Schwarzweißfoto eines Gebäudes mit einem davorstehenden Auto © Peter und Romi Gauditz

Doppel-Fotoausstellung im Sprengel Museum Hannover

Stand: 19.07.2022 16:16 Uhr

Das Sprengel Museum in Hannover zeigt in einer Doppel-Ausstellung Fotografien aus der Gründungszeit der spectrum Photogalerie sowie die Gewinnerfotografien des Vonovia Awards für Fotografie.

Eine Gruppe Frauen und Männer vor Fotowänden © ©Joachim Giesel, Hannover
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von Svenja Estner

Wer durchs Sprengel Museum in Hannover flaniert, findet neben den Werken großer Künstler und Künstlerinnen auch Kunstfotografien. Das war nicht immer so. Eine besondere Rolle spielt dabei die spectrum Photogalerie. Bilder aus ihrer Geschichte seit der Gründung vor 50 Jahren zeigt das Museum nun in der Ausstellung "Vom Beginnen".

Nationalsozialismus schränkte die Fotografie massiv ein

Ein weißer Raum, in der Mitte eine Wand, an der viele Namen stehen. Das sind die Künstler, die von der Gründung 1972 bis 1991 in der Spectrum Photogalerie ausgestellt haben. "Wir gehen heute so selbstverständlich auch in Museen mit Fotografien um. Es ist uns eigentlich selten klar, was dieser Einschnitt dieser kulturelle Einschnitt und dieser politische Einschnitt 1933 auch für die Fotografie bedeutet hat die Machtergreifung Hitlers", erläutert die Kuratorin der Ausstellung, Inka Schuba.

Schuba deutet auf eine Serie aus Schwarz-Weiß-Fotografien: Ein Mann mit runder Sonnenbrille schaut abgeklärt in die Kamera, auf einem anderen Bild stecken zwei Beine in Pantoffeln mit Federbesatz - Arbeiten von Umbo, der zur Avantgarde der 20er-Jahre gehörte. Nachdem Hitler an die Macht kam, galten Umbos Werke als entartet. 40 Jahre nach Kriegsende hat ihm die Spectrum Photogalerie seine erste Einzelausstellung eingerichtet.

Fotograf Heinrich Riebesehl hatte Idee zur spectrum Photogalerie

Die Idee zu der spectrum Photogalerie hatte der Fotograf Heinrich Riebesehl 1971, erinnert sich Gründungsmitglied Joachim Giesel: "Im Grunde haben sich da sieben, acht Leute gemeldet. Dann bekamen wir Zuschüsse und hatten diesen Raum, der dem U-Bahn-Bauamt gehörte, für eine Mark jährlich als Miete. Es war dann unsere Verpflichtung, verschiedene Ausstellungen zu machen. Aber nicht unsere eigenen Bilder." Sondern die anderer Fotografinnen und Fotografen.

Nüchterne Schwarz-Weiß-Aufnahmen amerikanischer Industrieanlagen von Bernd und Hilla Becher. Daneben stechen die vier Farbaufnahmen von Gebäuden des Fotografen William Eggleston hervor. Das bunte Farbenspiel wird eingetrübt durch die düsteren Bilder der Komposition "Waffenruhe" des Berliner Fotografen Michael Schmidt. Auf seinen Schwarz-Weiß-Fotos sind feiernde Jugendliche im ehemaligen West-Berlin, aber auch die beschmierte Berliner Mauer zu sehen. 

Fotografie war noch nicht überall als Kunstform anerkannt

So war den Fotografen um Riebensehl also der erste große Schritt zu einer eigenen Galerie gelungen. Als nächstes wollten sie Ausstellungsflächen im damals neugebauten Sprengel Museum in Hannover haben, erzählt spectrum-Mitglied Giesel: "Der erste Direktor dieses Museums, Doktor Büchner, der hat mal gesagt, als wir ihn nach einer Abteilung gefragt hatten, wo man Fotografie zeigen kann: Fotografie ist doch keine Kunst, ich fotografiere doch auch, das ist doch keine Kunst."

Zu dieser Zeit ergab eine Umfrage, dass Hannover bei seinen Einwohnern sehr unbeliebt war. Daraufhin tagte der Stadtrat und der damalige Oberstadtdirektor erinnerte sich an die spectrum Photogalerie.  So kam die Galerie zu ihren Ausstellungsflächen im Sprengel Museum. Nach 19 Jahren und vielen Ausstellungen löst sich die Galerie dann auf.

Vonovia Award für Fotografie zum Thema "Zuhause"

In den Räumen, die Besucher und Besucherinnen auf dem Weg zur Ausstellung der spectrum Photogalerie durchqueren, hängen die Bilder des Vonovia Award für Fotografie. Die Wohnungsbaugesellschaft veranstaltet seit fünf Jahren einen Fotowettbewerb, jedes Mal lautet das Motto "Zuhause". Da im letzten Jahr wegen Corona nicht ausgestellt werden konnte, wurde dies jetzt nachgeholt.

Julia Autz fotografierte junge, queere Menschen in Belarus

Der Direktor des Sprengel Museums, Reinhard Spieler, war selbst Jurymitglied und zeigt die Werke der Siegerin Julia Autz - sie hat junge, queere Menschen in Belarus fotografiert: "Sie hat diese jungen Menschen in Situationen fotografiert, wo sie innehalten, ganz in sich selbst versunken sind und versuchen, die Lebensvision vielleicht für sich im Inneren zu bewahren, einen inneren Schutzraum zu schaffen gegenüber äußeren Umständen, gegen die sie eigentlich nicht ankommen."

Die beste Nachwuchsarbeit stammt von Sarah Grete. Sie hat den Bauernhof, auf dem sie als Kind aufgewachsen ist, besucht. Der diesjährige Vonovia-Award wird dann Ende September im Sprengel-Museum verliehen.

 

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Doppel-Fotoausstellung im Sprengel Museum Hannover

Das Sprengel Museum zeigt Fotografien aus der Gründungszeit der spectrum Photogalerie und Gewinnerbilder des Vonovia Awards.

Datum:
Ende:
Ort:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover
Telefon:
+49 511 168 43875
E-Mail:
sprengel-museum@hannover-stadt.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.07.2022 | 06:40 Uhr

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