Stand: 10.09.2018 14:24 Uhr

Abdollahi: "Nicht noch mal die Heimat verlieren"

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Michel Abdollahi hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben - und mehr Einsatz gegen rechts verlangt.

Angesichts fremdenfeindlicher Proteste in Chemnitz und zunehmend öffentlich geäußerter Vorbehalte gegen Flüchtlinge wie bei der "Merkel muss weg"-Demo in Hamburg hat Michel Abdollahi einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschrieben. Der NDR Moderator forderte die Bundesregierung in dem am Sonnabend auf seiner Facebook-Seite veröffentlichten fünfseitigen Brief zu einem stärkeren Engagement gegen rechte Brandstifter auf. "Wenn die Regierung nicht aktiv handelt, wird sich dieses Feuer weiter ausbreiten", heißt es darin.

Abdollahi bringt sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Migration als "Mutter aller Probleme" bezeichnet hat: "Frau Bundeskanzlerin, dieses Land wurde gespalten und zwar nicht nur von blau-braunen Unruhestiftern, sondern mittlerweile von der Regierung, vom Bundesinnenminister, vom Chef des Verfassungsschutzes, von so vielen, die nicht spalten sollten. Das, was hier gerade betrieben wird, ist unverantwortlich."

"Wir kamen nicht hierher, um das Land kaputtzumachen"

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Abdollahi beschreibt in diesem Zusammenhang die Flucht seiner eigenen Familie, die ihn im Iran-Irak-Krieg in den 1980er-Jahren aus dem Iran nach Deutschland geführt hatte. "Meine Familie wollte ihr Land nicht verlassen, sie wollte hier nicht die Klos putzen und Taxi fahren. Aber als Saddams Bomben uns trafen, haben wir uns dafür entschieden zu gehen. Wir kamen nicht hierher, um Deutschland kaputtzumachen. Wir kamen hierher, weil unsere Heimat kaputtgemacht wurde."

"Sorgen dürfen nicht Deckmantel für Rassismus sein"

Pauschale Vorurteile gegen Migranten würden auch durch teils berechtigte Sorgen in Teilen der Bevölkerung entstehen, meint Abdollahi. "Selbstverständlich muss man die Sorgen dieser Menschen ernst nehmen. Aber es kann nicht sein, dass diese Sorgen als Deckmantel für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus missbraucht werden. Das Heben des rechten Arms, das Zerstören eines jüdischen Restaurants oder das Anzünden eines Flüchtlingsheims sind keine hinnehmbaren Formen der demokratischen Meinungsäußerung." In den Kommentaren unter seinem Post gab es viel Zustimmung, aber auch Ablehnung seiner Forderungen.

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"Mache mir Sorgen um meine Zukunft"

Im weiteren Verlauf seines Briefs bringt Abdollahi seine Sorge vor der Zukunft zum Ausdruck. "Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Sorgen je haben werde, aber ich habe sie jetzt." Besonders kritisiert er neben der Seehofer-Äußerung, dass Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen die Echtheit von Videos zu Hetzjagden in Chemnitz in Zweifel zieht. "Ich habe das Gefühl, das viele Menschen, die als Staatsdiener neutral und dem Grundgesetz gegenüber verpflichtet sein sollten, dies nicht mehr sind und dieses Land schleichend in Menschen 1. und 2. Klasse aufteilen."

Der Brief endet zum einen mit einem Appell an die Kanzlerin: "Lassen Sie es nicht zu, dass Menschen in Deutschland ein weiteres Mal aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe erst diskriminiert und dann verfolgt werden." Zum anderen äußert Abdollahi einen ganz persönlichen Wunsch: "Ich möchte nicht ein zweites Mal meine Heimat verlieren."

Michel Abdollahi. © NDR

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