Stand: 21.02.2020 16:44 Uhr  - NDR 90,3

Stehende Ovationen für überragenden Yefim Bronfman

von Daniel Kaiser
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Yefim Bronfman brachte mit Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 einen echtes Glanzstück der Klavierliteratur nach Hamburg.

Mit stehenden Ovationen hat das Publikum in der Elbphilharmonie den Pianisten Yefim Bronfman gefeiert. Gemeinsam mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Alan Gilbert spielte er das 3. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow. Als Zugabe erklang Beethoven. Ein Nachbericht.

Konzentriertes und exaktes Spiel von Bronfman

Keine Zeit für Gefühlsduselei: Recht zügig lässt Yefim Bronfman die melancholischen Melodien Rachmaninows über die Tasten perlen. Der US-amerikanisch-israelische Pianist spielt konzentriert, exakt, effizient und ohne Schnörkel. Man sieht keine ausladende Gestik, keine dramatische Lang-Lang'sche Mimik. Nur zum Finale durchfährt es ihn einmal kurz und reißt ihn eine Zehntelsekunde vom Klavierhocker.

Unwiderstehliches "Elefantenkonzert" von Rachmaninow

Alan Gilbert ist mit den Musikerinnen und Musikern des NDR Elbphilharmonie Orchesters dabei nicht nur im Begleitungsmodus. Es entstehen wunderschöne, zarte Dialoge zwischen Klavier und Flöte. Als im Orchester ein Walzer erklingt, wirkt das ätherische Spiel Bronfmans davor noch einmal virtuoser. Auf diese Art und Weise musiziert ist das wegen seiner schieren Größe und Wirkung von Pianisten-Legende Artur Rubinstein "Elefantenkonzert" genannte Werk wirklich unwiderstehlich. Der letzte Ton war nicht verklungen, da sprang das begeisterte Publikum von den Sitzen auf und jubelte.

Konzertbeginn mit Werk von Unsuk Chin

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Unsuk Chin studierte in Hamburg bei György Ligeti Komposition.

Dieser ungewöhnlich programmierte Konzertabend begann mit dem elfminütigen Orchesterwerk "Chorós Chordón" der koreanischen Komponistin Unsuk Chin. Diese hatte jüngst den Hamburger Bach-Preis erhalten und ist derzeit "Composer in Residence" des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Chin entfaltete in dem sehr dichten, atmosphärischen Stück einen enormen Klangreichtum: Man sah Percussionisten des Orchesters von Instrument zu Instrument eilen und sogar mit Papier rascheln.

Seltenes Stück von Béla Bartók mit rauschhaften Melodien

Eine echte Entdeckung dürfte für viele die sehr selten gespielte Orchestersuite "Der holzgeschnitzte Prinz" von Béla Bartók sein. Der Komponist vertonte das wendungsreiche, kaum stringent nachzuerzählende Märchen mit farbigen, funkelnden, rauschhaften Melodien. Wenn das Xylophon im Presto hämmert, sieht man die Holzpuppe vor dem geistigen Auge tanzen. Die Tempowechsel sind brillant - Gilberts Dirigat ist so glasklar, dass man das Gefühl hat, man könnte sich selbst sofort ins Orchester setzen und mitspielen.

In seinem Facettenreichtum war das ein sehr starker Konzertabend mit einem überragenden Yefim Bronfman zum Finale, der sich mit Beethovens Klaviersonate Nr. 23 als Zugabe bedankte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.02.2020 | 19:00 Uhr

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