Stand: 22.05.2020 11:02 Uhr  - NDR Kultur

Künstliche Intelligenz mischt Kulturbetrieb auf

von Miriam Stolzenwald

Künstliche Intelligenz und Kunst beziehungsweise Kultur haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Das LINK-Programm der Stiftung Niedersachsen und der Volkswagenstiftung soll dies ändern und die Bereiche näher zusammenbringen. Gerade ist der zweite Lernzyklus, die KI-Schule, zu Ende gegangen und die Teilnehmer haben ihre Projekte vorgestellt.

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Christian Fuchs hat eine Drohne so programmiert, dass sie auf seine Gesangsstimme reagiert. Je höher er singt, desto höher fliegt die Drohne

Je höher Christian Fuchs singt, desto höher fliegt die kleine Drohne über ihm im Raum. Das hat er selbst so programmiert. Seine Idee: Digitale Möglichkeiten spielerisch in den Theaterbetrieb zu integrieren und damit das Publikum zu überraschen: "Ich bin Opernregisseur und hoffe, dass es einmal eine Drohne oder einen Roboter geben wird, der sich, während die Diva ihre große Koloratur-Arie singt, parallel zu dem musikalischen Ereignis im Raum bewegt. Das wäre meine Schlussidee. Mit der KI-Schule bin ich einen ganz schönen Schritt weitergekommen."

Einsatz künstlicher Intelligenz im Kulturbereich ermöglichen

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Tabea Golgath von der Stiftung Niedersachen betreut das LINK-Programm als Projektleiterin.

Die KI-Schule ist Teil des LINK-Programms, das die Stiftung Niedersachsen und die Volkswagen Stiftung vor zwei Jahren ins Leben gerufen haben. Nach einer großen Auftakt-Tagung vor einem Jahr ist nun die zweite Etappe, die KI-Schule, zu Ende gegangen. Ein halbes Jahr lang haben sich 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops unter professioneller Programmier-Anleitung mit eigenen Projekten zu künstlicher Intelligenz in Kunst und Kultur befasst. Tabea Golgath von der Stiftung Niedersachsen ist die Projektleiterin und erklärt die Idee hinter dem Programm: "Wir haben gemerkt, dass es in der Kulturszene sowohl in Niedersachsen als auch bundesweit noch nicht allzu viel Vorwissen zu künstlicher Intelligenz und zur Programmierung von beispielsweise neuronalen Netzen gibt. Mit dem LINK-Programm wollen wir Kulturschaffende in die Lage versetzen, künstliche Intelligenz anzuwenden und eigene Programmierungen vorzunehmen."

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So sieht das algorithmisch entstandene Selbstbildnis des Lichtbildhauers Franz Betz aus.

Der Lichtbildhauer Franz Betz aus Hannover hat ebenfalls an der KI-Schule teilgenommen. Er gestaltet Licht, arbeitet unter anderem mit Projektionen. Innerhalb der KI-Schule hat er sich mit einem Projekt beschäftigt, für das viele Menschen Porträts als One-Liner gezeichnet haben: "Man setzt irgendwo an - beim Auge, beim Ohr - und versucht dann, das Gesicht in einer Linie fertig zu zeichnen. Diese One-Liner habe ich digitalisiert und in einem sogenannten GAN, einem neuronales Netzwerk, das aus zwei einzelnen Netzwerken besteht, trainieren lassen." Die künstliche Intelligenz, also das System, das Franz Betz trainiert hat, konnte am Ende eigene Gesichter entwerfen. Diese wurden dann auf einem Flip-Dot-Display angezeigt. Flip-Dots sind Displays mit Plättchen, die entweder Gelb oder Schwarz anzeigen, wie etwa bei Flughafen- oder U-Bahn-Anzeigen.

Bewerbungsphase für LINK-Masters hat begonnen

Das Interesse an der KI-Schule des LINK-Programms ist groß. Gerade hat die Bewerbungsphase für die dritte Etappe, die LINK-Masters, begonnen. Bis zu 150.000 Euro Förderung können einzelne Bewerber und Teams für ihre Projekte im Bereich KI und Kultur erhalten. "Wir brauchen Menschen aus der Informatik, aus dem Bereich Data-Science, aus dem maschinellen Lernen und Kulturschaffende aus dem Theater, aus der Musik, der Kunst, dem Tanz, weil wir genau dazwischen Teams anregen wollen", so Projektleiterin Tabea Golgath.

Aus ganz Europa können sich Menschen bewerben. Wichtig sei vor allem, dass die Bewerber mutig und interessiert sind und Lust auf interdisziplinäre Projekte haben. Das LINK-Masters-Programm beginnt mit einem ersten Workshop im November.

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NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.05.2020 | 08:00 Uhr

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