Schau in Wolfsburg beleuchtet Fluch und Segen von Erdöl

Stand: 03.09.2021 11:38 Uhr

"Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters" im Kunstmuseum Wolfsburg ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Erdöl. Sie befasst sich mit der Ambivalenz des "schwarzen Goldes".

Die Ausstellung geht auf die Anfänge des Öls ein und zeigt auch die Geschichte des Öls in Niedersachsen. Sie erzählt vom Wohlstand, den Erdöl für viele gebracht hat, aber auch davon, wie viele Menschen unter dem Öl gelitten haben und seinetwegen ausgebeutet wurden. Bis zum 9. Januar 2022 können sich Besucherinnen und Besucher die Retrospektive auf das Erdölzeitalter im Kunstmuseum Wolfsburg anschauen.

Kurator: Epoche verstehen, um sie beenden zu können

Die Skulptur "Elf schert sich einen Dreck" (M) des Künstlers Romuald Hazoume steht in der Ausstellung "OIL. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters" in Wolfsburg. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata
Ein Teil der Ausstellung befasst sich auch mit dem Thema Mobilität.

Kurator Alexander Klose erklärte den Hintergrund für diese Ausstellung: "Diese Epoche muss enden. Aber um sie beenden zu können, müssen wir sie erst verstehen." Dazu leiste die Schau einen Beitrag. "Wir sind nach wie vor tief drin - mit unseren Technologien, Körpern, Ansprüchen und Träumen."

Rund 220 Objekte zum Thema Öl

Jahrelang haben Klose und Mit-Kurator Benjamin Steininger weltweit nach geeigneten Objekten gesucht. Rund 220 Gemälde, Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Installationen aber auch technische und naturwissenschaftliche Objekte haben es ins Wolfsburger Kunstmuseum geschafft. Einige Kunstwerke wurden extra für die Ausstellung gefertigt. Schwerpunkte der Schau sind etwa die Anfänge des Ölzeitalters in Babylon und Baku, technische Entwicklungen sowie Öl als Anlass und Antriebsmittel für Kriege.

Ausstellung sollte schon 2019 gezeigt werden

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Andreas Beitin, Direktor und Kurator des Kunstmuseums Wolfsburg, steht in der Ausstellung "OIL. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters". © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata

Museumsdirektor Beitin zur Erdöl-Ausstellung in Wolfsburg

Bereits 2019 sollte die Ausstellung "Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters" im Kunstmuseum gezeigt werden. mehr

Zwei Kulturwissenschaftler hatten bereits 2016 das Konzept für die Ausstellung entwickelt. Gezeigt werden sollte sie 2019 unter dem damaligen Museumsdirektor Ralf Beil. Dem hatte das Museum jedoch gekündigt. Bis heute wird spekuliert, dass die Auseinandersetzung mit dem "Autozeitalter" einigen zu kritisch gewesen sein könnte. Träger des Kunstmuseums ist die Kunststiftung des Wolfsburger Autokonzerns Volkswagen. Ex-Museumschef Beil selbst beklagte damals die fehlende künstlerische Freiheit. Der jetzige Museumsdirektor Andreas Beitin sagte, dass für die Ausstellung das von Anfang an geplante Konzept umgesetzt worden sei. "Es gab keinerlei Einmischung von Dritten." Die Ausstellung gehe zudem weit über das Thema Mobilität hinaus - sie betrachte die gesamte "petromoderne Entwicklung" des 20. und 21. Jahrhunderts. "Autos sind da nur ein Aspekt unter vielen", so Beitin.

Klose: "Wir alle sind Teil des Problems"

"Wir konnten unsere programmatischen Ideen hier mit dem Haus umsetzen, so wie wir das nach Möglichkeit hier wollten", sagte Kurator Steininger. Mit-Kurator Klose ergänzte, dass es bei dem Konzept nie darum gegangen sei, "sozusagen die aktuell Schuldigen an der Krise auszumachen". Viel mehr gehe es darum, den ganz großen Zusammenhang noch einmal zu betrachten. Bestimmte Konzerne seien natürlich stärker mit der Öl-Industrie verbunden. Letztlich aber seien wir alle Teil des Problems. Darauf weist auch das letzte Ausstellungsstück hin: die Wandplastik "Menschenmenge" von Tony Cragg. Er sammelte am Rhein-Ufer haufenweise Plastikteile und setzte sie zu einem Relief aus Figuren zusammen.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 03.09.2021 | 08:30 Uhr