Eine Farbpalette, daneben Farben und Pinsel © picture alliance / Zoonar Foto: Serghei Platonov

SketchCon 2022 in Hannover: Zeichnen, malen, skizzieren

Stand: 25.08.2022 16:49 Uhr

Am vergangenen Wochenende fand die SketchCon 2022 in Hannover statt. Über 120 Zeichnerinnen und Zeichner haben an 30 Workshops teilgenommen, unter anderem zum Thema Urban Sketching.

Ein Gespräch mit den Initiatoren der SketchCon, Dietmar Stiller, Leiter der Kunstfabrik Hannover, und Malte Wulf, Stadtzeichner aus Hannover.

Was genau ist die SketchCon?

Dietmar Stiller: Die SketchCon ist eigentlich eine Corona-Idee gewesen. In dieser Zeit war Leerlauf und man hat sich als Künstler alleine zuhause getummelt. Wir haben Zoom-Meetings mit unseren Freunden gemacht und zusammen gezeichnet. Bei der SketchCon geht es nicht ums lustige Sketchen - das gibt es auch -, sondern ums Sketchen im Sinne von Skizzieren. Das haben wir zunächst online gemacht, und die Idee war, ein richtig großes Event zu machen, wenn der Corona-Mist vorbei ist. Das ist gelungen: Es war ein ganz großes Event im Pelikan-Turm mit über 120 Leuten und mit 20 Workshops zu allen möglichen Themen wie etwa Tiere oder extraschnelle Porträts. Der Hauptteil war Urban Sketching, das Skizzieren in der Stadt. Aber das kann Malte, der Stadtzeichner besser erklären.

Malte Wulf: Traditionell würde man sagen, dass Urban Sketch so etwas ist wie eine Reiseskizze; man skizziert, wenn man unterwegs ist. Bei uns ist es so, dass wir meistens unsere eigene Stadt oder unser eigenes Dorf so darstellen, wie es ist. Das ist die Idee dahinter.

Und das sieht super schön aus. Ich habe direkt auch so etwas von Dietmar geschenkt bekommen, der schon mal ein bisschen gezeichnet hat, während er gewartet hat, bis ich ihn beim Pförtner abhole. Wie lange braucht Ihr für so eine Zeichnung?

Stiller: Ich war eine Stunde vorher da und habe erst mal geguckt, von wo aus ich das zeichnen möchte. Eine Dreiviertelstunde hat das schon gedauert.

Wie lief die SketchCon am letzten Wochenende ab?

Wulf: Wir haben uns Freitagnachmittag getroffen und es ging gleich um 14 Uhr los mit dem ersten Kurs, den ich tatsächlich geben durfte. Wir haben uns direkt am Pelikan-Gelände hingesetzt und mit knapp 15 Leuten gezeichnet. Abends gab es die nächsten Kurse und das erste Get-together. Und so sind wir in das Wochenende gestartet.

Sitzt Ihr dann zusammen und sagt: "Wir zeichnen jetzt das"? Gibst Du Tipps, oder wie läuft das ab?

Wulf: Genau, so war die Idee. In den Workshops haben die Dozenten ein bisschen erklärt, was sie so vorhaben, was die Schwerpunkte beim Urban Sketching sind, was ihre eigenen Ideen beim Urban Sketching sind. Und dann sind wir gestartet.

Was hast Du alles so an dem Wochenende gemacht, Dietmar?

Stiller: Eigentlich immer nur geschwitzt und herumgelaufen, weil ich der Organisator war. Die Hauptorganisation läuft über meine Kunstfabrik, die Akademie in Hannover, wo man ganz viele verschiedene Kunstkurse buchen kann, von Acryl über Aquarell bis zur freien Malerei. Die Idee war, das Urban Sketching mit diesen vielen Workshops ein bisschen größer zu machen. Mein Thema nenne ich immer "quick and dirty", also schnell und dreckig: Nicht viel nachdenken beim Zeichnen, einfach loslegen.

Das ist für mich immer die beste Methode: erst mal zu gucken, was da ist und in vier verschiedene Richtungen zu zeichnen. Innerhalb von 20 Minuten sind schon die ersten vier Zeichnungen da, von denen man sich die schönste aussuchen kann. Das habe ich in meinem Workshop gemacht. Architektur ist ein großes Thema beim Urban Sketching, aber auch die Menschen - oder einfach auch mal ein Mülleimer. Ich habe in meinen Zeichnungen auch Ampeln drin und Fahrradfahrer - was halt in der Stadt los ist. Das soll nicht nur eine Landschaftszeichnung sein, die beruhigt, sondern auch das Leben in der Stadt rüberbringen.

Wer kann da mitmachen? So ein bisschen zeichnen kann ich auch, aber nicht so wirklich toll. Könnte ich auch bei der SketchCon kann dabei sein, oder muss man es wirklich können?

Wulf: Ja, selbstverständlich könntest du dabei sein. Ich denke, dass jeder, der seinen Namen schreiben kann, zeichnen kann. Vielleicht nicht ganz so professionell wie andere, aber es gibt eine ganze Menge Techniken, die man relativ schnell lernen kann und dann kann man einfach einsteigen.

Wie ist es bei Euch gewesen: Habt Ihr immer schon so toll gezeichnet? Oder habt Ihr das richtig trainiert?

Stiller: Als Kind fängt man eben an, und anscheinend war das immer schön. Meine Eltern haben mich immer gefördert, und nach dem Abi war die Frage, irgendetwas Naturwissenschaftliches oder Künstlerisches zu machen. Da habe ich mich für die künstlerische Seite entschieden, Grafikdesign studiert und war dann selbständig in dem Bereich tätig. Ich habe immer gezeichnet, habe Messestände entworfen, als es noch keine 3D-Programme am Computer gab und man alles per Hand gemacht hat. Das war ein Weg, den ich immer gemocht habe. Und dann ging alles nur noch mit dem Computer, und da habe ich mich entschlossen, wieder irgendwas Freies zu machen und habe mit Malen und Zeichnen wieder richtig losgelegt.

Wie war es bei Dir, Malte?

Wulf: Als Kind habe ich auch viel gezeichnet, als Jugendlicher habe ich recht viele Comics gezeichnet. Ich habe dann Architektur studiert - da hat man auch viel gezeichnet. Inzwischen nicht mehr so viel mit der Hand. Aber ich zeichne jetzt auch seit gut zehn, 15 Jahren sehr viel wieder mit Hand und auch mit großer Freude. Inzwischen darf ich das auch Gott sei dank unterrichten, darüber freue ich mich auch sehr: an der Hochschule in Hannover bei den Innenarchitektinnen und Innenarchitekten und in Minden bei den Hochbauarchitekten.

Was sind das für Techniken, die Ihr bei der SketchCon verwendet?

Wulf: Es geht jede Technik: vom Kugelschreiber über Bleistift, Füller, Buntstifte, Aquarellkasten. Alles, was irgendwie Farbe aufs Papier bringt, geht.

Wann kann man das nächste Mal bei so einer Aktion mitmachen?

Stiller: In Hannover findet immer eine Aktion am zweiten Sonntag des Monats statt. Auf der Webseite wird der Ort immer festgelegt. Ich habe mich entschieden, das an einer Kirche in Kleefeld zu machen, weil da sehr schöne alte Häuser stehen und es gut mit den Öffis erreichbar ist, weil viele für das Treffen von außerhalb kommen: aus Hildesheim, Hamburg, Osnabrück oder Braunschweig. Jetzt werden wahrscheinlich noch mehr Menschen kommen, und wir hoffen, dass alle viel Spaß haben werden.

Wulf: Ganz kurzfristig gibt es nächstes Wochenende einen Kursus in der Kunstfabrik, den ich machen darf: Urban Sketching, von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag. Da werden wir auch durch die Stadt ziehen und zeichnen. Anfang September gibt es außerdem das große Urban-Sketching-Deutschland-Treffen in Dortmund. Da werden auch 130 bis 140 Leute erwartet.

Das Gespräch führte Martina Gilica.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 23.08.2022 | 19:00 Uhr

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