Die vergoldete Fassade eines Wohnhauses auf der Veddel in Hamburg © dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Vergoldete Fassade auf der Veddel

Stand: 01.11.2020 14:45 Uhr

Der Künstler Boran Burchhardt hat im Juli 2017 in Hamburg sein umstrittenes Projekt "Veddel vergolden" beendet.

Rund einen Monat zuvor hatte er damit begonnen, auf eine 300 Quadratmeter große Hauswand hauchdünnes Blattgold aufzutragen. Die Hamburger Kulturbehörde stellte für das Vorhaben 85.000 Euro bereit.

Ziel: Aufmerksamkeit für sozial schwachen Stadtteil

Mit dem Projekt wollte der Künstler Aufmerksamkeit auf den sozial schwachen Stadtteil lenken. Das habe funktioniert, erklärte Burchhardt. "Ich bin mit den Reaktionen und mit den Gesprächen zufrieden, das ist ein ganz wesentlicher Teil meiner Arbeit", sagte der Künstler am Dienstag. Er habe vor dem Haus viele Gespräche geführt, auch mit Politikern gesprochen. "Teilweise bin ich mit der Hebebühne hoch und runter gefahren, weil immer wieder jemand eine Frage zu dem Projekt hatte." Es gehe aber nicht nur darum, auf das Goldhaus zu schauen. "Sondern jeder, der herkommt, sieht auch alles andere", sagte Burchhardt. "Man sieht, dass hier 70 Nationen friedlich zusammenleben, was wir in Deutschland sonst nicht überall hinbekommen. Und das seit Jahrzehnten. Und dann könnte man eigentlich sagen: Vorzeigestadtteil."

Verschwendung von Steuergeld angeprangert

Die goldene Hauswand hat allerdings auch heftige Proteste ausgelöst. "Wir erkennen den Stellenwert von Kunst an. Kunst darf, ja Kunst soll vielleicht auch provozieren", sagte Sabine Glawe vom Bund der Steuerzahler Hamburg damals. Mit der Vergoldung der Hauswand werde aber höchstens der Steuerzahler provoziert, der frühmorgens aufsteht, arbeiten geht und Steuern zahlt. "Ab heute wird ein weiteres beschämendes Kapitel von Steuergeldverschwendung geschrieben", sagte sie.

Auch der SPD-Politiker Klaus Lübke und die Grünen hatten die Aktion als "überflüssig" kritisiert. Einige Anwohner waren mit dem Projekt ebenfalls nicht einverstanden. Sie wollten das Geld lieber für soziale Projekte eingesetzt sehen. Die Eigentümerin des Gebäudes, die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA, stimmte der Aktion dagegen zu: "Kunst und Kultur bringen Menschen zusammen, regen zu Diskussionen an und stärken die Identifikation mit dem Quartier."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 18.07.2017 | 14:00 Uhr

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