Stand: 20.05.2020 16:11 Uhr  - NDR Kultur

Sprengel Museum zeigt Facetten der Ruhe

von Agnes Bührig

Ruhige Momente - die haben derzeit, ob gewollt oder ungewollt, viele Menschen. Schon seit etlichen Jahrhunderten bilden sie Künstlerinnen und Künstler ab: in den Gattungen Stillleben und Interieur etwa seit dem 17. Jahrhundert. Im Sprengel Museum erhält das Sujet in Zeiten der Corona-Krise neue Aktualität. Im wieder geöffneten Ausstellungshaus ist die Schau "Ruhige Momente - Interieurs und Stillleben aus der grafischen Sammlung“ aufgebaut.

Ruhige Momente sind häufig blau. Das zeigt sich gleich im ersten Raum der Ausstellung. Auf blauer Wand hängen blaue Bilder, eine asiatische Ruhe verbreitende Schale des japanischen Künstlers Kasuo Katase von 2001, colorierte Wolken über dem Wilseder Berg, die sich mit ebenfalls blauem Rauch mischen. Die Farbwahl habe nicht zuletzt mit den ruhigen Stunden des Tages zu tun, sagt Karin Orchard, Kuratorin der Ausstellung: "Man kann es eigentlich immer wieder beobachten, dass Blau, das dunkle Blau, Nachtblau, eine ganz ruhige Farbe ist. Wir sehen es hier auch in etlichen unserer Darstellungen. Das ist im Grunde die Art von Beleuchtung oder Licht, die Abends oder Nachts vorhanden ist und einen auch beruhigt."

Stillleben im Sprengel Museum hochaktuell

Als Karin Orchard begann, die Ausstellung zu planen, war die Corona-Krise nicht absehbar. Es sollte um Stillleben und Interieurs gehen, die klassischerweise Blumen und Innenansichten der guten Stube zeigen. Doch die Künstlerinnen und Künstler nahmen im letzten Jahrhundert auch technische und sozialkritische Dinge in den Blick - stille Momente, die trügerisch sind.

"Sitzlandschaft mit Witwe und Kindern" heißt Siegfried Neuenhausens Siebdruck von 1973: eine Frau mit zwei Kindern, die scheinbar wenig am öffentlichen Leben teilnehmen kann - wie so viele in der Corona-Krise. Unter den Darstellungen von Kücheninterieurs hängt eine Radierung, die entfernt an ein Corona-Virus erinnert. Der Surrealist Man Ray hat 1968 einen blauen, kugeligen Umriss gezeichnet, aus dem in regelmäßigen Abständen Löffel-Enden herausstaken.

"Ruhige Momente": Spaziergang durch die Kunstgeschichte

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"Die Lesestunde" von Oskar Schlemmer aus dem Jahr 1935 (Tempera, Öl auf Leinwand auf Hartfaser, 28,2 x 34 cm).

Im gleichen Raum hängt ein Bild, das eine unfreiwillige Ruheszene wiedergibt. Oskar Schlemmer hat es 1935 gemalt. "Er war vorher abstrakter Bauhauskünstler, bekam dann wegen der Nazis Berufsverbot und in dieser Zeit, wo er nicht arbeiten durfte, zeichnete und malte er eben auch schon wieder relativ gegenständliche Szenen und hier haben wir eben eine Szene, wo drei Figuren verknäult unter einer Leselampe sitzen, sich gegenseitig etwas vorlesen oder einfach still vor sich hinlesen", erläutert Karin Orchard.

Das Sprengel Museum präsentiert viele Exponate aus seiner grafischen Sammlung, die für die Ausstellung nicht chronologisch, sondern thematisch gruppiert worden sind und so verschiedene Facetten der "Ruhigen Momente" widerspiegeln. Werke von Andy Warhol, Max Beckmann, Max, Ernst, Pablo Picasso, Anna Oppermann oder Roy Lichtenstein sind zu sehen. Die Ausstellung hinterfragt nicht nur ruhige Moment in guten wie in schlechten Zeiten, sondern ist auch ein Spaziergang durch die Kunstgeschichte der Moderne.

Sprengel Museum zeigt Facetten der Ruhe

Im Sprengel Museum Hannover erhält das Sujet der stillen Momente neue Aktualität. Dort ist nun eine Ausstellung mit Interieurs und Stillleben aus der grafischen Sammlung zu sehen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169  Hannover
Telefon:
(0511) 16 84 38 75
E-Mail:
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
Preis:
7 Euro, ermäßigt 4 Euro.
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10 bis 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Hinweis:
An allen Tagen ist der Eintritt für Kinder bis zwölf Jahre und Schulklassen frei. Freitags auch für Erwachsene.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.04.2020 | 11:20 Uhr

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