Auf dem Parkplatz einer Tankstelle sieht man ein Mädchen, das auf einem Pony sitzt, davor ein Hund. © Ingeborg L. Gerdes Trust

"True Pictures?": Ausstellung beleuchtet amerikanische Wirklichkeit

Stand: 10.09.2021 17:18 Uhr

Ab Sonnabend ist die Schau "True Pictures?" mit Fotografien aus den USA im Museum für Photographie in Braunschweig zu sehen. Sie ist der Auftakt zu einer dreiteiligen Ausstellungsreihe in drei niedersächsischen Städten.

von Janek Wiechers

Eine karge Wüstenlandschaft in Schwarz-weiß. Im Hintergrund sind auf dem Foto sanfte Hügel erkennbar, im Vordergrund schlangenartige Reifenspuren im Sand. Aufgenommen hat die Landschaft der US-amerikanische Fotograf Owen Gump. Gump geht es aber nicht allein um ästhetische Aspekte einer schönen, ansprechenden Landschaft. Seine Bilder zeigen stets Spuren menschlichen Tuns - seltsam deplatziert wirkende Rohbauten, betongefasste Kanäle oder eben mysteriöse Reifenspuren. Sie erzählen subtil von menschlichen Eingriffen in die Natur.

Fotograf Owen Gump beobachtet amerikanische Wirklichkeit

"Diese Spuren, die man sieht, sind die Vermessungsspuren von einem Areal, das eben vermessen wurde für einen Bau von Google", erklärt Barbara Hofmann-Johnson, die Leiterin des Museums für Photographie Braunschweig. Sie zeigt auf zwei andere Fotografien: "Dieses Nachtbild: das ist Apple. Dann draußen das Bild - das ist Tesla. Es geht um die Veränderungen der Landschaft unter diesen Hightech-Konzernen."

Der 41-jährige Kalifornier Owen Gump gilt als einer der wichtigsten jüngeren fotografischen Beobachter amerikanischer Wirklichkeit. Neben Arbeiten von ihm präsentiert das Museum für Photographie Werke vier weiterer Künstlerinnen und Künstler.

Bilder zeigen Landschaft des amerikanischen Westens

Ein Schwarzweißbild zeigt eine Landschaft in Utah, im Vordergrund ein Briefkasten. © Ingeborg L. Gerdes Trust
"Kodak, Mexican Hat" von Ingeborg Gerdes zeigt eine Landschaft in Utah.

Bei Ingeborg Gerdes geht es ebenfalls um die Landschaft des amerikanischen Westens. Ihre Serien sind aber deutlich sozialkritisch geprägt, zeigen ganz normale amerikanische Einwohnerinnen und Einwohner, die sich in extremen Gegenden ihren Alltag eingerichtet haben. "Gezeigt werden Momente, die man teilweise auch aus der Geschichte der amerikanischen Fotografie kennt, die das verarmte und von wirtschaftlicher Not geprägte Land untersuchten, wo der Mensch sich mühsam seinen Lebensraum erkämpft."

Dokumentarische und konzeptionelle Arbeiten

Dokumentarisch geprägte Positionen - einige sehr konkret, andere abstrakter - sind der eine Zugang zur zeitgenössischen amerikanischen Fotografie. In einem zweiten Ausstellungsteil präsentiert das Museum für Photographie Braunschweig zudem konzeptuelle Arbeiten. Es gehe darum, sich loszulösen von einem dokumentarischen Bild, Dinge aus Kontexten zu nehmen und in neu Arbeiten einzusetzen, so die Museumschefin.

Eine bunte Collage, auf der unter anderem die Illustration einer Frau zu sehen ist. © Erica Baum
Auch Konzeptarbeiten von Erica Baum, hier "Worry (Patterns)", sind in der Ausstellung "True Pictures?" zu sehen.

Eindeutiger Interpretation entziehen sich die Arbeiten der Fotokünstlerin Ketuta Alexi-Meskhishvili. Die 42-Jährige wurde in Georgien geboren, wuchs aber in New York auf. Ihre Sicht nicht nur auf die amerikanische Wirklichkeit kleidet sich in eine sehr freie Form. Die abstrakten Arbeiten entstanden mit Mitteln der analogen Farbfotografie und erinnern an Malerei.

Weitere Konzeptarbeiten in der Braunschweiger Schau stammen von der New Yorker Fotokünstlerin Erica Baum, in der sie Bildfragmente und Texte verarbeitet hat.

Weitere Schauen in Hannover und Wolfsburg geplant

Die Ausstellung im Museum für Photographie ist der Auftakt für zwei weitere Schauen, die ab 30. Oktober im Sprengelmuseum Hannover und ab 6. November im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen sind. Auch diese beschäftigen sich mit zeitgenössischer amerikanischer Fotografie. Barbara Hofmann-Johnson: "Das Sprengelmuseum zeigt einen Überblick der wichtigen künstlerischen Positionen seit den 1980er-Jahren. Und das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt als erstes Museum in Deutschland eine Einzelausstellung mit Bildern von LaToya Ruby Frazier."

"True Pictures?": Ausstellung beleuchtet amerikanische Wirklichkeit

Das Museum für Photographie in Braunschweig zeigt dokumentarische und konzeptuelle Fotografie. Im Mittelpunkt der Einfluss des Menschen in der Natur.

Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Photographie Braunschweig
Helmstedter Straße 1
38102 Braunschweig
Preis:
Regulär: 3,50 € / Ermäßigt: 2,00€
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 13 - 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 10.09.2021 | 09:20 Uhr