Bewohner Altonas bei "Altona macht auf" © NDR.de/Kristina Wedekind Foto: Kristina Wedekind

"Altona macht auf": Nachbarschaft neu entdecken

Stand: 12.09.2021 10:44 Uhr

Bei der Altonale machen viele Bewohner des Hamburger Stadtteils ihre Fenster und Balkontüren auf und singen, tanzen und machen Musik. "Altona macht auf" heißt der Teil des Festivalprogramms.

von Franziska Storch

Rafael Orth spielt Klavier und Anne Küchler zeichnet mit buntem Klebeband Stück für Stück an die Decke des Laubengangs eine sich rankende Pflanze als würde die Musik Zauberwasser sein, was die Pflanze wachsen lässt. Unten im Innenhof lauscht und schaut das Publikum fasziniert von dieser Fantasie, wie eine Nachbarin feststellt: "Es ist so schön bunt. Es gibt Gedichte. Es gibt irgendwie witzige Geschichten. Es hat alles seinen ganz eigenen Charme."

Die bunte Tour von Fenster zu Fenster hat Ove Thomsen organisiert. Er trägt Kapitänsmütze, eine Schärpe aus goldenem Stoff und zieht einen Verstärker auf einem Skateboard hinter sich her. Und er hat sogar ein Quiz vorbereitet: "Wir sind ja auf dem Bahrenfelder Steindamm, deswegen habe ich noch ein paar Steine gold angefärbt. Die gibt’s zu gewinnen. Die gibt es nur exklusiv auf dieser Tour."

Gold ist die Erkennungsfarbe des "Altona macht auf"-Abends.

Bewohner Altonas bei "Altona macht auf" © NDR.de/Kristina Wedekind Foto: Kristina Wedekind
Rafael Orth am Klavier und Anne Küchler auf der Leiter bei "Altona macht auf"

Goldener Stoff hängt an den Fenstern, Türen und Balkonen, wo etwas passiert. Es ist eine Tour voller schöner Überraschungen. Zum Start der Tour sind acht Leute dabei. Doch bei jedem Halt werden es mehr. Eine Anwohnerin erzählt: "Ich bin einfach den Klängen gefolgt, also dem Mikrofon. Ich hab das einfach aus dem Fenster gehört und gedacht: Ach, das klingt interessant und bin einfach mal losgegangen. Ist jetzt mehr so Zufall, dass ich dabei bin."

Zu erleben gibt es die Anekdote von einem gefärbten Schnauzbart, ein Gedicht über Zoom-Küsse statt echter Umarmungen, ein pantomimisches Theater im Fenster und sogar ein provisorisches Fotostudio in einer Durchfahrt. Das kommt gut an. Wer seine Bilder mag, bleibt mit dem Fotografen über Visitenkarte in Kontakt. Direkt nebenan spielt Silke Knoche selbst geschriebene Songs.

Nachbarn und Nachbarschaft neu entdecken

Am letzten Halt erklärt Architekt und Bewohner Volker Schmidt die Architektur des Hauses aus den 1920er Jahren: "Dann ist das Gebäude so gebaut, dass die Leute von getrennten Treppenhäusern immer Balkone haben, die aneinandergrenzen, sodass man halt sich untereinander wirklich gut kennenlernt." Anschließend erklärt Schmidt, wie der Grünstreifen vor dem Haus zu einem Garten wurde. Eine Anwohnerin lacht und sagt: "Den habe ich tatsächlich noch nie so wahrgenommen."

Die Nachbarn und die Nachbarschaft noch einmal neu zu entdecken, das gelingt den Machern von "Altona macht auf" mit viel Liebe zum Detail.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 11.09.2021 | 14:20 Uhr