Stand: 26.03.2020 09:57 Uhr  - NDR 90,3

Medizinhistorisches Museum sucht Corona-Souvenirs

von Annette Matz

Die Corona-Krise dürfte künftig als historische Zäsur in Erinnerung bleiben - auch in der Hamburger Geschichte. Eines Tages wird man in Museen von dieser Zeit berichten. Deshalb ruft das Medizinhistorische Museum am UKE schon jetzt dazu auf, Dinge aufzubewahren, die bezeichnend für die Corona-Krise sind und künftig Ausstellungsstücke sein könnten. Philipp Osten, der Leiter des Medizinhistorischen Museums, erläutert im Interview die Hintergründe des Aufrufs.

Herr Osten, warum haben Sie den Aufruf gestartet?

Philipp Osten: Uns ist aufgefallen, dass wir von der Hamburger Cholerazeit 1892 nur eine leere Desinfektionsflasche besitzen. In einem Museum sind Ausstellungsstücke allerdings etwas Wichtiges.

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Als jetzt die Desinfektionsmittel ausgingen und das UKE dazu aufrief, die leeren Flaschen nicht wegzuwerfen, damit man sie neu befüllen kann, fiel mir ein, dass es toll wäre, wenn wir die Hamburger bäten, ihre Erinnerungsstücke aufzuheben.

An was denken Sie zum Beispiel?

Osten: Neulich war ich in einem Laden, da gab es ein Schild, auf dem stand: "Halten Sie bitte Abstand!". So etwas kann es sein. Es können auch Angebote an die Nachbarn sein, dass man ihnen hilft einzukaufen. Es können auch Kinderbilder sein, die man mit der Familie zusammen malt, auf denen das Virus dargestellt ist. Oder Briefe von Lehrerinnen, die den Schülern Mut machen. Die schönsten Sachen sind die, die mir jetzt gerade nicht einfallen. Nach denen suche ich.

Was hat man Ihnen denn bislang geschickt?

Osten: Wir haben schon spannende Sachen zu Gesicht bekommen. Eine Frau hat ihrem Mann, der einen medizinischen Beruf hat, einen Mundschutz genäht, der das Wappen seines Lieblingsvereins zeigt. Wir wollen die Exponate aber noch gar nicht haben. Eine E-Mail reicht erstmal. Es geht mir jetzt vor allem darum, die Menschen daran zu erinnern, solche Dinge nicht wegzuwerfen, denn es ist eine ganz besondere Zeit ist, in der wir leben. Wir melden uns dann, wenn das Ganze vorbei ist und wir eine Ausstellung planen.

Das Interview führte NDR 90,3 Redakteurin Annette Matz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 26.03.2020 | 19:00 Uhr