeinschaften der Arktis ins Zentrum der Ausstellung.

In einem der drei Räume sind die Jagdwaffen, wie Harpunen oder Pfeil und Bogen aus Holz, Schutzanzüge aus Haut und Fell, Masken und Specksteinskulpturen aus Alaska, Grönland und Kanada zu sehen. Viele der insgesamt 200 Exponate stammen aus der Lübecker Völkerkundesammlung. Als man im 19. Jahrhundert und früher die Urvölker des nördlichen Polarkreises im Zirkus oder auf Volksfesten zur Schau stellte, wurden viele ihrer Gegenstände behalten und gesammelt.

Die Urvölker galten als unterentwickelte Kannibalen, erzählt Lars Frühsorge, der seit zwei Jahren für die Völkerkunde in Lübeck verantwortlich ist. Der Kurator bezeichnet seine erste Ausstellung als ein Experiment, eine Laborausstellung, in der die Besucher über Audiostationen und Videoinstallationen die Kultur des Nordpolarkreises besser als bisher kennenlernen sollen.

Klima und Kultur sind eng miteinander verwoben

Der Chef der Lübecker Museen, Hans Wisskirchen, sagt, er empfinde Demut in dieser Ausstellung, da viele Ausstellungsstücke, wie die Jacken aus dünnem Tierfell, zeigen würden, wie fortschrittlich zum Beispiel die grönländische Kultur gewesen sei. Die Inuit hätten diese Jacken Anoraks genannt - ein Wort, das so viel bedeute wie "Etwas gegen die Kälte".

Eine liegende Steinfigur mit Harpune © Völkerkundesammlung Lübeck
Die Meerjungfrau "Sedna" wurde 2015 von Isaac Sala in Kanada gefertigt und besteht aus Serpentin, Karibugeweih und Holz.

Aus dem Kulturkreis der grönländischen Inuit stammen auch verschiedene dunkle Specksteinskulpturen, wie die eines Seehundjägers von George Arluuk. Daneben, in ganz ähnlichem Stil, ebenfalls aus Speckstein, aber aus Kanada, liegt eine 30 Zentimeter breite Meerjungfrau. Diese Meeresgöttin trägt eine Harpune in der Hand und stammt vom Skulpturhauer Isaac Sala. Sinnbildlich stehe sie für den Glauben der Polarkreisvölker und ihren Umgang mit der Natur, erzählt Frühsorge. Die Meerjungfrau mit dem Namen "Sedna" soll der Legende nach Fische aus der Tiefe des Meeres nach oben geschickt haben. Sie sollten den gerechten und guten Menschen als Nahrung dienen.

Wie weit die Handelsbeziehungen der Nordkanadier reichten, zeigt ein Scharmanen-Rock, der wie ein dunkler Kartoffelsack aussieht. An ihm fand Lars Frühsorge chinesische Münzen. So vermittle die Ausstellung einen neuen Blick auf die Länder rund um den Polarkreis und zeige die gleichartige Entwicklung der Kulturen aufgrund ihrer ähnlichen klimatischen Bedingungen, so der Ethnologe.

Die Ausstellung wird am 17. September um 17 Uhr im St. Annen-Museum eröffnet und soll bis zum 3. Januar nächsten Jahres andauern.

Ausstellung in Lübeck zeigt Kultur der Polarkreise

Mit der ersten Ausstellung unter neuer Leitung möchte die Völkerkundesammlung andere Sichtweisen auf ihre Objekte und die Geschichte Lübecks eröffnen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
St. Annen-Museum
St. Annen-Straße 15
23552  Lübeck
Telefon:
0451 - 122 713 7
E-Mail:
mg@luebeck.de
Preis:
8€
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag:
10 bis 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 17.09.2020 | 11:20 Uhr