Bühnenszene: Hamburger Dschungelbuch © G2 Baraniak

Jubel für "Hamburger Dschungelbuch" von Christian Berg

Stand: 29.01.2022 11:50 Uhr

Nach fast zwei Jahren Corona-Verzögerung hat das Musical "Das Hamburger Dschungelbuch" im First Stage Theater in Hamburg-Altona seine Uraufführung gefeiert. Der Macher, Christian Berg, hat den Abend nicht mehr miterlebt. Er war vergangene Woche gestorben.

von Daniel Kaiser

Nicht nur Panther, Tiger und Affen, sondern auch Hunde und Möwen - die Tierwelt in diesem Hamburger Dschungelbuch ist um einiges bunter als im Original. Christian Berg hat die weltbekannte Geschichte wunderbar witzig, frech und charmant neu erzählt und auf Hamburg gedreht - mit neuen Texten und neuen Liedern, die ganz anders klingen als der legendäre Disney-Film. In jeder Zeile hört man Bergs typischen Sound heraus.

Bühnenszene: Hamburger Dschungelbuch © G2 Baraniak
Silvia Hofmann als Findelkind Mowgli
HSV-Fans als Affenbande

Das Findelkind Mowgli (Silvia Hofmann) wird von Hunden aufgezogen und schlägt sich auf der Flucht vor dem Tiger Shir Khan (Torben Padanyi) durch den Hamburger Großstadt-Dschungel. Dabei trifft das Mädchen auf viele Figuren aus der Geschichte von Rudyard Kipling: Die hypnosetalentierte Schlange Kaa wird zur schnöseligen Blankeneserin mit Einkaufstüten teurer Boutiquen (Alexandra Kurzeja), der Gemütlichkeits-Bär Balou ist im Hamburger Dschungelbuch eine "Bärkassenkapitänin" (Garance Schlüter-Bazile) mit dickem Bauch und eigenem Schiff, und die Affenbande entpuppt sich als "Digger"-plappernde Clique von HSV-Fans mit Goldkettchen. Besonders hinreißend sind die beiden Möwen-Handpuppen Hin und Nerk (gebaut von Matthias Weber), die einen trockenen Spruch nach dem anderen absondern. Herrlich hamburgisch das Ganze!

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Wunderbare Hamburg-Ohrwürmer

Die fünf Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne wuseln sich durch gleich mehrere Rollen. Auch Leonie Fuchs ist mal Affe, mal Möwe, mal Hundemutter. Alexandra Kurzeja, die auch die Regie von Christian Berg fortgeführt hat, strahlt besonders mit ihrer rotzfrechen Art und interagiert ganz wunderbar mit den kleinen Zuschauern, wenn sie etwa das Publikum animiert, die schlafende Mowgli aufzuwecken.

Die Band Radau, die sich auf Pop- und Rockmusik für Erwachsene und Kinder spezialisiert hat, hat einen schmissigen Ohrwurm nach dem anderen geliefert. Nach diesem Stück ist jedem klar, dass "Hamburg der Dschungel" und "Moin das Zauberwort" ist. Das Bühnenbild von Ulrike Engelbrecht zeigt eine Hamburg-Silhouette mit Michel und Elphi, und im Vordergrund ist man mit nur ein paar Handgriffen und Requisiten mal an den Landungsbrücken, mal am Jungfernstieg, an der Reeperbahn oder im Altonaer Bahnhof.

Hamburg ist bunt

Die Story ist manchmal schon einigermaßen schräg und man sollte die Logik nicht überstrapazieren, aber die Botschaft schlägt alles: Hamburg ist bunt. Und "ein Tiger ist auch nur ein Tiger / der Starke nicht immer der Sieger". Dem Team von Christian Berg ist wieder einmal ein wunderbarer Abend zum Hingucken, zum Schmunzeln und zum Singen gelungen - ein starkes Mitmach- und Mutmach-Musical!

Staat hat keinen Cent dazubezahlt

Es war Christian Bergs ausdrücklicher Wunsch, dass die Uraufführung auch ohne ihn stattfindet. Das Stück stand schon vor zwei Jahren auf dem Spielplan vom First Stage Theater, als Corona dazwischenkam. Seitdem kämpfte die Truppe um die Chance, das Musical auf die Bühne zu bringen. Bei der Premiere ließ das Team das erstaunte Publikum wissen, dass dieses Dschungelbuch ohne einen Cent staatlicher Förderung auskommen muss und sich nur mit privaten Sponsoren finanziert.

Dass so eine wunderbare Sache durch die Maschen der Corona-Kulturförderung fallen kann, muss der Kulturbehörde, die ja in den vergangen Monaten manchen Rettungsschirm aufgespannt und viele Fördertöpfe geöffnet hat, Anlass zur Sorge geben und Ermunterung zum Handeln sein.

Team macht weiter

Bei dieser Uraufführung wurde viel gelacht und auch ein bisschen geweint. Christian Berg fehlt. Ein bisschen war es aber so, als sei er doch dabei gewesen. Einmal erklingt in einer Ansage sogar seine Stimme. In diesem kurzweiligen, zweistündigen Feuerwerk an Ideen, Melodien und Komik spürt man noch einmal, welch großen Entertainer die Familienunterhaltung verloren hat. Bergs Stücke haben einen treuen, generationsübergreifenden Fankreis.

Hier erleben Kinder, wie spannend, relevant, lebendig und unterhaltsam Theater sein kann. Das Team hat sich deshalb entschlossen, in diesem Spirit weiterzumachen. Ein neues Märchenbuch aus dem Nachlass Bergs soll erscheinen, außerdem ist ein Christian-Berg-Preis geplant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 28.01.2022 | 19:00 Uhr

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