Stand: 24.05.2018 09:08 Uhr

"In Your Face": Fotografie-Ausstellung in Hannover

von Agnes Bührig

Dank Smartphone und Digitalisierung wächst der Berg der Bilder und Videos täglich weltweit. Was also bleibt zu tun für professionelle Fotografen, für Künstler und Dokumentaristen, die fotografieren? Fragen, auf die die Ausstellung "In Your Face - Scope 2018" in Hannover Antworten gibt. Sie präsentiert neun künstlerische Positionen gegenwärtiger Fotografie aus verschiedenen Ländern an sechs Orten. Darunter die städtische Galerie Kubus, das Sprengel Museum und die Scope Galerie.

Kehrseite des amerikanischen Traums

Eine Straßenszene, nachts, irgendwo in Amerika: Vor einer Hauswand schlagen sich zwei Frauen. Schemenhaft nur sind ihre Körper zu sehen. Auch das nächste Bild ist dunkel und unscharf: eine Pistole gerichtet auf ein imaginäres Ziel in der Ferne. "N/A" hat der US-Amerikaner Doug Rickard seinen Videofilm genannt.

Vermeintliche Wasserleichen, geplatzte Träume

Zusammengeschnitten hat der Fotograf seinen Film aus Internet-Bildern, unterlegt mit einer verfremdeten Version der amerikanischen Nationalhymne. "Er verdichtet diese Szenen zu einem fast apokalyptischen Bild und zeigt die Kehrseite des amerikanischen Traums. Zeigt uns aber auch, dass diese Verdichtung und auch Stereotype nicht richtig sind, dass wir uns mit diesen Bildern auseinandersetzen müssen", erzählt Sophia Greiff vom Kuratorenteam der Ausstellung.

Eindringliche Botschaft

Sophia Greiff promoviert zurzeit an der Hochschule Hannover im Bereich Fotojournalismus. Zusammen mit Galerist Ricus Aschemann und Fotografie-Kurator Maik Schlüter betreut sie die Ausstellung. "In Your Face" haben sie als Titel gewählt, weil es auf Deutsch "direkt", "eindringlich" bedeutet. So, wie die Arbeiten der Ausstellung sind: Sie sprechen den Betrachter an, irritieren und machen neugierig auf das, was dahinter liegt: "Wir leben heute in einer medial geprägten Welt, in der uns Bilder zu jeder Zeit umgeben und an allen Orten erreichen. Wir verbringen fast mehr Zeit damit, auf unsere Screens zu gucken, als uns mit der Umgebung auseinanderzusetzen. Uns war wichtig, sich mit diesen neu entstandenen Bildwelten auseinanderzusetzen und zu zeigen, dass Bilder uns trotzdem noch bewegen können", erklärt Greiff.

Versenktes Bild im Kanal - Passant wählt Notruf

Diese Erfahrung machte das schwedische Fotografenteam Nils Petter Löfstedt und Erik Vestman bereits in seiner Heimatstadt Malmö. Nachdem sie ein Bild von einer Frau im weißen Kleid in einem Kanal knapp unter der Oberfläche im Wasser versenkt hatten, rief ein Passant den Krankenwagen, um die vermeintliche Wasserleiche zu bergen. Jetzt werden die beiden das Projekt in Hannover vor dem Neuen Rathaus wiederholen: "Am Anfang ging es uns darum, an diesem ungewöhnlichen Ort unter Wasser zu arbeiten. Wasser brauchen wir zum Überleben, wir schwimmen die ersten neun Monate unseres Lebens darin, wir trinken es. Gleichzeitig ist es gefährlich und gruselig - und mit einer Reihe von Mythen verbunden. Wir hatten das Gefühl, damit überraschen zu können", sagt Erik Vestman.

Damit zeigt sich einmal mehr, dass Fotografien auch in Zeiten medialer Bilderflut unerwartet wirken können - und dazu anregen, über gesellschaftlich relevante Themen wie Selbstinszenierung, Voyeurismus oder Technologisierung der Gesellschaft visuell nachzudenken.

"In Your Face": Fotografie-Ausstellung in Hannover

Fotografien können auch in Zeiten medialer Bilderflut unerwartet wirken: Die Ausstellung "In Your Face" zeigt an sechs Standorten in Hannover zeitgenössische Fotografie von neun Künstlern.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Städtische Galerie Kubus
Theodor-Lessing-Platz 2
30159  Hannover
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 11 bis 18 Uhr, Sonnabend, Sonntag, feiertags: 11 bis 16 Uhr, Montag geschlossen
Hinweis:
Das Ausstellungsprojekt läuft an sechs Standorten in Hannover, mehr dazu hier
www.scope-hannover.com/austellungsorte/
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 24.05.2018 | 11:20 Uhr

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