Stand: 24.06.2020 14:02 Uhr  - NDR Kultur

Hannover: Die "SpeakUpBox" sammelt Meinungsvielfalt

von Agnes Bührig

Die sozialen Medien ermöglichen Kontakt trotz Kontaktbeschränkungen, doch oft bewegt man sich dabei nur in seinen eigenen Kreisen. Das will das Teilhabe-Projekt "SpeakUpBox" der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft "Unter einem Dach" und weiteren gesellschaftlichen Initiativen in Hannover ändern. Mit einem kleinen, mobilen Videostudio wird es einmal die Woche Raum für Meinungen aller Couleur zu Themen wie Demokratie, Kultur und Klimaschutz bieten.

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Letzte Vorbereitungen für den Start der "SpeakUpBox": Anne Weirauch streicht das mobile Videostudio.

"Ich kann nicht die Riesenfläche mit dem Pinsel streichen ...", Anne Weirauch - blaue Latzhose, einen Pinsel in der Hand - steht vor einer Sprecherbox auf einem Anhänger und bereitet den Anstrich der Rückseite vor. Von weitem erinnert die Konstruktion ein wenig an ein Vogelhäuschen. Platz bieten soll sie einer Kamera und allen, die ihren Kommentar zu gesellschaftspolitischen Themen abgeben wollen.

Morgen geht es um die Flüchtlingspolitik, die man aus sehr vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann, sagt die 21-Jährige Studentin: "Ich erhoffe mir ganz, ganz doll, dass ganz viele Menschen daran teilnehmen und wir uns ganz viele verschiedene Meinungen einholen können. Und ein Hintergedanke war auch, einfach verschiedene Stadtteile zu befahren - mit verschiedenen sozialen Schichten, mit verschiedenen Leuten - und da auch noch mal zu hören, ob es da Unterschiede gibt, oder ob sich eigentlich alle im Kern total einig sind."

Mehrere Initiativen tragen das Teilhabe-Projekt "SpeakUpBox"

Bis Mitte August wird der Anhänger mit der Sprecherbox jede Woche an einem anderen Platz in Hannover stehen. Mit dabei sind so unterschiedliche Akteure wie der Flüchtlingsrat und Amnesty International, aber auch das MusikZentrum und die Staatsoper Hannover. Gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, wird das Projekt von vielen Initiativen getragen, denen Teilhabe und Vielfältigkeit in der Gesellschaft am Herzen liegen.

Das spiegelt sich auch an den Themen der "SpeakUpBox", sagt die 26-Jährige Shino Maier, zum Beispiel: "Wem gehört die Stadt? Und wie lebt man in der Stadt, je nach Einkommen, also diese Arm-reich-Frage. Und dann auch mal zu überlegen: So große städtische Institutionen wie die Oper, wie das Theater, die dann vielleicht doch nur einen bestimmten Teil der Bevölkerung abbilden und erreichen, ob man da nicht umdenken müsste. Also ich glaube, da geht es ganz stark darum: Für wen ist Kultur in der Stadt da und was für ein Kulturangebot müsste man eigentlich bilden, damit jeder und jede mitgenommen wird?"

Die Ziele sind Meinungsvielfalt und Dialog

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Die "SpeakUpBox" wird jede Woche an einem anderen Platz in Hannover aufgestellt und bietet einen Raum zur Meinungsäußerung und zum Dialog.

Im Inneren der "SpeakUpBox", die gerade einen pfirsichfarbenen Anstrich erhält, wird eine Videokamera stehen. Drei Minuten und 36 Sekunden erhält jeder und jede, die etwas sagen will. Voraussetzung ist, dass man seinen Vornamen nennt und damit einverstanden ist, dass die eigene Meinung in den sozialen Medien anderen Ansichten zum Thema gegenübergestellt wird.

Veröffentlicht wird aber nur, wer sich an gewisse Regeln hält, sagt Pia Zapke von der Initiative "Ende Gelände", die sich für den Klimaschutz einsetzt: "Wir wollen natürlich diverse Statements haben. Das finde ich auch sehr spannend, das gegenüberzustellen, wenn Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Auch Meinungen, die ein bisschen in eine radikalere Richtung gehen, weil Menschen auch Unterschiedliches erleben. Allerdings, sobald es über diesen Bereich hinausgeht, sobald es diskriminierend wird oder unterdrückend oder was auch immer, dann werden wir das natürlich nicht dulden."

Wichtige Themen für die gesellschaftliche Entwicklung

Auf diese Weise wollen die Macherinnen der "SpeakUpBox" den Austausch über Themen anregen, die für die gesellschaftliche Entwicklung wichtig sind und in Zeiten der Pandemie zuletzt hintanstehen mussten. Besonders richten sie sich dabei auch an Jugendliche, die sie mit der SprechBox mit Internetanschluss herauskitzeln wollen, sagt Anne Weirauch: "Und dann im besten Falle wirklich den politischen Diskurs herstellen, indem wir, wenn in den Statements zum Beispiel auch Fragen vorkommen, diese an Politikerinnen und Politiker weiterleiten und man es am Ende vielleicht sogar in Form eines Kongresses machen kann, wo diese Fragen aufgegriffen werden. Und man schaut, wie kann sich die Stadt weiterentwickeln, wie kann sich die Kulturszene entwickeln. Was sind dann die Wünsche der jungen Menschen, die hier in der Stadt leben oder insgesamt der Stadtgesellschaft."

Bürger- und Bürgerinnen-Dialog in Zeiten von Covid-19: Das Projekt "SpeakUpBox" startet am 25. Juni ab 16 Uhr in Hannover zum Thema Migration und Flucht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 25.06.2020 | 11:20 Uhr

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