Gäste nach dem Lockdown in der Elbphilharmonie © picture alliance/dpa | Markus Scholz Foto: Markus Scholz

Wiedereröffnung der Elbphilharmonie: Mit Maske und Glücksgefühlen

Stand: 01.06.2021 08:12 Uhr

Am Montagabend hat die Elbphilharmonie ihre Wiedereröffnung nach der Zwangspause mit einem Konzert gefeiert. Auf der Bühne in der Reihe "A Celebration of Black Music" war unter anderem Thomas Hampson.

von Marcus Stäbler

"Herzlich Willkommen in der Elbphilharmonie! Das habe ich schon länger nicht gesagt." Die Freude über den Neustart war mit Händen zu greifen. Bei Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter, beim Orchester auf der Bühne, aber natürlich auch im Publikum. Gut sechshundert Menschen durften in den Saal - alle entweder getestet, geimpft oder genesen -, sie saßen da mit großem Abstand, mit Masken im Gesicht und Glücksgefühlen im Herzen.

Das Programm begann mit dem 2019 entstandenen Orchesterwerk "Umoja" von Valerie Coleman, sensibel und lebendig gespielt von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Leitung von Roderick Cox. Das Stück sende ein wichtiges Signal, sagt der Dirigent: "Die Tatsache, dass 'Umoja' auf Suaheli 'Einheit' bedeutet, ist doch sehr bezeichnend für die Zeit, in der wir leben. Es ist großartig, dass das erste Stück, das in diesem Saal nach Monaten erklingt, den Titel 'Einheit' trägt und uns zusammen bringt."

Vielfältiges Programm für die Wiedereröffnung der Elbphilharmonie

Gäste nach dem Lockdown in der Elbphilharmonie © picture alliance/dpa | Markus Scholz Foto: Markus Scholz
Mit großem Abstand, mit Masken im Gesicht und Glücksgefühlen im Herzen: Das Publikum bei der Wiedereröffnung in der Elbphilharmonie.

Menschen zusammen bringen und traditionelle Grenzen überwinden: Das war eine zentrale Idee des Abends, der die Musik afroamerikanischer Komponistinnen und Komponisten ins Zentrum rückte. "Es sind einfach tolle Stücke, wunderbare Musik, aufregende Komponisten." So hatte der Initiator des Projekts, der Bariton Thomas Hampson, vorher geschwärmt. Und das war nicht zuviel versprochen.

Das knapp zweistündige Programm begeisterte mit seiner Vielfalt, mit einem fein abgestimmten Mix aus Orchester- und Vokalwerken. Zu den größten Entdeckungen gehört die Musik des Opernkomponisten William Grant Still. Die junge Sopranistin Leah Hawkins setzte die sängerischen Glanzlichter im Solistenquartett. Etwa in einem Arrangement des Spirituals "He's got the whole world in his hands".

Konzert deutet Reichtum an "neuen" Werken an

Einflüsse aus dem Spiritual prägten auch das Hauptwerk des Abends: Die "Negro Folk Symphony" von William Dawson, entstanden 1934. Ein faszinierendes Stück, das Themen und Motive der afroamerikanischen Tradition aufgreift und im Stil einer klassischen Sinfonie verarbeitet. Auch hier formte Roderick Cox mit der Kammerphilharmonie eine packende Interpretation.

Ein schwerer Fehler, dass der Klassik-Betrieb Werke wie diese von schwarzen Komponistinnen und Komponisten so lange übersehen oder ausgegrenzt hat, ob bewusst oder unbewusst. Das Konzert hat angedeutet, welcher Reichtum da noch zu entdecken ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.06.2021 | 06:40 Uhr