Selbstbildnis der Malerin Paula Moderohn-Becker © picture alliance / akg-images

Neuer frauenORT: Paula Modersohn-Becker in Worpswede

Stand: 26.03.2021 13:00 Uhr

Worpswede ist zum 43. FrauenOrt in Niedersachsen ernannt worden: Dort hat Paula Modersohn-Becker ein Zeichen für die Emanzipation gesetzt, als sie als eine der ersten ihren eigenen Weg ging.

von Maren Momsen

Dass die Künstlerin Paula Modersohn-Becker eine bahnbrechende innovative Malerin war, ist heute allgemein bekannt. Sie war aber auch eine besonders emanzipierte Frau. Und sie hat als Malerin einen Beruf ergriffen, mit dem sie - zumindest zu Lebzeiten - keine Familie ernähren konnte. Das wurde zu ihrer Zeit, vor 120 Jahren, aber von einer Frau erwartet.

Weitere Informationen
Ausschnitt aus einem Selbstbildnis von Paula Modersohn-Becker (1897). © picture-alliance / P.Modersohn-Becker Mus. Bremen

Ausnahmekünstlerin Paula Modersohn-Becker

"Wie schade." - Mit diesen Worten starb 1907 die erst 31-jährige expressionistische Malerin in Worpswede bei Bremen. Wie bedeutend ihr Werk war, konnte zu der Zeit noch kaum jemand verstehen. mehr

Modersohn-Becker: "Ich kann die Zeit nicht abwarten, bis ich was kann!"

Es sei an der Zeit, nicht auf die revolutionäre Malerin Paula Modersohn-Becker einen weiteren Blick zu werfen, sondern auch auf die extrem fortschrittliche Frau, sagt Ursula Thümler vom Landesfrauenrat, der die frauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen hat. Die Künstlerin habe sich immer wieder über alle Konventionen hinweggesetzt. Sie habe auch gesagt: "Ich kann die Zeit nicht abwarten, bis ich was kann!" und sei immer ihren eigenen Weg gegangen. Deshalb ist nun Worpswede, der Schaffens- und Lebensort der Künstlerin, zum 43. frauenORT in Niedersachsen ernannt worden. Am 1. Mai soll er offiziell eröffnet werden.

Modersohn-Becker bedeutendste Künstlerin für Worpswede

Aber nicht nur für ihre Zeit war Paula Modersohn-Becker herausragend. Die Worpsweder Gleichstellungsbeauftragte Heike Grotheer erläutert: "Zum einen ist Paula eine national und international anerkannte Künstler-Persönlichkeit, hat Strahlkraft nach außen. Für Worpswede ist sie die bedeutendste Künstlerin. Dadurch, dass sie eine willensstarke, emanzipierte, mutige Künstlerin war, hat sie natürlich Vorbildcharakter auch für die heutige Generation für Frauen, für Künstlerinnen."

Museum am Modersohn-Haus zeigt das Leben der Künstlerin

Deshalb weist nun nicht nur eine Plakette außen am Museum am Modersohn-Haus auf Modersohn-Becker hin. Drinnen widmet sich eine neue Ausstellung der Künstlerin in ihrer Zeit die sich als Frau ganz anderen bohrenden Fragen stellen musste als ihre männlichen Maler-Kollegen. "Wie hat sie gelebt? Was ist eigentlich in ihr vorgegangen? In welchem Spannungsverhältnis hat sie gestanden - während der Ehe? Vor der Ehe? Mit welchen Schwierigkeiten hat sie zu kämpfen gehabt? Wie ist sie damit umgegangen?", das seien zentrale Themen der Ausstellung, so die Worpsweder Kunsthistorikerin Cornelia Hagenah.

Sonderausstellung "Paula in Worpswede - Ein Frauenleben um 1900"

Natürlich sei alles nur schlaglichtartig erfasst, sagt Hagenah. "Aber wir wollten die gesellschaftliche Situation, in der Paula damals gelebt hat, zeigen - uns auch darauf fokussieren. Dementsprechend ist die Sonderausstellung mit vielen Zitaten, mit vielen Männerstimmen, Frauenstimmen und eben auch Bezügen auf die Gleichberechtigung der Frauen, die wir hier als kleine Stolpersteine darstellen."

Wegen der neuen Würdigung Paula Modersohn-Beckers zeigt das Museum am Modersohn-Haus in Worpswede jetzt eine Ausstellung mit kleinen unbekannteren Werken der Malerin und ihrer Zeitgenossinnen, Utensilien, die damals um 1900 den häuslichen Alltag bestimmten und natürlich weiterhin das ehemalige Worpsweder Wohnhaus der Familie Modersohn. sagt Museumsleiterin Sigrun Kaufmann: "Das Wohnhaus ist ja oben da. Das bleibt ja unangetastet. Es kann jeder nach oben in das Wohnhaus gehen. Unten wird eben noch ein bisschen weiter ausgeholt, die sogenannte zweite Generation um Paula herum vorgestellt."

Flyer der Tourist-Info Worpswede führt auf Paulas Spuren

Wer sich lieber außerhalb vom Museum auf Spurensuche begeben möchte, der kann sich bei der Tourist-Info Worpswede auch den neuen Flyer "Auf Paulas Spuren in Worpswede" besorgen und mithilfe der kleinen Karte darin ihren Weg von Lebensstation zu Lebensstation nachverfolgen - vom Museum direkt zu dem Armenhaus, in dem Paula so viele ihrer Modelle fand, und weiter zum Brünjeshof, in dem die Künstlerin einst ein Atelier mietete.

Weiter über den Barkenhoff - dem Treffpunkt der Künstlergemeinschaft um 1900 mit unter anderem Heinrich Vogeler, Otto Modersohn und Clara Westhoff - bis hin zur Zionskirche, in der Paula als Strafe für ungebührliches Glockengeläut die Empore verschönern musste, und weiter zu ihrem nahegelegenen Grab auf dem Friedhof. So gesehen wird bei dieser Spurensuche ganz Worpswede zu einem frauenORT Paula Modersohn-Becker.

Weitere Infos und den Flyer zum neuen frauenORT Worpswede und Paula Modersohn-Becker gibt es auf der Homepage der Worpswede Touristik oder telefonisch unter (04792) 935820.

Die Sonderausstellung im Modersohn-Haus ist ab 27. März 2021 zu sehen. Für den Besuch können Sie vorab ein Zeitfenster buchen (alternativ über: info@museum-modersohn.de).

Ergänzend zur Ausstellung im Museum am Modersohn-Haus gibt es rund um das Alte Rathaus eine Outdoor-Präsentation (27. März bis 31. Oktober 2021) und ab Mai in der kommunalen Galerie Altes Rathaus die Ausstellung "Kunst und Frauenleben heute", die Worpsweder Künstlerinnen der Gegenwart präsentiert.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 26.03.2021 | 07:40 Uhr