Ausschnitt aus der Totentanz-Animationsoper vom niederländischen Regisseur Wim Trompert. © St. Marien zu Lübeck

Ganz schön lebendig: 1. Europäisches Totentanz Festival

Stand: 24.09.2021 12:49 Uhr

Das 1. Europäische Totentanz-Festival in Lübeck startet mit der Weltpremiere einer animierten Oper. Zu Grunde liegt ein 500 Jahre alte Lithografie.

Ausschnitt aus der Totentanz-Animationsoper vom niederländischen Regisseur Wim Trompert. © St. Marien zu Lübeck
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von Linda Ebener

In dem Bild "Lübecker Totentanz" geht es um die Vergänglichkeit des Menschen und den Tod. Es ist vor mehr als 500 Jahren zur Zeit der Pest entstanden. Auf dem Gemälde sind Männer und Frauen mit prunkvollen Gewändern und Kronen zu sehen, neben ihnen stehen Skelette, die sie an die Hand nehmen.

Lithographie nach Notkes "Totentanz" in der Lübecker Marienkirche © akg-images
Bernt Notkes "Totentanz Luebeck" wird wiederbelebt.
Festival ist dem Tod gewidmet

Mit dem Tod setzen wir uns ungern auseinander. Oft sei er noch ein Tabuthema, sagt Marienpastor Robert Pfeifer aus Lübeck. Dennoch gehöre er zum Leben dazu - so wie das Bild "Lübecker Totentanz" in die Hansestadt. Und dem ist auch das Festival gewidmet.

"Wir haben eben so ein vielfältiges Programm und nähern uns von ganz vielen verschiedenen Seiten", erzählt Pfeifer und ergänzt: "Sei es über die Seite der Historiker, die über den historischen Totentanz sehr viel berichten können, sei es über den gesellschaftlichen Diskurs mit den Leuten, die in den Professionen unterwegs sind, die sich mit diesen Grenzsituationen beschäftigen, also Seelsorger aus ganz vielen verschiedenen Bereichen."

Wim Trompert schuf animierte Oper

Der Mittelpunkt des Festivals ist die Weltpremiere des niederländischen Opernregisseurs Wim Trompert. Er hat den "Lübecker Totentanz" zum Leben erweckt und daraus eine animierte Oper gemacht mit der Musik von Thomas Adès. Dahinter steckt ein Animationsfilm. Die Idee kam ihm vor zwei Jahren, als er zum ersten Mal in der Marienkirche war und das Bild sah, dass ihn so faszinierte.

"Hier hat es das wunderschöne Totentanzgemälde von Bernd Notke aus 1463 gegeben, das leider im zweiten Weltkrieg verloren ging", sagt Trompert und fügt hinzu: "Davon übrig ist nur noch ein Schwarzweiß-Bild. Ich habe dann versucht, aufgrund dieses Fotos, das Gemälde wieder zurückzubringen - digital."

Die Figuren zum Leben erwecken

Zwei Jahre lang hat er an dem Animationsfilm gearbeitet und das war nicht einfach. "Ich habe immer versucht, nah am Notke zu bleiben und seine Ästhetik mitzunehmen. Man nimmt diese Figuren aus dem Gemälde und schneidet Arme, Beine und den Kopf frei. Damit sich die Figur bewegen kann, muss man sehr viel dazugestalten: Wenn man nur einen Kopf hat, der nach links schaut, reicht das nicht - er muss auch noch nach vorne und hinten schauen können."

In diesem Jahr hat Wim Trompert seine Idee der animierten Oper Pastor Robert Pfeifer vorgestellt - der war sofort begeistert und sie entwickelten zusammen ein Konzept für ein Totentanz-Festival. "Es gibt auch Menschen, die nicht verstehen, wie man Totentanz und Festival zusammendenken kann", gibt Pfeifer zu: "Aber unser Gedanke war, dass das Thema Tod auch den Menschen nahe gebracht werden muss. Vielleicht auf eine etwas unterhaltsame Art und Weise, um Menschen dazuzubringen, sich damit zu beschäftigen und das nicht einfach zu verdrängen."

Die Zeit auf Erden gut nutzen

Neben der Weltpremiere von Wim Trompert gibt es noch Führungen, Gottesdienste und eine Kunstausstellungseröffnung zweier Schulen aus Bad Segeberg und Lübeck, die sich seit den Sommerferien mit dem Totentanz beschäftigt haben und ihre Ergebnisse zeigen.

"Es geht darum, dass man wissen muss, dass das Leben endlich ist", fasst Tompert die Idee hinter dem Festival zusammen: "Und warum muss man das wissen? Weil man seine Zeit gut nutzen und selber die Initiative ergreifen muss."

Das 1. Europäische Totentanzfestival geht bis zum 2. Oktober. Alle Programmpunkte sind auf der Internetseite von St. Marien nachzulesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.09.2021 | 06:40 Uhr