50 Jahre Nussknacker-Inszenierung: Kinderaugen strahlen

Stand: 27.11.2021 12:49 Uhr

Vor 50 Jahren hat John Neumeier seine Version des Balletts Der Nussknacker zum ersten Mal auf der Bühne gezeigt. Zum Jubiläum hat sich der Chef des Hamburg Ballett etwas Besonderes überlegt.

von Petra Volquardsen

Diese Begegnung hat es in sich: Eine Schülervorstellung, zu der ganz besonders Kinder aus Familien mit geringem Einkommen eingeladen waren. Auf der Bühne sind Tänzerinnen und Tänzer des Hamburg Ballett - im Zuschauersaal rund 1.000 Kinder und Jugendliche. Sie zur Jubiläumsvorstellung seines Nussknacker Balletts einzuladen ist für John Neumeier, das spürt man, eine Herzensangelegenheit.

Bevor sich der Vorhang hebt, kommt er auf die Bühne, stellt sich vor, erklärt, was ein Choreograph so macht und wie Ballett funktioniert: "Es ist so, die Tänzer sprechen nicht. Mit ihren Bewegungen und wie sie miteinander agieren, versteht man die Geschichte."

Nussknacker der Staatsoper fasziniert Kinder

So wuselig und unruhig es kurz vorher noch war: Als das Orchester zu spielen beginnt und die ersten Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne kommen, sind die Kinder konzentriert dabei. Sie kommen aus allen Ecken der Stadt: aus Billstedt oder Altona, aus Rahlstedt oder Wilhelmsburg.

Immer mal wieder geht ein Raunen durch die Sitzreihen - wow, was für schöne Kostüme. Die Kinder und Jugendlichen behalten während der Vorstellung ihre Masken auf - so wie sie es aus der Schule kennen. Den Erwachsenen ist bei diesem Ballettnachmittag ab und zu auch ein bisschen mulmig. So viele Leute zusammen. In der Pause werfen viele einen Blick in den Orchestergraben. "Ich finde die Harfe so interessant," erzählt ein Kind. "Ich hab noch nie gesehen, wie sowas gespielt wurde. Ich finde interessant, dass es hier so groß ist und dass hier auch sehr viele Spieler sind."

Gewaltiger Schlussapplaus in Hamburg

John Neumeier erzählt, warum es ihm so wichtig ist, dass gerade auch Kinder, deren Eltern nicht so viel Geld haben, ins Ballett kommen können. Zum einen, weil er weiß, wie schwierig für viele die Corona Zeit war und ist. Zum anderen, weil er ihnen die Freude am live Erlebnis vermitteln möchte, die es so bei keinem Video im Internet gibt: "Dass die begreifen, sie erleben etwas was nur einmal da ist und das ist von Mensch zu Mensch."

Diesen Unterschied spüren viele. Natürlich wird hier und da auch mal im Publikum gequatscht . Die allermeisten aber sind bis zur letzten Pirouette regelrecht gebannt und fasziniert. Gut möglich, dass John Neumeier, das Orchester und das Hamburg Ballett für manche die Tür in eine ganz neue Welt aufgestoßen haben. Der Schlussapplaus ist auf alle Fälle gewaltig.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.11.2021 | 07:20 Uhr