Adaption als Gemälde des Fotos von Georg Wendt, in dem Kanzlerin Angela Merkel von Loris gebissen wird (Foto der Picture Alliance) © picture alliance/dpa Georg Wendt Foto: Georg Wendt

Wer könnte Angela Merkel fürs Bundeskanzleramt malen?

Stand: 26.01.2022 14:00 Uhr

Im Oktober hat Angela Merkel ihre Entlassungsurkunde bekommen - als letzte Amtshandlung fehlt noch ihr Porträt im Bundeskanzleramt. Wie könnte das aussehen? Und wer könnte es umsetzen? Ein paar Spekulationen .

Angela Merkelt faltet die Hände zur Raute. © imago/imagebroker
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von Martina Kothe

Am 26. Oktober 2021 erhielt Angela Merkel ihre Entlassungsurkunde als Bundeskanzlerin. Zwar war die gebürtige Hamburgerin auch danach noch bis zum 8. Dezember geschäftsführend im Amt, aber vielleicht hatte sie auch mittlerweile Zeit, ein wichtiges Projekt anzugehen: Die Auswahl der Künstlerin oder des Künstlers für ihr Porträt in der Galerie im Bundeskanzleramt.

Wer die 67-jährige Angela Merkel malen wird, ist zwar noch nicht verkündet worden, dennoch hat Martina Kothe sich ins Reich der Spekulationen begeben.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält bei ihrer Verabschiedung durch die Bundeswehr eine Rede. © AFP POOL/dpa Foto: Odd Andersen

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"Das Bild wird es geben. Aber ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Ich habe gelernt, dass es Kanzler gab, die das erst nach mehreren Jahren gemacht haben." sagte die Kanzlerin a.D. in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" im letzten Jahr.

Helmut Schmidt rief Kanzlergalerie 1976 ins Leben - mit Porträt von Heisig

Helmut Schmidt hat die sogenannte Kanzlergalerie 1976 ins Leben gerufen. Der Maler seiner Wahl war der äußerst umstrittene Bernhard Heisig, der als DDR-Staatsmaler galt, dessen Stil allerdings Schmidt anzog. Helmut Kohl fragt den Maler später, wie lange Schmidt fürs Gemälde stillgesessen habe. Dieser antwortete lachend: "Gar nicht!".

Helmut Kohl nun wiederum ließ einen Schüler von Bernhard Heisig, den Maler Albrecht Gehse sein Porträt anfertigen. Gerhard Schröder bat seinen Freund Jörg Immendorff ihn zu malen, was dieser auch tat, goldschimmernd und cäsarenhaft.

So prangen sie also nebeneinander wie auf eine Schnur gefädelt an der Wand des Kanzleramts in Berlin: Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder - und jetzt kommt Angela Merkel.

Professor Ulrich Krempel vom Sprengel-Museum spekuliert

Ulich Krempel, Direktor Sprengel Musuem. © NDR
Ulrich Krempel, ehemaliger Direktor des Sprengel-Museums Hannover überlegt, welche Künstlerinnen und Künstler Merkels Porträt fürs Kanzleramt passen würden.

"Das eigentliche Problem ist: Das Ding ist eigentlich ein bissel aus der Mode.", sagt Ulrich Krempel. Der langjährige Direktor des Sprengel-Museums Hannover (bis 2014) und Hochschulprofessor lässt die Gedanken schweifen.

Wer also könnte die Kanzlerin malen? Auch er denkt an Heisig - aber nicht den Vater, sondern den Sohn, Johannes Heisig: "Der Sohn Heisig hat diese Kapazitäten in der Personendarstellung ohne Zweifel auch. Da könnte man dann sozusagen auch den Schritt aus der DDR raus, in eine Künstlerexistenz in Gesamtdeutschland in dieser Figur verkörpert sehen."

Daniel Richter, Johannes Heisig, Katharina Sieverding

Gerhard Richter könnte man sich vorstellen, einzig: Er malt nicht mehr gegenständlich. Als Fotografinnen Herlinde Koelbl, Katharina Sieverding oder auch die von Krempel hochgeschätzte Gundula Schulze Eldowy. "Sie könnte sich trauen - und wenn sie hingehen würde und sich kritisch dem Thema Porträt stellen wollte, und eine Künstlerexistenz wählen wollte, die ihr in Augenhöhe gegenübertritt. Ich sage mal: Daniel Richter."

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"Ich fang jetzt, auch wenn das Bild später motivisch definiert ist, ganz häufig mit Geklecker, Gematsche und dem Zufall an." sagt Daniel Richter. Ulrich Krempel meint über ihn, er sei "eine wirklich tolle Figur. Einer, der Porträts macht, der aber in seinen Porträts auch seine Empfindungen über die Wirklichkeit der Welt und auch der Personen da einfließen lässt".

Malerin Cornelia Schleime wäre passend für Angela-Merkel-Porträt

Was aber wäre mit einer Künstlerin? Zum Beispiel mit der Ostberliner Malerin Cornelia Schleime? Krempel fände das passend: "Ja toll, die enorme Nähe. Also da kommt keine Pose, wenn man sich jetzt beispielsweise im Sessel oder sonst irgendwie staatstragend porträtieren lassen will. Cornelia Schleime macht diese wahnsinnig nahen Geschichten." Auch reizvoll als Porträtschaffende ist für den Professor das Duo Eva und Adele.

 

Schönste Idee fürs Porträt: Angela Merkel beim Füttern von Papageien

Am schönsten aber wäre seiner Ansicht nach Angela Merkel beim Füttern von Papageien - wie sie in den Finger gebissen wird. "Da hat man die mal richtig - also auf eine wunderbare - fast harmonische Art und Weise mit sehr menschlichem Ausdruck von persönlichster Überraschung gesehen", sagt Ulrich Krempel.

"Wenn man so eine Siegerpose daraus machen würde, die ewig in diesem Bundeskanzleramt hängen würde - in dieser langen Kette von Kerlen, auf einmal diese Frau, die sich einfach noch diebisch freut, darüber, dass sie ihre Jahre da absolviert hat, viele dieser zweit- und drittrangigen Dschungelkämpfer sozusagen hinter sich gelassen hat, das könnte natürlich eine klasse Geschichte werden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 26.01.2022 | 06:40 Uhr

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