Stella Roberts in einer Szene von "Ganzkörpereinsatz" in den Hamburger Kammerspielen © picture alliance / rtn - radio tele nord | rtn, juergen kreye

Stella Roberts erhält Theaterpreis für "Der fröhliche Fischer"

Stand: 14.09.2021 09:24 Uhr

Die Hamburger Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Stella Roberts bekommt den diesjährigen Barbara Kisseler Theaterpreis. Ausgezeichnet wird die 32-Jährige für ihr Stück "Der fröhliche Fischer".

von Peter Helling

Sie erinnert sich genau, wie das war, als sie die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung in den Händen hielt: "Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich konnte mein Glück überhaupt nicht fassen, ich war erst einmal sprachlos." Anfang Juli klingelte ihr Telefon. Am anderen Ende: die Hamburger Kulturbehörde - und der Barbara Kisseler Theaterpreis 2021.

Weil wegen Corona nicht geprobt werden konnte, bekam sie den Preis nicht für ein fertiges Stück, sondern für eine Idee. Ein Stück mit Leuchtturm. Ihr Stück trägt den Titel "Der fröhliche Fischer". Schon vor zwei Jahren hatte Stella Roberts die Idee, die Inspiration kam aus England. Dort steht eine bekannte Statue, die so heißt. "Das ist tatsächlich ein Wahrzeichen in einem Küstenort, wo mein Vater geboren ist. Das ist der Jolly Fisherman, also der fröhliche Fischer!"

Glück und Unglück in einer Seelen-Achterbahn

Im kleinen Örtchen Skegness bei Nottingham an der englischen Ostküste steht er, der muntere Mann in Bronze, dessen Tanzbeine geradezu abheben. Henry Arnold spielt ihn auf der Probebühne. Er tanzt auch, oder besser: Er versucht zu fliegen, so Arnold: "Es ist eine Kunstfigur, die über das Artifizielle des Stückes ihre Wahrheit findet, und das ist der Weg, den ich auch mit dieser Figur versuche zu gehen, der im Übrigen gar kein Fischer ist."

Im Zentrum steht ein zunächst gar nicht so fröhlicher Mann, der nach langer Seereise nach Hause zurückkehrt. Henry Arnold spielt ihn als tragikomischen Macho, den Glück und Unglück in eine Seelen-Achterbahn werfen. Alle Frauenfiguren, denen dieser schräge Vogel begegnet, werden von Christina Arndt verkörpert: "Ich hab noch nie in eineinhalb Stunden so viele Rollen gespielt, die so unterschiedlich sind. Es sind zehn Rollen, ich hab zwölf Auftritte." Als Käfer, Krankenschwester, als Schattenwesen und Schutzengel.

Leuchtturm als Metapher

Ganz früh stand für Stella Roberts, die in Blankenese aufgewachsen ist, fest: Das Stück muss vor einem Leuchtturm spielen: "Das ist so ein symbolischer Ort, der ja einfach als Wegweiser steht. Er steht einsam für sich da. Da sehe ich auch die Hauptfigur drin, die ihren Platz sucht in der Gesellschaft, im Leben, natürlich auch dieses Licht-Spendende sucht. Ja, deswegen der Leuchtturm."

Gemeint ist der mächtigen Leuchtturm Unterfeuer in Wittenbergen am Rissener Ufer. Noch muss eine rot-weiße Absperrkette herhalten, um den Leuchtturm zu symbolisieren - im Proberaum im neuen Theaterzentrum "Die Wiese" in Barmbek.

Trotz Tragik und Komik soll das Stück Hoffnung bringen

Mit dem Preisgeld von 50.000 Euro werden vor allem freie, feine, auch schräge Theaterprojekte ermöglicht, die sonst eher im Schatten stehen. Ein isolierter Mann und ein einsamer Leuchtturm am Elbstrand: Das Konzept traf ins Schwarze. Und welches Symbol wäre besser, um einen strahlenden Neuanfang der Kultur nach dem Corona-Lockdown zu symbolisieren? Roberts meint: "Deswegen ist es ein Stück über Heimat, Isolation, Verlorenfühlen - es soll aber auf keinen Fall deprimieren oder belehren, sondern unterhaltsam sein und in aller Tragik und Komik Hoffnung bringen."

Slapstick, Comedy, Musical, sogar eine Prise Horror: Es wird gesungen, da werden mal derbe Sex-Posen imitiert, alles mit viel britischem Humor. Die 32-jährige Regisseurin und Autorin freut sich riesig auf die Premiere: Der Preis ist ein Signal, eine Wegmarke für die Kultur. Stella Roberts will das Beste daraus machen: "Es ist wahnsinnig aufregend, wie ein Trip kann man sagen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 13.09.2021 | 15:20 Uhr