Verena Issel © NDR/ Anina Pommerenke Foto: Anina Pommerenke

"Kultur hält zusammen" - Start der zweiten Förderrunde

Stand: 26.01.2021 12:51 Uhr

Am Mittwoch startet eine zweite Förderrunde des Hilfsfonds "Kultur hält zusammen". Die Künstlerin Verena Issel hat bereits eine Zuschlag erhalten und erzählt von ihrer Erfahrung.

Ein Kopfhörer liegt auf einem Mischpult. © NDR Foto: Gitte Alpen
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von Anina Pommerenke

"Kultur hält zusammen" ist der Name eines neuen Hilfsfonds für freischaffende Künstlerinnen und Künstler in Hamburg. Die Dorit & Alexander Otto Stiftung hat dafür eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Am Mittwoch startet eine zweite Förderrunde. Bereits im vergangenen Jahr - vor Weihnachten - wurde etwas mehr als die Hälfte des Geldes ausgezahlt. Unter den 227 Kulturschaffenden und Projektgruppen, die in der ersten Förderrunde einen Zuschlag bekommen haben, ist auch die Künstlerin Verena Issel.

In Hamburg hängengeblieben

Schon seit 2004 arbeitet Verena Issel als Bildhauerin und widmet sich immer wieder ausgefallenen Rauminstallationen. Damals kam die Norwegerin zum Studieren nach Hamburg. Blieb hängen, wie sie selbst sagt, und etablierte sich nach und nach in ihrer Sparte. Davon zeugen Zusammenarbeiten mit internationalen Galerien und Beteiligungen auf großen Kunst-Messen wie der Art Basel und Artissima in Turin.

"Dass ich, so wie dieses Jahr, teilweise aufwache und denke: 'Hm, was mache ich denn heute?' Das ist sehr ungewöhnlich", sagt Issel und ergänzt: "Normalerweise habe ich eine sehr vollgetaktete Woche mit genauen Plänen."

Vermisste Unannehmlichkeiten durch Corona

Hin und wieder bekommt sie zurzeit Aufträge für Schaufensterausstellungen. Außerdem hat sie sich an einem Buchprojekt beteiligt. Doch gerade die ausbleibenden Verkäufe am Kunstmarkt machen sich finanziell bemerkbar. Bei der Hamburgischen Kulturstiftung hat sie deshalb Förderung für ein Projekt beantragt, das sie in Kooperation mit dem Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen im Landkreis Stade umsetzen will. Dort hat Issel Familie. Für ihre Arbeit hat sie sich im Dorf umgehört und die Menschen gefragt, was sie im Moment am meisten vermissen:

"Ich vermisse die Unbequemlichkeit von Bahnreisen. Ich vermisse das Reiten mit talentfreien Hausfrauen. Ich vermisse, dass jemand mir in der vollen U-Bahn auf die Füße tritt. Ich vermisse, den Muskelkater nach meiner Pilates-Stunde. Ich vermisse das Waschen der Bettbezüge, nachdem Besuch da war und man eigentlich nur die Nacht durchgequasselt hat, anstatt zu schlafen."

Licht für einen dunklen Ort

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Ein Bild, das bei der Künstlerin hängenblieb und sie für ihre Installation inspirierte: "Ich habe mich jetzt entschieden, mit der Förderung ein großes Neon-Schild handanfertigen zu lassen - also mit mir zusammen. Eine mundgeblasene, rosafarbene Neon-Röhre, in Form einer Bettwäsche. Und die wird an die Außenwand der Scheune des Kunstvereins angebracht, also dass man es von der Straße auch so sieht." Issel hofft, dass sie so auch etwas Licht ins den sonst eher dunklen Ort bringt.

"Ich glaube, dass Kultur für uns Menschen super wichtig ist, und es ist toll, dass wir Künstler in so komischen Zeiten die Möglichkeit bekommen, mit solchen Förderungen Geld zu bekommen. Dafür einfach noch mal Danke."

"Möglichst unterschiedliche Sparten fördern"

Jetzt startet die Aktion "Kultur hält zusammen" in eine zweite Bewerbungsphase. Wieder erhalten freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die in Hamburg arbeiten die Chance, ihre Projekte einzureichen. Geschäftsführerin Gesa Engelschall betont, dass auch weiterhin möglichst unterschiedliche Sparten gefördert werden sollen: "Bildende Kunst, darstellende Kunst, Musik, Literatur, Film, Fotografie, Kinder- und Jugendkultur, kulturelle Bildung und natürlich interdisziplinäre Bildung. Wichtig ist, dass wir damit auch Künstlerinnen und Künstlern in Not helfen können. Also es ist schon so, dass sich diese freie Künstlerschaft bewerben kann, deren Einkommenssituation durch anhaltende Einschränkungen beeinträchtigt ist."

Bewerbungen sind grundsätzlich nur über das dafür vorgesehene Formular auf der Internetseite der Hamburgischen Kulturstiftung möglich. Die Anträge werden dann schnellstmöglich bearbeitet. Schon in zwei Monaten sollen die Fördergelder ausgezahlt werden. Der Hilfsfonds ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Dorit & Alexander Otto Stiftung.

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Klassisch unterwegs | 27.01.2021 | 14:20 Uhr