Eine große graue Pendelspitze zeichnet ein ellipsenartiges Muster in eine große Sandfläche. © NDR Foto: Helgard Füchsel

"Shifting Axis": Ausstellung im Edith-Russ-Haus Oldenburg

Stand: 27.10.2021 12:03 Uhr

Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg zeigt die Soloschau "Shifting Axis" der niederländischen Künstlerin Marjolijn Dijkman. Sie kreiert ihre Werke mit Pendeln, Mikroskopen und Teleskopen.

von Helgard Füchsel

Ein schweres kegelförmiges Pendel streicht mit der Spitze über eine Fläche aus weißem Sand. Mit einem leisen Surren zeichnet es dort schwungvolle Linien hinein, wie eine Harke in einen Zen-Garten. Das Pendel hängt an der sechs Meter hohen Decke im Ausstellungsraum des Edith-Russ-Hauses für Medienkunst in Oldenburg. Es ist dem Foucaultschen Pendel in Paris nachempfunden mit dem Léon Foucault bewiesen hat, dass sich die Erde um die eigene Achse dreht. Ganz anders als das Pendel in Oldenburg, sagt der Museumsleiter Marcel Schwierin: "Wir haben so ein Pendel hier in der Ausstellung hängen. Es wird aber vom Computer ständig in der Bahn gestört, also kommt es gewissermaßen aus dem Gleichgewicht. Das ist ein sehr schönes Bild für eine Erde, die aus dem Gleichgewicht zu geraten scheint."

Mit dem Mikroskop das Auge auf winzige Organismen lenken

Eine Frau in dunkler Kleidung steht neben einer Sandfläche, in die ein großes schwingendes Pendel Linien zeichnet. © NDR Foto: Helgard Füchsel
Durch Vergrößerung und Veränderung entsteht ein neuer Blick auf wissenschaftliche Phänomene.

 "Shifting Axis", also "Achsenverschiebung", ist auch der Titel der Schau von Marjolijn Dijkman. Teleskope, Mikroskope oder ein Foucaultsches Pendel - solche Geräte, mit deren Hilfe normalerweise Wissenschaftler die Welt beschreiben, verwendet die niederländische Künstlerin in ihrer Kunst oder macht sie zum Gegenstand ihrer Werke. Für eine ihrer Videoinstallationen hat sie Brackwasser durch ein starkes Mikroskop gefilmt. Das Wasser ist voller Leben aus mikroskopisch kleinen Algen und winzigen Organismen. Tierschutzkampagnen arbeiten meist mit Bildern von Tieren mit großen Augen, sagt die Künstlerin. Das wecke Empathie bei den Menschen. Sie blickt in ihrem Video empathisch auf die Algen. Diese sind zwar mit bloßem Auge unsichtbar, aber entscheidend für das Leben der Menschen. Denn sie produzieren einen großen Teil des Sauerstoffs auf der Erde.

Dijkman will Wissenschaft aus künstlerischem Blickwinkel sehen

"In vielen meiner Arbeiten geht es darum, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, wie wir einander verstehen und welche Beziehung wir zur Welt haben", schildert die Künstlerin. "Die Wissenschaft ist ein wichtiges Werkzeug und hat viel Einfluss darauf, wie wir die Welt wahrnehmen und wie sie geformt wird. In den vergangenen zehn Jahren habe ich mich für verschiedene Gebiete der Wissenschaft interessiert und beziehe mich jetzt darauf von einem künstlerischen Blickwinkel aus."

Eine Frau in schwarzer Kleidung steht vor einer Backsteinwand mit einem großen dunklen Bildplakat. © NDR Foto: Helgard Füchsel
Die Künstlerin Marjolijn Dijkman vor dem Ausstellungsplakat am Edith-Russ-Haus in Oldenburg.

Dijkmans Arbeiten sind meditativ und laden zum langen Anschauen ein. In einem Video entladen sich blaue elektrische Blitze an verschiedenen Gegenständen, wie Schraubenschlüsseln oder Lithiumbrocken. Eine andere Installation zeigt einen Asteroiden, der sich ganz langsam dreht und je nach Blickwinkel wirkt wie ein kalter Himmelskörper oder wie ein Lebewesen. Die Künstlerin ist fasziniert von der Wissenschaft und stellt gleichzeitig die wissenschaftliche Sicht der Dinge in ihren Arbeiten in Frage. "Ich denke, ich bin eine sehr neugierige Person, die gern lernt und die Dinge gern auf unterschiedliche Weise betrachtet und wahrnimmt. Aber ich bin mir auch darüber im Klaren, dass die wissenschaftliche Wahrnehmung von der Geschichte geformt ist, und das ist auf eine Weise nicht immer unschuldig."

Installation lädt zum Diskussionsabend bei Vollmond ein

Eine Installation besteht aus einem großen, ovalen Tisch in haselnussbraun mit acht Stühlen darum. Der Tisch ist ein Nachbau eines Möbels der "Lunar Society of Birmingham". Diese Gesellschaft traf sich vor mehr als 200 Jahren in den englischen Midlands. Männer wie James Watt und Erasmus Darwin diskutierten über gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen. Jetzt steht der Nachbau des Tisches weit sichtbar und hell beleuchtet hinter dem großen Fenster des Museums, freut sich Marcel Schwierin: "Man kann ihn von außen sehen, er wird erstmal leer sein. Aber diese Gesellschaft hat sich ursprünglich immer zum Vollmond getroffen. Und das werden wir auch machen. Wir werden also zum nächsten Vollmond am 19. November Künstler, Wissenschaftler und Publikum einladen, hier am Tisch etwas gemeinsam zu diskutieren."

"Shifting Axis": Ausstellung im Edith-Russ-Haus Oldenburg

Die niederländische Künstlerin Marjolijn Dijkman verwendet in ihren Werken Geräte der Wissenschaft wie Teleskope und Pendel.

Datum:
Ende:
Ort:
Edith-Russ-Haus für Medienkunst
Katharinenstraße 23
26121  Oldenburg
Telefon:
(0441) 235-3208
E-Mail:
info@edith-russ-haus.de
Preis:
2,50 Euro / 1,50 Euro (ermäßigt)
Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 14 - 18 Uhr
Samstag - Sonntag und feiertags: 11 - 18 Uhr
Hinweis:
Reguläre Führungen jeden Sonntag während der Ausstellung um 15 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 27.10.2021 | 10:20 Uhr