Stand: 10.09.2020 14:15 Uhr

Jim Dine gestaltet Pavillon in Göttingen

von Irene zu Dohna

Der bekannte US-Künstler Jim Dine lebt in New York, Paris und seit 17 Jahren hin und wieder auch im südniedersächsischen Göttingen. Dort arbeitet das 85-jährige Multitalent - Dine ist Maler, Grafiker, Bildhauer und Dichter in einem - gerade an seinem aktuellen Kunstwerk: dem Jim Dine-Pavillon. Ein Gesamtkunstwerk, welches im Zusammenhang mit dem neuen Kunsthaus entsteht.

Jim Dine arbeitet an seinem Kunstwerk, dem Jime Dine-Pavillon im Garten des Kunsthauses Göttingen © NDR Foto: Irene zu Dohna
"Jim Dine - Poet Singing. The Flowering Sheets" ist der Titel des Projekts, für das der Jim Dine-Pavillon entsteht. Eröffnen soll er Anfang Februar.

In der historischen Innenstadt von Göttingen wächst das Kunsthaus zusehends. Dahinter, im Innenhof des viergeschossigen Gebäudes, geht es etwas ruhiger zu. In einem von außen eher unauffälligem Pavillon arbeitet der Künstler Jim Dine an einem übermannshohen Kopf aus Gips. Es ist das Abbild seiner selbst.

Das aktuelle Kunst-Projekt heißt "Jim Dine - Poet Singing. The Flowering Sheets" und ist eine Skulpturen-Gruppe mit Handzeichnungen an den Wänden. 2008 hat er ein ähnliches Kunstprojekt in Malibu (Kalifornien) in der Getty-Villa installiert, sowie in Rom, Basel und in Walla Walla (Washington). Aber jedes Mal sei es ein wenig anders, meint der Künstler.

Dine und Steidl - "zwei gute Handwerker"

Das Kunsthaus, eine Galerie im künftigen Kunstquartier, liegt gleich neben dem Steidl-Verlag. Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl und der Künstler Jim Dine kennen sich bereits seit 25 Jahren. Über die professionelle, künstlerische Zusammenarbeit hinaus, habe sich inzwischen eine Freundschaft entwickelt, so Dine. Der Verleger gestaltet Dines Kunst-Bücher und Drucke und betreut weltweit Ausstellungen. Bereits damals, 2008 in der Getty-Villa, arbeitete Gerhard Steidl mit Jim Dines zusammen. Und auch an anderen Ausstellungsorten arbeiteten die beiden schon zusammen. "Hier ist jetzt die finale Installation. Man nennt dieses Kunstwerk eine 'site-specific installation'. Das Kunstwerk ist mit einem Gebäude verbunden. Es ist ein Holzpavillon, wie eine kleine Kapelle, die hier im Garten des Kunsthauses Göttingen steht", erklärt der Verleger.

Der Gründungsdirektor des Kunsthauses Göttingen Gerhard Steidl. © Stadt Göttingen
Der Gründungsdirektor des Kunsthauses Göttingen Gerhard Steidl hat schon mehrfach mit Jim Dine zusammengearbeitet.

Die langjährige Zusammenarbeit mit Jim Dine beschreibt Steidl so: "Ich glaube, wir sind ganz gute Handwerker zusammen. Da ergänzen wir uns. Wenn wir Bücher machen, geht es ja auch um Materialien: Papier, Farbe, Pappen für den Einband. Er versteht von allem etwas und weiß es zu handhaben. Es macht Spaß, wenn man einem solchen Künstler auf Augenhöhe begegnet."

Terrakotta-Skulptur inspirierte Jim Dine

Auf Paletten stehen - noch in schwarze Folie verpackt - vier massige Frauenskulpturen. Sie sind gefertigt aus 400 Jahre alten Rot-Eichen-Stämmen und werden später ausgepackt und platziert. Zusammen mit seinem Team hat Jim Dine bereits die grauen Wände des Pavillons mit Kreide und Kohle beschrieben. "The Walker resurfaces to gain the hammer of return", steht dort zum Beispiel geschrieben. Worte, die man kaum ins Deutsche übersetzen kann.

Jim Dine arbeitet an seinem Kunstwerk, dem Jime Dine-Pavillon im Garten des Kunsthauses Göttingen © NDR Foto: Irene zu Dohna
Jim Dines Kunst ist autobiografisch gefärbt - so auch die Gedichte an den Wänden des Pavillons und. natürlich, die riesenhafte Skulptur seines Kopfes.

Dine dazu: "Die Inhalte meiner Gedichte - wie eigentlich alle meine Kunstwerke - sind autobiographisch gefärbt. Dieses Gedicht ist eine Collage vieler, vieler marginaler Gedanken und meines Unterbewusstseins. Diese Gedanken habe ich in der amerikanischen Sprache aufgeschnitten. Das könnte für den deutschen Besucher möglicherweise nicht leicht zu verstehen sein. Aber wer weiß: Vielleicht sprechen die Deutschen mein Englisch?"

Inspiriert zu den Versen habe ihn außerdem eine Terrakotta-Skulptur, die er vor Jahren in Los Angelos gesehen hatte. Es sei eine griechische Skulptur gewesen, die in Italien gefunden wurde. Sie zeigte einen Mann mit einem antiken Musikinstrument, einer Lyra. "Dieser Mann besang die Orphiker, eine religiöse Strömung der Antike", erinnert Dine sich. "Hinter ihm standen zwei Sirenen. Das hat mich als Dichter sehr inspiriert und ich fing an über diesen Mann nachzudenken, der Gedichte vorgesungen hat." Bald soll das Gesamtkunstwerk auch Besucher animieren über Poesie nachzudenken. Anfang Februar sollen das Kunsthaus und der Jim Dine-Pavillon offiziell eröffnet werden.

Weitere Informationen
Der Verleger Gerhard Steidl hält Modedrucke in den Händen. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Rampfel

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 10.09.2020 | 18:00 Uhr

Region

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