Stand: 25.05.2018 12:01 Uhr

Augusteum zeigt "Exotische Pflanzen"

von Gerhard Snitjer

Zwei expressionistische Maler haben sich im vergangenen Jahrhundert in Norddeutschland intensiv mit der Darstellung exotischer Pflanzen beschäftigt: Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff. Nun bringt das Augusteum, als Teil des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, die beiden Künstler wieder zusammen. Die Ausstellung "Exotische Pflanzen" ist vom 26. Mai bis 19. August geöffnet.

Werke von Nolde und Schmidt-Rottluff

Einen Sommer lang waren Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff freundschaftlich verbunden: 1906 besuchte der junge Schmidt-Rottluff den fast zwei Jahrzehnte älteren Emil Nolde in dessen Haus auf der Ostseeinsel Alsen. Gemeinsam malten sie die Bauerngärten der Umgebung. Beide wurden dabei von den Werken eines Malers beeinflusst, den sie zuvor in Dresden bewundert hatten. "In den Bildern von dort sieht man den Einfluss von van Gogh", meint Kuratorin Anna Heinze. "Manchmal lassen sich die Gemälde von Nolde und Schmidt-Rottluff kaum unterscheiden."

Farbintensive Bilder

Für kurze Zeit war Nolde auch Mitglied der Künstlergruppe "Brücke", die Schmidt-Rottluff mitgegründet hatte. "Die beiden haben sich sehr gut verstanden", sagt Heinze. Aber Nolde blieb nur kurz in der Vereinigung. Er hatte es nicht so mit der Zugehörigkeit zu Gruppen.

Auch die Malerei der beiden Männer enwickelte sich später in deutlich unterschiedliche Richtungen: Spontan hingeworfene, leuchtende Farbverläufe bei Nolde, klare, planmäßige Konturen bei Schmidt-Rottluff.

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Die intensive Farbigkeit und die gegenständliche Malweise behielten sie allerdings beide bei. In den rund 60 Aquarellen und einigen Gemälden, ist eine strahlende Farbenpracht zu bewundern. Flammendes Rot und sattes Violett, knalliges Gelb, sanftes Blau, und immer wieder alle Schattierungen von Grün.

Der impulsive Hitzkopf

Emil Nolde hat über seine Kindheit erzählt, dass die Blumen im elterlichen Garten ihn zum Maler werden ließen. Viele Jahrzehnte später berichtete seine zweite Ehefrau Jolanthe, wie unbekümmert und geradezu risikofreudig er mit durchweichtem Japan-Papier und tropfnassen Pinseln umging.

"Oft verdirbt ihm ein fallender Tropfen ein schönes Bild, dann muss er so tun, als gehöre dieser Klecks dahin, oder er muss das Bild ändern. Oder er muss es wegwerfen - wir sehen ja heute nur noch die Bilder, die er für würdig hielt" Jolanthe Nolde

An dieser Arbeitsweise des späten Nolde war nichts Altmeisterliches mehr, keine völlige Detailkontrolle.

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"Zeitweise malten seine Arbeiten sich ganz von allein weiter, auch wenn er den Pinsel aus der Hand legte. Farben fließen, Grenzen wachsen, Materie macht sich selbstständig, und doch glückt ihm das Bild. Es fließt ihm aus der Hand, einschließlich aller Veränderungen, die ohne sein Zutun geschehen." Jolanthe Nolde

Der akribische Arbeiter

Anders dagegen sind die Arbeiten von Karl Schmidt-Rottluff. Zwar war er ein ebenso genussvoller Farbvirtuose wie Nolde, aber er arbeitete weniger impulsiv. Ihn interessierte die Architektur einer Pflanze und er begrenzte alle Stängel, Blätter und Blüten mit schwarzen Pinselstrichen.

Die Ausstellung zeigt auch, dass er diese Malweise sein Leben lang bis in die 1970er-Jahre pflegte. Angesichts all der neuen Einflüsse, denen er sich offenbar konsequent entzog, ein bemerkenswertes Merkmal. "Die Pop-Art, die zu der Zeit en vogue war, der Fotorealismus, das hat es ja alles gegeben. Schmidt-Rottluf blendet das aus und lässt sich nicht beirren", erklärt Heinze.

Ist das Stärke oder Unbeweglichkeit? Vielleicht ist solch eine Frage an dieser Stelle gar nicht so wichtig. Überhaupt muss diese Ausstellung nicht unbedingt mit dem Verstand analysiert, sondern lieber mit genussfreudigem Blick bestaunt werden. "Die Augen kommen allerdings auf ihre Kosten", sagt Museumsleiter Rainer Stamm.

Augusteum zeigt "Exotische Pflanzen"

Die Ausstellung "Exotische Pflanzen" im Augusteum in Oldenburg zeigt vom 26. Mai bis 19. August Werke von Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff.

Datum:
Ende:
Ort:
Augusteum
Elisabethstraße 1
26135  Oldenburg
Telefon:
(0441) 220 73 00
Preis:
9 Euro, ermäßigt 6 Euro
Hinweis:
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 - 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 26.05.2018 | 13:20 Uhr

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