"Die Brüder Karamasow": Am Ende alle allein und verzweifelt

Stand: 13.09.2021 09:18 Uhr

"Die Brüder Karamasow" von Dostojewski haben am Hamburger Schauspielhaus am Sonntagabend Premiere gefeiert - inszeniert von Oliver Frljić. Es ist die erste Arbeit des Kroaten an diesem Haus: Er setzt auf Bilder und Rhythmus.

von Katja Weise

Wahnsinniges Gelächter - verzweifelt und hohl im dunklen Raum - mehr bleibt nicht am Ende des gut zweieinhalbstündigen Abends. Düster ist der und rissig. Dabei legt Oliver Frljić den sprichwörtlichen roten Faden sogar einmal aus, als Zeichen der Liebe.

Von der ist viel die Rede, doch Glück ist keinem beschieden, weder dem Vater, noch den Söhnen Karamasow. Das zeigt der Regisseur gleich mit dem ersten Bild deutlich: Eine Frau hat einen Mann vor ihren Karren gespannt, treibt ihn an mit einer langen Peitsche, an deren Ende ein rotes Herz hängt. Dem läuft er hinterher, doch erreicht es nie.

"Die Brüder Kasamarow" auf der Bühne - Roman bleibt ein Gerippe

Markus John und Daniel Regenberg in einer Szene von "Die Brüder Kasamarow" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg © Thomas Aurin, 2021 Foto: Thomas Aurin
"Die Brüder Kasamarow" leben in einer düsteren Welt. Hier eine Szene mit Markus John und Daniel Regenberg.

Frljić nimmt den Roman quasi im Galopp, würfelt die Figuren auf die schwarze Bühne, lässt Tische auf- und abbauen, Birkenstämme und Kronleuchter von oben herabsinken, doch bleibt der Raum letztlich leer. Denn Antworten auf die zentralen Fragen - Gibt es einen Gott? Was macht das Leben aus? - gibt es nicht. Es herrscht, wie einige Zuschauer hinterher sagen: "Verzweiflung, wirklich Verzweiflung und Auseinandersetzung mit Gott und Sinn im weitesten Sinn."

Vom Roman hingegen bleibt ein Gerippe, Frljić setzt auf Bilder und Rhythmus. Der Pianist Daniel Regenberg begleitet fast alle Szenen durchgängig, kommentiert, treibt, und stört manchmal auch, denn das Ensemble hat es nicht immer leicht, sich gegen diesen Klangteppich durchzusetzen.

Frljićs Inszenierung fehlt eine klare Struktur

Sandra Gerling in einer Szene von "Die Brüder Kasamarow" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg © Thomas Aurin, 2021 Foto: Thomas Aurin
Sandra Gerling als Gruscha schafft Momente großer Intensität

Die Brüder Dmitrij, Iwan und Aljoscha Karamasow sind so doppelt Verlorene: Weder Leidenschaft, wie im Falle von Dimitrij, noch Intellekt - Iwan ist der Aufgeklärte - noch der Gottesglaube des Mönchs Aljoscha bieten wahre Zuflucht. Der Mensch, heißt es einmal, ist das missratenste Tier und lebt - hier - in einer dunklen (Bühnen)Höhle.

Das tritt nicht ein, stattdessen: ein Mord. Der brutale, hinterlistige Vater Karamasow wird ermordet. Wer die Schuld trägt? Nicht nur einer. Frljić zeigt eine düstere Welt, und auch wenn das Ensemble hart arbeitet, vor allem Sandra Gerling als Gruscha schafft Momente großer Intensität, fehlt eine klare Struktur. Eine Geschichte. So bleiben alle Figuren für sich - allein und verzweifelt.

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Außenaufnahme vom deutschen Schauspielhaus in Hamburg © dpa picture alliance Foto: Markus Scholz

Kulturpartner: Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gehört zu den führenden Theatern in Deutschland. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.09.2021 | 06:40 Uhr