Stand: 27.07.2020 06:36 Uhr  - NDR Kultur

Faszinierende Bilder: Wildpferde aus nächster Nähe

von Maren Momsen
Eine wilde Pferdeherde © Marc Lubetzki Foto: Marc Lubetzki
Wilde Pferdeherden gibt es in fast allen Teilen Europas.

In vielen Ländern Europas gibt es noch Pferde, die ohne Kontakt mit Menschen wild in Herden leben. Tierfilmer Marc Lubetzki hat sie besucht. Er liebt Wildpferde und begleitet die Herden schon seit Jahren. Seine Begegnungen hat er in unzähligen Fotos und mehreren Filmen festgehalten. Im Deutschen Pferdemuseum ist bis zum 25. Oktober die Ausstellung "Wild Horses" mit seinen Werken zu sehen.

Der Atem der Pferde ist das einzige Geräusch in den Filmen der Wild-Pferde-Ausstellung in Verden. Ansonsten verständigen sich die scheuen Tiere in den wilden Herden lautlos. Tierfilmer Marc Lubetzki konnte dennoch sehr intime Fotos und Filmaufnahmen von den Tieren machen, weil er selbst als Teil der Pferdeherde akzeptiert wurde. "Das sieht man auch auf einem Bild", sagt Ina Rohlfing vom Deutschen Pferde Museum. "Dort sieht man ihn passiv am Rande einer Herde. Er hat das eine Bein aufgestellt wie ein Pferd, wenn es ruht, und guckt zu Boden." In dem er sich wie ein Pferd verhalte, wolle er den Leithengst dazu bewegen, ihn einzuladen, Teil der Herde zu werden.

Marc Lubetzki nutzt die "Spiegeltechnik" mit den Tieren

Wildpferde an einem Berghang © Marc Lubetzki
Marc Lubetzki in demütiger Haltung am Rande der Herde. Über die "Spiegeltechnik" nähert sich der Tierfilmer der Herde an.

Mit dieser "Spiegeltechnik" komme Lubetzki den wilden Pferden, die in ihren Herden Menschen normalerweise nicht begegnen, so nahe wie sonst kein anderer Fotograf. "Dadurch schafft er es auch, bei ganz intimen Momenten - wie einer Geburt - dabei zu sein oder mitten in der Herde zwischen Stuten und neugeborenen Fohlen ein Nickerchen zu machen."

Wildpferde achten sehr genau auf Verhalten

Ein Pferd bäumt sich auf und zeigt seine Hufe © Marc Lubetzki Foto: Marc Lubetzki
Über Körperhaltung und Verhalten kommunizieren Pferde.

Dass die Pferde Lubetzki akzeptieren ist besonders, weil der Mensch durch seine Körperhaltung eher einem Raubtier gleicht. Für das Pferd ist es etwas Besonderes das Vertrauen zu fassen, dass er dann einer von ihnen werden kann. Ganz so sieht sich der Fotograf selbst nicht. "Die Pferde wissen natürlich schon, dass ich kein Pferd bin, die wissen schon, das ist ein Mensch", schildert Lubetzki. Aber Tiere würden häufig auch artübergreifend kommunizieren und das funktioniere eben auch mit Menschen. "Ich musste ihnen signalisieren, dass von mir keine Gefahr ausgeht und sie mir vertrauen können." Das Vertrauen der Pferde zu erlangen, war für Lubetzki nicht einfach. Am Anfang habe er erstmal versucht, mit einem Zelt in der Landschaft zu warten, bis die Tiere kommen. Aber sobald er das Zelt abgebaut habe oder die Kamera schneller bewegt, sei die Herde weg gewesen.

Lubetzki begleitet Wildpferde in ganz Europa

Wildpferde im Wald - Bilder aus der Ausstellung "Wild Horses" © NDR Foto: Maren Momsen
Perfekt getarnt: Wildpferde sind häufig optimal an ihre Umgebung angepasst.

Lubetzki besucht seit mehr als acht Jahren Wildpferde-Herden in Europa: Er war unter anderem bei den Exmoor-Ponys in England, bei den Garrano-Pferden in Portugal und bei den Konik-Pferden in der Geltinger Bucht in Schleswig-Holstein. Dort entstanden auch seine Wildpferde-Porträts. Darauf sind vier Pferdeköpfe mit langen wilden Mähnen zu sehen, die direkt in die Kamera blicken. Oder die Fotos einer Pferdeherde mit Hengsten, Stuten und Fohlen, die vom Fell her perfekt getarnt durch einen Wald läuft. Nicht zu vergessen die fast schon dramatischen Aufnahmen einer Pferdegeburt.

Es gibt sogar Wildpferde zum Beispiel in der Geltinger Bucht, bei denen schon am Fell klar zu erkennen ist, wie nahe Pferde mit Zebras verwandt sind. "Die haben eininteressantes Ur-Merkmal - Reste noch von Zebrastreifen", sagt der Tierfilmer. "Bei den Koniks kann man noch deutlich Zebrastreifen, vor allem an den Beinen, sehen. Bei denen, wo das sehr kräftig durchkommt, kann man das sogar an der Schulter und am Widerrist sehen."

Die Ausstellung "Wild Horses" ist bis zum 25. Oktober noch im Deutschen Pferdemuseum zu sehen. Eine vorherige Anmeldung des Besuchs ist nicht erforderlich. Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Deutsche Pferdemuseum Regeln für den Besuch im Museum aufgestellt.

Faszinierende Bilder: Wildpferde aus nächster Nähe

Tierfilmer Marc Lubetzki begleitet seit Jahren Wildpferde-Herden in ganz Europa. Im Deutschen Pferdemuseum in Verden gibt es seit Juni eine Ausstellung mit seinen Fotos und Filmen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Deutsches Pferdemuseum
Holzmarkt 9
27283  Verden
Telefon:
(04231) 80 71 40
E-Mail:
verwaltung@dpm-verden.de
Preis:
5 Euro (bis 18 Jahre: 2 Euro)
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr
(außer Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr)
Hinweis:
Eine vorherige Anmeldung des Besuchs ist nicht erforderlich. Gruppenangebote können aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. 
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 27.07.2020 | 14:20 Uhr