Ein Blick in eine der Vitrinen bei der Ausstellug von Modeschmuck von Elsa Triolet in Nordenham. © NDR Foto: Jutta Przygoda

Nordenham: Ausstellung zeigt Schmuck von Elsa Triolet

Stand: 11.04.2022 09:06 Uhr

Es ist fast 100 Jahre alter Modeschmuck. Für die Pariser Haute-Couture Modehäuser wurde er von der Schriftstellerin Elsa Triolet entworfen und gefertigt. Nun ist er in Nordenham zu sehen.

von Jutta Przygoda

Sie funkeln und sie fallen auf. Die Colliers sind aus Glas, Metall oder Porzellan. Es gibt auch Halsketten aus Keramik oder aus gefärbtem Leder. Ihre Schöpferin, Elsa Triolet, war allerdings eigentlich Schriftstellerin. Sie wurde 1896 in Moskau geboren, studierte Architektur, heiratete einen Franzosen, ließ sich kurze Zeit später wieder scheiden und lebte ab 1928 im Pariser Bezirk Montparnasse in Künstler-Kreisen.

Museumsleiter Timothy Saunders (r.) mit Besuch aus Frankreich in der Schmuck-Ausstellung von Elsa Triolet in Nordenham. © NDR Foto: Jutta Przygoda
Museumsleiter Timothy Saunders (r.) – hier mit Besuch aus Frankreich – freut sich, den Schmuck von Elsa Triolet erstmals in Deutschland in einer Ausstellung zeigen zu können.

Um in Paris ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schuf sie diesen Modeschmuck, erzählt der Nordenhamer Museumsleiter Timothy Saunders: "Sie hat das aus Geldnot angefangen und großen Spaß dran gehabt. Sie hat sich ihr Leben lang auch für Mode interessiert." 56 Stücke umfasst die außergewöhnliche Schmuck-Kollektion, die jetzt aus der Partnerstadt Saint Ètienne-du-Rouvray nach Nordenham gekommen ist. Alles von Elsa Triolet von Hand gefertigt.

Schmuckstücke aus Saint Ètienne-du-Rouvray feiern die Weiblichkeit

"Man sieht in dieser Ausstellung, wie vielfältig sie gearbeitet hat," erklärt Saunders. "Sie hatte viele Einfälle und Ideen, was sie aus relativ einfachem Material zusammensetzen konnte, um wunderschöne Objekte zu machen - vor allem Colliers." Üppig, groß, gewagt und sinnlich feiern diese Schmuckstücke die Weiblichkeit.

Die Pariser Modehäuser reißen sich Ende der 20er-Jahre darum. Ihren Modeschmuck dort zu präsentieren und immer neue Stücke anzubieten, das überlässt Elsa Triolet ihrem Freund, Louis Aragon. Der Dichter zieht damals wie ein Handelsvertreter los. "Dafür brauchte er einen Koffer, und diesen Koffer haben wir hier in der Ausstellung," sagt Saunders.

Auf der Flucht vor den Nazis

Drei Jahre lang, von 1929 bis 1932, verkaufen die beiden erfolgreich Elsas Modeschmuck. Danach sind sie nicht mehr darauf angewiesen. Stattdessen schreibt Elsa Triolet nun über das, was sie in der Modewelt der Haute Couture in Paris erlebt hat: Die Ausbeutung kleiner Handwerker und Näherinnen, die für wenig Geld schuften. Ihre Sozialkritik fasst die Schriftstellerin in dem Buch "Colliers de Paris" zusammen, erklärt Museumsleiter Saunders: "Sie sah vor allem die sozialen Unterschiede."

1939 heiraten Elsa Triolet und Louis Aragon. Nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen flüchten sie von Paris aus in den Süden des Landes. Hier sind beide aktiv im Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft. Elsa Triolet verarbeitet das Erlebte wiederum in Geschichten für ein Buch. Dafür erhält sie 1945 als erste Frau den Prix-Goncourt, die höchste literarische Auszeichnung Frankreichs.

Zum ersten Mal in Deutschland zu sehen

Nach Kriegsende beteiligt sie sich an einer Initiative der kommunistischen Partei, um das Lesen innerhalb der Arbeiterklasse zu fördern. Volksbibliotheken entstehen, eine der ersten 1949 in Saint Ètienne-du-Rouvray in der Normandie. Hier hat die Schriftstellerin mit Raymonde Lefebvre eine enge Freundin und begeisterte Anhängerin für ihre Ideen der Volksbildung gefunden, erzählt Édouard Bénard, vom örtlichen Verein für Geschichte und Heimatkunde: "Elsa Triolet hat sich mit dieser Frau aus Saint Ètienne-du-Rouvray getroffen. Sie haben sich befreundet - daraus haben sie diese Bücherei gegründet."

Und auf diese Weise gelangt 20 Jahre später auch der von ihr entworfene Modeschmuck nach St. Etienne-du-Rourvray. Nach Elsas Tod 1970, vermacht ihn Louis Aragon der Bibliothek, die ihren Namen trägt. Dieser Schmuck wird nun zum ersten Mal in Deutschland gezeigt: im Museum Nordenham. Gefördert wurde die Ausstellung durch den deutsch-französischen Bürgerfonds.

Nordenham: Ausstellung zeigt Schmuck von Elsa Triolet

Fast 100 Jahre alter Schmuck von Elsa Triolet aus Saint Ètienne-du-Rouvray ist jetzt zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum Nordenham
Hansingstraße 18
26954  Nordenham
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 11.04.2022 | 14:40 Uhr

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