Der Große Konzertsaal in der Elbphilharmonie (Archivfoto) © Christian Spielmann / NDR Foto: Christian Spielmann

Konzertveranstalter klagt gegen Elbphilharmonie

Stand: 10.11.2021 10:49 Uhr

Ein Hamburger Veranstalter fühlt sich zu Unrecht bei der Bespielung des Großen Saals der Elbphilharmonie ausgeschlossen. Jetzt klagt er am Hamburger Landgericht.

von Marcus Stäbler

Der Hamburger Altug Ünlü ist Komponist, Musikwissenschaftler und Konzertveranstalter. Er klagt vor dem Landgericht gegen die Elbphilharmonie: "Das Problem ist eine Ungleichbehandlung von zwei privaten Konzertdirektionen. Der Newcomer, also in diesem Fall unsere Konzertdirektion Festival Koinzidenz, wird in der Elbphilharmonie nicht zugelassen und darf keine Konzertangebote haben. Damit besteht aus unserer Sicht eine Ungleichbehandlung, und das ist der Grund unserer Klage."

2018 hat Altug Ünlü eine eigene Konzertagentur gegründet und im Jahr 2019 auch sechs Konzerte in der Laeiszhalle und im Kleinen Saal der Elbphilharmonie durchgeführt. Doch seither habe er keine Termine mehr bekommen - während andererseits der größte private Veranstalter in Hamburg, die Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette, rund fünfzig Mal pro Jahr den Großen Saal der Elbphilharmonie für ihre Reihe "Pro Arte" buchen konnte.

Kleinere und größere Konzertveranstalter in der Elphi

Altug Ünlü blickt in die Kamera © Altug Ünlü
Konzertveranstalter Altug Ünlü sieht sich bei der Terminvergabe benachteiligt.

"Das ist eben langfristig eine wettbewerbsverzerrende Vergabepolitik," beklagt Altug Ünlü, unterstützt vom Anwalt Joachim Steinhöfel, der Ünlü bei seiner Klage vor dem Hamburger Landgericht vertritt: "Wenn wir uns anschauen, wie die Elbphilharmonie privaten Konzertveranstaltern Termine zuteilt, fällt auf, dass mit weitem Abstand ein Unternehmen bevorzugt wird, und zwar hat die 'Pro Arte' dort in der Saison 19/20 55 Termine durchgeführt, und der nächstgrößte Veranstalter drei. Das heißt, das ist mehr als das Siebzehnfache," so Steinhöfel. Und dieses Verhältnis sei, so Steinhöfel "wie ein Monopol zu bewerten."

Insgesamt haben die kleineren Veranstalter im Großen Saal der Elbphilharmonie während der Saison 19/20 knapp hundert Konzerte ausgerichtet, knapp ein Viertel aller Konzerte im Großen Saal.

Verhältnis und Gewichtung der Termine

Joachim Steinhöfel für dem Gerichtssaal © picture alliance/dpa | Michael Kappeler Foto: Michael Kappeler
Joachim Steinhöfel vertritt Konzertveranstalter Altug Ünlü anwaltlich vor Gericht.

Es ist also nicht so, dass diese kleineren privaten Veranstalter grundsätzlich ausgeklammert würden. Sie bekommen zusammen sogar beinahe doppelt so viele Termine wie die Konzertdirektion Goette. Aber die einzelnen Stücke vom Kuchen sind sehr viel kleiner. Dagegen geht Altug Ünlü vor: "Pro Saison ist unsere Hauptforderung ca, zwanzig Termine im Großen Saal," erklärt der Konzertveranstalter.

Sein Anwalt Joachim Steinhöfel ergänzt: "Was wir verlangen, ist diskriminierungsfreier Zugang zur Elbphilharmonie. Wir wollen nicht besser, aber auch nicht schlechter behandelt werden, als andere Anbieter, die dieselben Leistungen anbieten."

Gericht muss Terminvergabepraxis prüfen

Ob ein junger Konzertveranstalter tatsächlich quasi aus dem Stand dieselben Leistungen und das musikalische Topniveau anbieten kann, wie eine lange etablierte Agentur mit gewachsenen Beziehungen zu ihren Künstlerinnen und Künstlern, das dürfte eine der wichtigsten Fragen sein, die das Gericht abwägen muss. Denn natürlich trifft der verantwortliche Intendant seine Entscheidungen zuallererst aus künstlerischen Erwägungen.

Er soll das bestmögliche Programm zusammenzustellen. Dieser Auftrag ist im Nutzungskonzept des Hamburger Senats für Elbphilharmonie und Laeiszhalle klar festgeschrieben, ebenso wie der jeweilige Anteil von Eigenveranstaltungen, Kooperationen und Fremdvermietungen. An diese Vorgaben halten sich Christoph Lieben-Seutter und sein Team mit ihrer Terminvergabepraxis, die jetzt vom Landgericht überprüft wird. Zum Rechtsstreit selbst wollte sich die Elbphilharmonie nicht äußern, bevor die Gerichtsverhandlung stattgefunden hat.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in die Nacht | 10.11.2021 | 11:40 Uhr