Annette Frier und Christoph Maria Herbst im Beziehungsstreit
Annette Frier und Christoph Maria Herbst haben dem Publikum am Mittwoch mit ihrem Programm "Die Kunst, Recht zu behalten oder: Du mich auch" im Schauspielhaus Hannover große Freude bereitet.
Die zwei beliebten Profis schenken sich nichts - höchstens die Pointen. Annette Frier und Christoph Maria Herbst haben auf der Bühne des Schauspielhauses in Hannover kaum Platz genommen, schon geht es los.
"Guten Abend!"
"Einen wunderschönen guten Abend, wollte er natürlich sagen."
"Einen ganz besonders wunderschönen guten Abend."
"Einen besonders wunderschönen guten Abend meine Damen und Herren."
"... und Herrinnen. Gendergerechtigkeit."
"Du musst jetzt aber nicht direkt unangenehm auffallen."
"Dafür muss ich den Mund ja eigentlich gar nicht erst auf machen."
"Nee, das haben wir ja schon gesehen."
Auszug aus dem Stück
Schon ist das Publikum drin in einem Feuerwerk des Streitgespräches. Der Kampf der Geschlechter wird vorgeführt anhand von Texten aus mehreren Jahrhunderten. Die Bibel ist dabei, Mark Twain, oder Shakespeare und Hölderlin. Manches ist bekannt, manches hochromantisch und emotional.
Der heimliche Star auf der Bühne sind aber mehrere Texte des Autoren Ralf Husmann, aus dessen Feder auch die Serie "Merz gegen Merz" stammt. Er lässt seine beziehungsgeschädigten Protagonisten derart scharfzüngig aufeinander los, das es für das Publikum eine Freude ist.
Annette Frier und Christoph Maria Herbst sezieren mit ihren Texten lieber die unterschiedlichsten Varianten des Beziehungsstreits. Das kann schon mal lauter werden, wenn sie mit Kurt Tucholsky als Ehepaar erfolglos versuchen, einen Witz zu erzählen. So zetern, keifen, kämpfen die beiden Künstler sich durch die Literaturgeschichte. Das funktioniert auch, weil sich beide so gut kennen.
Annette Frier: Eingespieltes Team macht Bock
Annette Frier und Christoph Maria Herbst stehen schon so lange gemeinsam vor der Kamera, haben schon so viele Hörbücher aufgenommen - da stimmt die Chemie einfach, weiß Annette Frier vor der Lesung zu berichten: "Wir sind natürlich über die letzten Jahre wirklich schön eingespielt und warmgelaufen bei den diversen Projekten, die wir gemacht haben. Das macht Spaß und das ist auch schön. Das macht Bock."
So streiten, wie es an diesem Abend auf der Bühne des Schauspielhauses Hannover passiert, kann man nicht mit jedem, meint Christoph Maria Herbst: "Und das schizoide ist ja, das ist zumindest meine Wahrnehmung und meine Erfahrung, dass man sich nur dann richtig gut und auch überzeugend fetzen kann und streiten kann, wenn man sich persönlich versteht. Und gut miteinander ist."
Das sind die beiden sichtlich. Das Publikum im fast ausverkauften Schauspielhaus lacht viel, scheint sich bei manchem Streitgespräch über allzu Alltägliches ertappt zu fühlen und dankt am Ende mit langanhaltendem Applaus.
Christoph Maria Herbst: "Wir zeigen, wie es nicht geht"
Was sollen die Menschen nun aus diesem Abend mitnehmen? Herbst antwortet: "Man kann es vielleicht runterbrechen auf die Formel: Wir zeigen den Menschen nicht, wie es geht. Aber wir zeigen ihnen in jedem Fall, wie es nicht geht." Da kann Annette Frier nur zustimmen: "Ja, das ist ein sehr guter O-Ton."
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