Ein Mann mit grauen Haaren und einer schwarzen Brille sitzt an einem Tisch, und stützt sich auf seine gefalteten Hände und lächelt. Er trägt ein schwarzes Sakko und ein Hemd darunter. © picture alliance/dpa/KSB | Falk Wenzel Foto: Falk Wenzel

Neuer documenta-Geschäftsführer: Reaktionen zu Alexander Farenholtz

Stand: 20.07.2022 08:34 Uhr

Alexander Farenholtz soll die documenta aus der Krise führen. Am 17. Juli hat er sein Amt als Interims-Geschäftsführer der Kunstschau angetreten. Im Norden ist er seit der Expo 2000 in Hannover gut bekannt.

Ein Mann mit grauen Haaren und einer schwarzen Brille sitzt an einem Tisch, und stützt sich auf seine gefalteten Hände und lächelt. Er trägt ein schwarzes Sakko und ein Hemd darunter. © picture alliance/dpa/KSB | Falk Wenzel Foto: Falk Wenzel
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von Katja Weise

Alexander Farenholtz folgt damit auf die zurückgetretene Generaldirektorin Sabine Schormann. Er war vor seinem Eintritt in den Ruhestand lange Geschäftsführer der Kulturstiftung des Bundes und 1989 schon einmal Geschäftsführer der documenta. Der gebürtige Helmstedter leitet 2000 zusammen mit Tom Stromberg das Kulturprogramm der Weltausstellung Expo in Hannover. Er sei sicher, so Stromberg, dass Farenholtz mit seiner Erfahrung und seiner Gelassenheit die documenta wieder auf einen guten Weg bringen werde: "Er ist ein sehr guter Kommunikator und Vermittler. Er nimmt aus den Diskussionen gerne die Schärfe raus, das heißt nicht, dass er nicht auch mal streiten kann, aber er ist jemand, der eher ausgleichend wirkt - das ist im Moment ja extrem wichtig bei den polarisierenden Kräften, die da auf die documenta einwirken." Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat jubelt auf Twitter: "Eine hervorragende Wahl! Die erste gute Nachricht von der documenta fifteen seit Wochen."

Reaktionen zu Farenholtz sind durchweg positiv

Auch viele Museumsdirektorinnen und -direktoren aus dem Norden stimmen zu. Andreas Beitin vom Kunstmuseum Wolfsburg findet: "Ich glaube man kann den Gesellschaftern von der documenta gratulieren, dass sie so schnell jemanden gefunden haben und dann auch noch so einen renommierten Kulturmanager wie Alexander Farenholtz, der ja nun wirklich ein kompetenter Mann ist und schon viele Jahre bei der Kulturstiftung des Bundes gearbeitet hat. Insofern ist es sehr gut, jemanden mit so einem Renommée zu bekommen, der mit kühlem Kopf an die ganze Sache rangeht." Diese Erwartung unterstreicht Reinhard Spieler, Direktor des Sprengelmuseums in Hannover. Er ist Alexander Farenholtz in unterschiedlicher Weise beruflich begegnet und hält ihn, wie Stromberg, für einen guten Krisenmanager: "Ich habe ihn zumindest als einen Menschen kennengelernt, der sich nicht unbedingt in den Vordergrund spielen muss, sondern der versucht, Dinge zu ermöglichen und zum Laufen zu bringen, ohne, dass es um ihn gehen müsste."

Auch Claudia Roth unterstützt Farenholtz

Claudia Roth © picture alliance/dpa Foto: Michael Kappeler
Claudia Roth (Grüne)

Auch von Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die nach den heftigen Diskussionen um Sabine Schormann deren Abberufung am Wochenende begrüßt hatte, kommt Unterstützung. Sie lobt in einem Statement, das NDR Kultur vorliegt, die Kompetenz von Farenholtz und dankt für seine Bereitschaft, die Aufgabe zu übernehmen: "Für die ersten Schritte einer Neuaufstellung der documenta biete ich ihm gerne die Unterstützung von meinem Haus und auch mir selbst an.

Die Kunstszene ist erleichtert und freut sich auf Farenholtz

Erleichterung allenthalten in der Kunstszene und die Hoffnung, dass nun wieder mehr auf die Kunst auf der documenta geschaut werde. Anette Hüsch, Direktorin der Kunsthalle zu Kiel, ist wie ihre Kollegen Andreas Beitin und Reinhard Spieler bereits in Kassel gewesen - bevor das umstrittene Banner aufgehängt wurde - sie findet: "Dass sich der Besuch der documenta lohnt, das würde ich auf jeden Fall sagen. Alleine um zu wissen, worüber man spricht." Und Beitin ergänzt "Ich hab die documenta wirklich als enorm bereichernd empfunden. Für mich war es ein großes Angebot, den globalen Süden sozusagen mit seinen Perspektiven kennenzulernen, mit vielen Kollektiven, die man so vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Natürlich kann man jetzt nicht alles für gut befinden, was zu sehen war, und bei vielen Kunstobjekten ist der Kunstbegriff sicher auch arg gedehnt worden, aber es war für mich sehr spannend und insofern wäre es schön, wenn man sich in den verbleibenden Tagen auf die Kunst und das, was sie uns zu bieten hat, konzentrieren könnte."

Dass Alexander Farenholtz das möglich machen kann, hält Tom Stromberg für wahrscheinlich. Zusammen habe man sich während der Expo gegen viele Widerstände durchgesetzt, Farenholtz sei nicht nur sturmerprobt: "Er ist ja jetzt auch schon fast 70 Jahre alt, ich weiß nicht, ob das im Alter nachlässt, aber ich halte ihn eigentlich für wetterfest."

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Plakat der documenta fifteen, im Hintergrund die schwarz bemalten Säulen des Fridericianums © picture alliance/dpa | Swen Pförtner

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 20.07.2022 | 06:20 Uhr

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