Hamburg: Emil Nolde im Doppelpack

Stand: 18.10.2021 14:00 Uhr

Gleich zwei Ausstellungen in Hamburg widmen sich dem berühmten Expressionisten Emil Nolde. Das Bucerius Kunst Forum nimmt jetzt sein Frühwerk in den Blick, die Hamburger Kunsthalle seine Maltechnik

von Annette Plomin

Wo liegen die Anfänge des weltberühmten Künstlers? Die Ausstellung "Nolde und der Norden" zeigt den "Nolde vor Nolde", das eher unbekannte Werke aus der Frühzeit von 1900 bis 1902. Da ist er noch ein Suchender, der tastet und experimentiert. Klar wird: Seine Kunst kommt nicht aus dem Nichts. Auf der Weltausstellung in Paris beeindrucken ihn skandinavische Künstler so sehr, dass er kurz darauf nach Kopenhagen zieht. Er lässt sich inspirieren von dänischen Meistern wie Vilhelm Hammershøi oder Anna Ancher, pickt sich raus, was ihm gefällt: ihre Motive, die Farbigkeit, das Licht.

Noldes Frühwerk zeigt seine Faszination für die Sagenwelt des Nordens mit Wikingern, Kriegern und Königen, sie regt ihn zu Bildern an. Ebenso die Alltagsszenen und nordischen Landschaften der  nationalromantischen skandinavischen Kunst. Es sind Motive, die er aufgreift und die  ihn sein Leben lang immer wieder beschäftigen.

Umstrittenes Genie

Er strickt sein Leben lang an seiner eigenen Legende, stilisiert sich selbst zum Genie. Unterstützt wird er im Kult um sich selbst von seiner jungen Frau Ada, die ihre Schauspielkarriere aufgibt und ihn als größten Maler Deutschlands sieht. Dass Nolde im Dritten Reich abgelehnt wird, trifft ihn schwer, ist er doch glühender Anhänger der Nationalsozialisten und Antisemit. Später stilisiert er sich als Opfer. Seine Rolle im Nationalsozialismus ist inzwischen bekannt und in Hamburg nur am Rande Thema. Und doch hängt das Wissen um seine fragwürdige Persönlichkeit als Schatten immer über der Schönheit der Bilder.

Nun wird wieder am Mythos gerüttelt: Ist er wirklich das Genie, das alles aus sich selbst heraus schuf? Neueste Forschung hat untersucht, wer seine Vorbilder und Inspirationsquellen waren, welche Ausstellungen er besuchte, welche Saat im Frühwerk gelegt wurde, die im berühmten Spätwerk aufgeht. Die Ausstellung, die das Bucerius Kunst Forum in Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll zeigt, macht den direkten Vergleich möglich: Noldes frühe Werke und seine dänischen Vorbilder.

Parallel präsentiert die Hamburger Kunsthalle in einer kleinen Studioausstellung Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojekts, das die  Arbeitsweise und Maltechnik des Künstlers erforscht.

Weitere Informationen
Die Außenansicht des neuen Bucerius Forums am Zugang Alter Wall / Adolphsplatz. © Bucerius Kunst Forum Foto: Ulrich Perrey

Kulturpartner: Bucerius Kunst Forum

Das Bucerius Kunst Forum zeigt jährlich vier Ausstellungen mit Kunstwerken zu Themen von der Antike bis zur Gegenwart extern

Hamburg: Emil Nolde im Doppelpack

Gleich zwei Ausstellungen in Hamburg widmen sich dem berühmten Expressionisten.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Alter Wall 12
20457 Hamburg
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 18.10.2021 | 22:45 Uhr