Stand: 11.01.2021 12:16 Uhr

Mit dem Smartphone auf digitaler Kunsttour durch die Stadt

von Agnes Bührig

Das Projekt "Offene Welten" wird vom Digital Fonds der Kulturstiftung des Bundes gefördert und in Hamburg und Hannover realisiert. Sein Untertitel lautet: "Digitale Parcours durch die Räume unserer Zeit".                             

Zwei Hände halten ein Smartphone © picture alliance / Westend61 Foto:  Josep Rovirosa
Das Smartphone wird zur Eintrittskarte in die dititale Kunstwelt.

Sie sind rot, säulenartig und ihre Einzelteile lassen sich drehen. Das Kunstwerk "Drehbare Schrauben" am Georgsplatz in Hannover lässt sich zwar schwer überwinden, sein Geräusch jedoch digital vermitteln. So könnte es Teil der App "interkit" werden, die im Rahmen des Projektes "Offene Welten" entwickelt wird. Eine digitale Karte soll den Weg zum Kunstwerk weisen, der Austausch darüber via Messenger-Dienst möglich sein, die Töne es erfahrbar machen, erläutert der Kurator und Game-Designer Sebastian Quack vom "interkit"-Team: "Es können O-Töne von Leuten sein, die da wohnen. Es können aber auch die Künstler selber sein oder eben auch eigens produzierte, fiktionale Audio-Elemente. Das wird dann mit der Karte verknüpft. Es ist ein bisschen so wie eine Art Schnitzeljagd-Entdeckungsparkour-Format." 

Gemeinschaftsprojekt entstand schon vor Corona

Den öffentlichen Kunstraum mit dem Ausstellungsraum zu verschränken, war das Ziel von "Offene Welten" - lange bevor die Corona-Pandemie Museen und Kunsthallen zum Schließen zwang. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit, in der sich das Museum für Gegenwartskunst Siegen und das Museum Marta Herford mit "Imagine The City Hamburg" und der Kestner Gesellschaft Hannover zusammengetan haben.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforschen die vier beteiligten Akteure so, was Kunst mit individueller Lebensrealität zu tun hat. In der Hafencity Hamburg etwa geschehe das aus dem Stadtraum heraus, in der Kestner Gesellschaft in diesen hinein, so Kunstvermittlerin Luise Wick aus Hannover. Man wolle gemeinsam herausfinden, wie man Beziehungen und Wege neu choreografieren kann. "Wir wollen es auch als Selbsterfahrung nutzen, um zu sehen: Wo befinden wir uns eigentlich innerhalb der Stadt, was ist unsere Adresse, wie werden wir wahrgenommen und wie nehmen wir auch unsere Umgebung wahr," erläutert Wick.

Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen

Dabei werden auch Elemente aus dem Gaming in die App einfließen, nicht zuletzt, um jüngere Menschen für die Kunst zu begeistern. Das passt zur ersten institutionellen Einzelausstellung der Videopionierin Ericka Beckman in Deutschland im Sommer in Hannover. Die US-Amerikanerin beschäftigt sich immer wieder mit gesellschaftlichen Strukturen und Systemen, die Leistung und Optimierung befördern sollen. Das wird sie hinterfragen, indem sie das kapitalistische Spiel "Monopoly" auf den Stadtraum projiziert.

Kreieren neuer Interaktionsformen

Die Befürchtung, dass durch die Digitalisierung die vertiefte Auseinandersetzung mit Kunst verloren gehen könnte, hält Kulturwissenschaftlerin Jennifer Aksu vom "interkit"-Team für falsch: "Es ist eine große Gefahr, die in dieser Digitalisierungsdiskussion liegt, gerade im Kunsthäuserkontext: Die Hoffnung, dass man neue Nutzergruppen erreicht, dadurch dass man sich digitalisiert - das ist etwas, das wir zur Diskussion stellen: Inwiefern es nicht eher ein Hilfsmittel sein kann, um noch einmal neue Interaktionsformen für Kunst präsentierende Institutionen herzustellen."

Zum Beispiel, indem man per virtuellem Boot über die Hafencity Hamburg schippert - mit play.botboot.de. So heißt die Fahrkarte des Vereins "Kunst und Kultur Hafencity Hamburg" für eine digitale Schiffsreise, die einen Vorgeschmack auf die Angebote des Projekts "Offene Welten" gibt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 11.01.2021 | 09:20 Uhr