Stand: 03.12.2018 00:01 Uhr

"Astrid": Berührender Film über Lindgrens Leben

Astrid
, Regie: Pernille Fischer Christensen
Vorgestellt von Katharina Mahrenholtz

Man übertreibt sicher nicht, wenn man sagt, dass Astrid Lindgren die größte Kinderbuch-Autorin der Welt und aller Zeiten ist. Über ihr Leben wurden viele Bücher geschrieben. Sie selbst hat gern von ihrer Kindheit und von ihren Anfängen als Schriftstellerin erzählt - aber weniger gern von der schweren Zeit ihres Lebens. Mit 18 wurde sie ungewollt schwanger und musste ihr Kind weggeben. Mit diesen Jahren beschäftigt sich der Film "Astrid" der dänischen Regisseurin Pernille Christensen.

Alba August als junge Astrid - Szene des Films "Astrid" © DCM Filmdistribution 2018 Foto: Erik Molberg Hansen

"Astrid": Film über die junge Astrid Lindgren

Kulturjournal -

"Astrid" ist ein berührender Film über die schweren Jahre der bekanntesten Kinderbuchautorin der Welt. Mit 18 wird Astrid Lindgren unverheiratet schwanger, ein Skandal in den 20er-Jahren.

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Es gehört eine Menge Mut dazu, sich einem übermenschlichen Idol so zu nähern. Denn jeder hat einen eigenen Film im Kopf. Darin kommen grüne Wiesen, rote Holzhäuser und blonde Kinder mit Blumenkränzen vor. Das alles liefert Pernille Christensen nicht.

Annäherung an die größte Kinderbuchautorin aller Zeiten

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Astrid (Alba August) verliebt sich in ihren Chef Blomberg (Henrik Rafaelsen).

Aber trotzdem passen die ersten Szenen zu unserer Vorstellung von Astrid Lindgren als jungem Mädchen: Sie tanzt freestyle ohne Partner, auch wenn sie dabei schräg angeguckt wird. Sie kann in der Kirche nicht still sitzen und muss im Wald laut schreien. Die Botschaft kommt an: Es ist Leben in diesem Mädchen, etwas, das rausmuss.

Mit 17 bekommt Astrid die Chance, bei der örtlichen Tageszeitung zu arbeiten. Der Herausgeber Reinhold Blomberg erkennt ihr Talent, lässt sie nicht nur abtippen, sondern auch Reportagen schreiben. Astrid wird selbstbewusster, lässt sich die Haare kurz schneiden - und beginnt ein Verhältnis mit dem viel älteren Blomberg.

Ungewollt schwanger in einer herzlosen Umgebung

Die anschließende Sexszene löst beim Sepia-Nostalgie-gestimmten Zuschauer eine kurze Schockstarre aus. Man muss sich jetzt vergegenwärtigen, dass das kein Dokumentarfilm ist und die nackte junge Frau auf der Leinwand nicht wirklich Astrid Lindgren, sondern die großartige Schauspielerin Alba August.

Dann geht dieser Film plötzlich wunderbar auf. Er zeigt das Entsetzen der Eltern, als Astrid schwanger wird ("Niemand darf etwas erfahren!") in einer Gesellschaft, die in dieser Situation keinen Halt bietet ("Wo soll ich hin mit diesem Bauch?").

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Als die Pflegemutter erkrankt, nimmt Astrid ihren Sohn wieder zu sich.

Astrid geht nach Stockholm, macht eine Ausbildung als Sekretärin und bekommt das Kind heimlich in Kopenhagen, um es dort bei einer Pflegemutter zu lassen. Herzzerreißende Szenen zeigen die Trennung der jungen Astrid von ihrem Sohn Lasse, der bald die Pflegemutter "Mama" nennt und seine richtige Mutter kaum kennt. Obwohl Astrid ihn in Kopenhagen besucht, wann immer sie kann.

Astrid Lindgren - eine Kämpferin

Unbarmherzig und unglaublich berührend zeigt die Regisseurin Pernille Christensen, was es noch vor 100 Jahren bedeutete, ein uneheliches Kind zu bekommen. Astrid Lindgren ist nicht daran zerbrochen, sie hat gekämpft - und gewonnen. Vielleicht konnte sie ihre wunderbaren Bücher gerade deswegen schreiben - oder trotzdem.

Lindgrens Tochter Karin sieht den Film kritisch. Ihre Mutter hätte ihm niemals zugestimmt, sagt sie. Tatsächlich hat Astrid Lindgren zeit ihres Lebens versucht, dieses Kapitel aus der Öffentlichkeit rauszuhalten. Dennoch ist es gut, dass es diesen Film gibt. Man möchte sich danach noch tiefer vor Astrid Lindgren verneigen.

Video
01:56

Filmtrailer: "Astrid"

Die dänische Regisseurin Pernille Christensen zeichnet in ihrem Film "Astrid" ein Porträt der weltbekannten Kinderbuchautorin und zeigt darin deren wenig bekannte Seite. Video (01:56 min)

Astrid

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Schweden, Deutschland, Dänemark
Zusatzinfo:
mit Alba August, Maria Bonnevie, Trine Dyrholm
Regie:
Pernille Fischer Christensen
Länge:
123 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
6. Dezember 2018

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NDR Info | Kultur | 03.12.2018 | 08:55 Uhr

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