Stand: 04.05.2018 19:33 Uhr

Neuer Stadtkurator plant "Hamburg-Maschine"

von Daniel Kaiser
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (r.) erhofft sich von Möllmanns "Hamburg-Maschine" einen spürbaren Impuls für die Stadt.

Dirck Möllmann ist Hamburgs neuer Stadtkurator. In den kommenden zwei Jahren will er Ideen und Konzepte für Kunst im öffentlichen Raum entwickeln. Die Stadt ist sozusagen seine Open-Air-Galerie. Am Freitag hat Möllmann seine ersten Pläne vorgestellt: Nicht nur in der City, nicht nur dort, wo schon jetzt Kunstwerke in Parks und auf Plätzen stehen, sondern auch in den anderen Bezirken und am Stadtrand will er Kunst stattfinden lassen. "Es soll große, auch sehr öffentlichkeitswirksame Objekte und Installationen geben, auch an sehr prominenten Orten", verspricht er. Es gehe ihm aber nicht nur um Effekte. Es werde auch kleinere, unscheinbarere Arbeiten geben, die man erst entdecken müsse.

Kunstwerke unter Strom

"Hamburg-Maschine" ist das Motto der nächsten beiden Jahre. Der 54-jährige Möllmann sieht die Stadt als Ort der Arbeit und großen Mechanismus. Er will der Frage nachgehen, was Arbeit in Zeiten des Internets eigentlich bedeutet. Mit einigen international tätigen, renommierten Künstlern wie John Gerrard, Anne Marie Maes und Manuel Beltrán hat er schon Kontakt aufgenommen. Aber auch Hamburger Künstlerinnen und Künstler sollen dabei sein. Der Plan ist nicht, einfach ein paar neue Bronzestatuen in der Stadt zu verteilen. Es soll bei "Hamburg-Maschine" auch um Digitalisierung gehen. Möllmann sucht schon mal Steckdosen für seine Künstler. "Es wird Kunstwerke geben, die Strom brauchen und mit Bildschirmen arbeiten. Es wird auch interaktive Installationen geben, die man mit einem Tablet oder Handy bedienen kann."

Standorte noch geheim

Insgesamt plant er in den nächsten zwei Jahren acht bis zehn Kunst-Aktionen. Schon im Oktober geht es mit den ersten beiden los. Wo genau, will Möllmann noch nicht verraten. Aber, verspricht er, es werde aufsehenerregend. "Es gibt schon sehr konkrete Pläne, ich will mich aber noch zurückhalten, bis ich Genehmigungen habe", erklärt der bislang als Kurator am Institut für Kunst im öffentlichen Raum in Graz tätige Möllmann. "Ich habe eben kein Gebäude mit sicheren Wänden, sondern benötige Genehmigungen, um etwas machen zu können."

Impulse für die ganze Stadtgesellschaft

Inspiriert hat Möllmann der bekannte Künstler Joseph Beuys. Der hatte 1983 ein tief in die Stadtgesellschaft reichendes Projekt in Altenwerder geplant - als "Notrettung“ des zerstörten Stadtteils und den dort mit giftigem Elbschlick aufgehäuften Spülfeldern. Hamburgs Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hatte das Projekt damals mit einem Veto gestoppt. Es war ein echter Kunst-Eklat. Heute erhofft sich Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda von Möllmanns "Hamburg-Maschine" einen spürbaren Impuls für die Stadt. Kunst im öffentlichen Raum soll mehr sein als ein Beitrag zu "Unsere Stadt soll schöner werden". "Denken Sie, wie wir im letzten Jahr mit der 'goldenen Wand' auf der Veddel muntere Diskussionen erlebt haben", sagt Brosda. "Das kann Hamburg gut vertragen, und so etwas kann sich auch mit anderen Kunstwerken erneut entzünden."

Neues Institut für Kunst im öffentlichen Raum?

200.000 Euro hat Möllmann zur Verfügung. Das Geld reicht natürlich nicht für das ganze Projekt. Deshalb sucht er noch nach Sponsoren. Sein Plan: Am Ende der zwei Jahre sollen nicht nur neue Kunstwerke in Hamburg stehen. Auch das Stadtkuratoren-Projekt soll zu so etwas wie einem Institut werden, das die Kunst im öffentlichen Raum in die Hand nimmt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.05.2018 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

43:31
NDR Fernsehen
04:35
Kulturjournal

Welfen: Umstrittener Verkauf der Marienburg

10.12.2018 22:45 Uhr
Kulturjournal
05:01
Kulturjournal

Sind Frauen auf dem Buchmarkt benachteiligt?

10.12.2018 22:45 Uhr
Kulturjournal