Beleuchtete Drohnen des Künstlerduos Drift fliegen in Formation "Breaking Waves" über der Elbe vor der Elbphilharmonie im Rahmen der Eröffnung des Musikfests Hamburg. © Georg Wendt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Georg Wendt

Elbphilharmonie: Drohnen-Lichtshow entfällt aus Sicherheitsgründen

Stand: 30.04.2022 18:52 Uhr

Das Künstlerduo Drift tauchte zum Start des Internationalen Musikfests Hamburg die Elbphilharmonie in ein Wellenspiel aus Licht. Die Lichtshow "Breaking Waves" entfällt nun: aus Sichherheitsgründen.

von Barbara Block

Die geplanten weiteren drei Aufführungen wurden in Abstimmung mit den Luftsicherheitsbehörden von Hamburg und Niedersachsen aus Sicherheitsgründen abgesagt: Bei der Generalprobe sowie bei der Premiere am Donnerstag sei die Kunstaktion durch fremde Hochgeschwindigkeits-Drohnen massiv gestört worden, hieß es. Dabei sei es zu mehreren Kollisionen und in der Folge zu Abstürzen zahlreicher Drohnen gekommen. "Die Teams von Elbphilharmonie und DRIFT bedauern dies sehr", ist auf der Seite der Elbphilharmonie zu lesen.

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Beleuchtete Drohnen fliegen über der Elbe vor der Elbphilharmonie im Rahmen der Eröffnung des Musikfests Hamburg. © picture alliance/dpa Foto: Georg Wendt

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Das niederländische Künstlerduo Drift hatte eigens für das Hamburger Konzerthaus ein Kunstwerk erschaffen, das die Westspitze des Gebäudes an vier Abenden jeweils für rund zehn Minuten in ein Wellenspiel aus Licht eintauchen lassen sollte. So tanzten am Donnerstag hunderte Drohnen zum Musikfest-Auftakt zum zweiten Satz des Klavierkonzertes von Thomas Adès. Das Konzerthaus hat am Sonnabend das Premierenvideo auf seinem Youtube-Kanal in einer Länge von fast acht Minuten hochteladen - dabei ist auch die Konzertmusik zu hören.

Ein Leuchtdrohnen-Ballett, das die Wellen des Wassers und die Schallwellen der Musik aufnehmen soll. Tausende Menschen verfolgten das Spektakel vom Hafen aus - allerdings gelang die Handy-Verbindung zur Homepage der Elbphilharmonie nicht bei allen, so dass einige Zuschauerinnen und Zuschauer ohne Musik auskommen mussten.

Christoph Lieben-Seutter, Intendant von Elbphilharmonie sagte am Freitag: "Wir sind sehr glücklich, dass nach der Verschiebung von 'Breaking Waves' in den April so viele Menschen die Möglichkeit haben, an diesem außergewöhnlichen Kunstprojekt teilzuhaben. Ich habe die Lichtinstallation gestern vom Wasser aus erlebt – die Elbphilharmonie auf so beeindruckende Weise in Szene gesetzt zu sehen, war eine große Freude". Er danke allen Beteiligten für die gelungene Zusammenarbeit.

Drift - Künstlerduo aus Niederlande verbindet Natur und Technik

Das Künstlerduo Drift beschäftigt sich in seinen Installationen mit Fragen über Zukunft, Natur und Technik. "Wir betrachten unsere Welt mit Neugier und halten nicht alles für selbstverständlich, stellen Dinge in Frage", erzählt die Künstlerin Lonneke Gordijn von Studio Drift. "Wenn wir dann Technik einsetzen, haben wir ein bestimmtes Gefühl, was wir ausdrücken wollen." Häufig sei dies ein Zustand, den sie erschaffen wollen würden - etwa ein Gefühl von Schweben, Fliegen, Freisein. "Die Natur ist für uns Vorbild, eine endlose Inspirationsquelle", fügt ihr Kollege Ralph Nauta hinzu. "Über Milliarden von Sprüngen in der Evolution hat die Natur die perfekteste Form gefunden, um ihren spezifischen Aufgaben gerecht zu werden."

Wunderschön und fragil - wie die Natur

Lonneke Gordijn und Ralph Nauta © Teska Overbeeke Foto: Teska Overbeeke
Seit 2007 arbeiten Lonneke Gordijn und Ralph Nauta als Design-Duo Drift zusammen.

Ihre erste gemeinsame Arbeit waren Skulpturen aus Pusteblumen, die sie noch immer herstellen: Mit Pinzette und Silikonkleber werden die Samen einzeln auf LED-Lämpchen geklebt - 120 Fallschirmchen pro Blume, eine Heidenarbeit. Pro Stunde schaffen die Mitarbeiter drei Stück. Schaltkreise aus Phosphorbronzedraht, als Metallrahmen gestaltet, bringen die puscheligen Kugeln später zum Leuchten.

"Sie erscheinen hier als Verbindung zwischen Technik und Natur", erklärt Lonneke Gordijn. "Das ist auch ein positives Szenario für eine Zukunft, wo Natur und Technik verbunden werden, um Fortschritte zu erzielen, anstatt gegeneinander zu arbeiten. Das ist der Grund, warum wir dieses Werk 'Fragile Future', 'Zerbrechliche Zukunft', nennen."

Breaking Waves: Licht als zentrales Element in Wellen

Eine große Rolle spielt für die beiden das Licht: "Licht ist Leben und in welchem Licht du etwas siehst, bestimmt, wie du dich fühlst", sagt Lonneke Gordijn. "'Licht' hat einen großen Einfluss darauf und in unserer Kunst geht es genau darum: Wir wollen das Lebensgefühl verändern." Viele ihrer Werke sind der Natur abgeschaut: "Flylight" simuliert den Flug der Stare, "In Twenty Steps" imitiert mit 20 computergesteuerten Glasröhrenpaaren das Schwingen von Flügeln, und die "Shylights" aus Seide öffnen und schließen sich wie Blüten - im Rhythmus der Natur.

"Wir wissen genau, wann sich etwas richtig anfühlt oder nicht", so Lonneke Gordijn. "Das ist nicht nur so, wenn wir ein Werk zum ersten Mal betrachten, das passiert jedes Mal aufs Neue, wenn du damit in Kontakt kommst: die Ruhe, die Erleichterung, sich zu erlauben, normal zu atmen, anstatt durchs Leben zu hetzen. Der Rhythmus der Natur hingegen ist sehr kraftvoll, heilsam und wichtig für uns."

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Beleuchtete Drohnen fliegen über der Elbe vor der Elbphilharmonie im Rahmen der Eröffnung des Musikfests Hamburg. © picture alliance/dpa Foto: Georg Wendt

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"Etwas erschaffen, das noch keiner gesehen hat"

In unserer zunehmend digitalisierten Welt ist ihnen auch sinnliches Erleben wichtig: "Es ist enorm wichtig, mit dem Physischen in Kontakt zu bleiben, wertzuschätzen, etwas mit eigenen Händen zu bauen und die Technik zu nutzen, um etwas Magisches zu kreieren, dich selbst auszudrücken - etwas zu erschaffen, das noch keiner gesehen hat. So etwas inspiriert die Menschen und du kommst mit ihnen ins Gespräch", sagt Ralph Nauta.

Konzertbetrieb läuft wie geplant weiter

Trotz der Zwischenfälle und der Absage von "Breaking Waves" findet der Konzertbetrieb im Rahmen des Internationalen Musikfestes Hamburg weiter statt. So hat Alan Gilbert am Freitagabend das NDR Elbphilharmonie Orchester bei der zweiten Aufführung von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" dirigiert.

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Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 25.04.2022 | 22:45 Uhr

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