Playmobil als archäologische Zeitreise: Ausstellung in Harburg

Stand: 05.10.2022 14:25 Uhr

Bis zum 2. April zeigt das Archäologische Museum in Hamburg Harburg die Ausstellung "Playmobil - Archäologische Zeitreise". 14 Schaupanoramen lassen in fremde, ferne Welten und Kulturen eintauchen.

von Peter Helling

Der Hamburger Künstler Oliver Schaffer hat die weltweit größte Schausammlung von Playmobil-Figuren. Nun zeigt das Archäologische Museum in Hamburg-Harburg bis zum 2. April 2023 seine Schätze. 50.000 Einzelteile aus Schaffers Sammlung sind in der Ausstellung verbaut. Dieses Lächeln aus Plastik kennt wohl jeder und jede: Playmobil-Figuren haben viele in der Kindheit begleitet.

"Playmobil - Archäologische Zeitreise" : Eiszeit aus Playmobil im Museum

Die Eiszeit im Tunneltal Ahrensburg nachgestellt mit Playmobil fürs Archäologische Museum Harburg © NDR Foto: Peter Helling
Ab und zu - mit Absicht - ein Fehler zum Entdecken.

11.000 vor Christus, eine Rentierherde streift durch ein Flusstal: Es herrscht Eiszeit. Steinzeitliche Jäger liegen auf der Lauer, so oder so ähnlich wird es ausgesehen haben: Die Szene im Ahrensburger Tunneltal, sagt Archäologin Yvonne Krause. "Das ist richtig dargestellt, die abfließenden Gletscher mit den Flüssen, und da sind die Rentier-Herden langgezogen, und das haben die Jäger genutzt. Das ist archäologisch nachgewiesen und hier in einer fantastischen Welt dargestellt."

Tatsache, man reibt sich die Augen: Diese Urzeit ist quietschbunt. Hunderte kleine Figuren bevölkern diese Welt, und alle haben dieses berühmte Lächeln! 5.000 Playmobilfiguren wurden verbaut und 50.000 Einzelteile. 14 große Schaupanoramen lassen einen hier in fremde, ferne Welten und Kulturen eintauchen - alles nach dem neuesten Stand der Geschichtsforschung.

Spielzeuglandschaften der Bronzezeit, der Römer und Wikinger

Nur: Was sucht der Graffiti-Sprayer in der Steinzeit-Jagdszene? "Das ist der Fehler! Sehr gut, Sie haben den Fehler gefunden, wir habe in die Dioramen Fehler eingebaut." Yvonne Krause hat sichtlich Spaß: Denn überall in diesen Wimmelbildern sind kleine Fehler versteckt, Kinder und Jugendliche können hier detektivisches Talent entwickeln und gleichzeitig etwas lernen. Mitten zwischen Dinosauriern steht ein Forscher mit Lupe: "Dinosaurier und Menschen haben nicht gleichzeitig zusammengelebt, und das ist natürlich der versteckte Fehler".

Schiffe aus Playmobil im Archäologischen Museum Harburg Playmobil © NDR Foto: Peter Helling
Die Eiszeit, die Römerzeit, die Hanse - all das ist in einer der 14 großen Landschaften abgebildet.

Ansonsten wird man Zeuge des Alltags der Bronzezeit, zur Zeit der Römer, der Wikinger, hier wird gebrutzelt, gefeiert, bestattet. Spinnen krabbeln durch den kambodschanischen Urwald, prähistorische Knochen werden ausgegraben, Römerschiffe fahren die Elbe herunter. Und einer hat all das gesammelt, Oliver Schaffer aus Hamburg, zwei Wochen lang hat er jede Figur einzeln mit seinem Team aufgestellt und in Position gebracht. "Ist das nicht toll?", sagt er. "Egal, was Sie gelernt und studiert haben, Sie kommen hierher und können sich über Playmobil mit der Archäologie identifizieren."

Der Sammler wurde mit drei Jahren vom Playmobil-Virus infiziert, wie er sagt. Er baute sich einen Zirkus, den "Zirkus Oliver." Nach einer zehnjährigen Playmobil-Auszeit wurde er 2009 überraschend in den Louvre eingeladen, um seinen Zirkus auszustellen: ein Ritterschlag. "Sie können das jetzt nicht sehen, aber ich kriege immer noch Gänsehaut, dass ich mal 100 Meter von der Mona Lisa meinen Zirkus zeigen durfte. Das ist natürlich was ganz Besonderes gewesen, mein Vater stand da mit Tränen in den Augen. Das war das Zirkuszelt, was er mir als kleines Kind in Kiel gebaut hat."

Archäologie und Playmobil vereint in einer Familienausstellung

Sammler Oliver Schaffer hat für das Archäologische Museum Harburg Playmobil für eine Ausstellung ausgeliehen © NDR Foto: Peter Helling
Oliver Schaffer hat die größte Playmobil-Ausstellung weltweit - und sogar schon im Louvre ausgestellt.

Inzwischen ist es seine 57. Ausstellung, jedes Mal zeigt er nur einen Bruchteil seiner mehr als 300.000 Figuren, immer neu kombiniert. Wie für den Nachbau der Hammaburg, der Keimzelle Hamburgs, auf vier Quadratmetern. "Insbesondere bei der Hammaburg finden Sie was von Heidi, von der Weihnachtskrippe, von Asterix und Obelix, aus der Piratenwelt und das Westernfort gehört auch dazu!"

Archäologie und Playmobil gehen auch für Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss sehr gut zusammen. "Weil wir eben kein trockenes, wissenschaftliches Museum sein wollen, sondern immer bemüht sind, Ausstellungen zu machen, die die ganze Familie ansprechen, Kinder, Jugendliche, Migranten, und jetzt sind wir mal wieder mit einer richtigen Familienausstellung am Start."

Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss (links) vom Archäologischen Museum Harburg mit Playmobil-Sammler Oliver Schaffer © NDR Foto: Peter Helling
Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss freut sich über seine "richtige Familienausstellung" mit Sammler Oliver Schaffer (rechts).

Wohl nur hier kann man auf einem Heuwagen aus dem 9. Jahrhundert einen Ghettoblaster entdecken. Diese Lust am Spielerischen bleibt bei den Plastikfiguren mit dem Dauerlächeln nicht aus. Oliver Schaffer lächelt mit. "Das ist auch das Schöne, dass eine Playmobil-Figur immer lächelt - nicht lächelnder Menschen und Gegebenheiten gibt's genug draußen in der Welt, hier darf man einfach für ein paar Stunden lächeln!"

Weitere Informationen
Große Playmobil-Figuren steht in einer Ausstellung. © NDR Foto: Jutta Przygoda

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Playmobil als archäologische Zeitreise: Ausstellung in Harburg

Noch bis zum 2. April zeigt das Archäologische Museum die Ausstellung mit 14 Schaupanoramen aus 50.000 Playmobil-Einzelteilen.

Datum:
Ende:
Ort:
Archäologisches Museum Harburg
Museumsplatz 2
21073 Hamburg
Preis:
6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Di - So 10 bis 17 Uhr
Hinweis:
in Kooperation mit Diorama Artist Oliver Schaffer
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Dieses Thema im Programm:

04.10.2022 | 19:30 Uhr

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